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22.06.2016

12:04 Uhr

Schüler diskutieren über den Brexit

„Andere entscheiden über unsere Zukunft“

VonKatrin Terpitz

Was denken Jugendliche in Großbritannien über das EU-Referendum? Die Wahl hat großen Einfluss auf ihre Zukunft – doch sie dürfen nicht abstimmen. Das Handelsblatt besuchte eine Politikstunde an einer Schule in Kent.

Schüler von Year 7 der Skinners' School in Tunbridge Wells/Kent diskutieren mit Politik-Lehrerin Charlotte Schillinger über einen Brexit. Katrin Terpitz

Bleiben oder gehen?

Schüler von Year 7 der Skinners' School in Tunbridge Wells/Kent diskutieren mit Politik-Lehrerin Charlotte Schillinger über einen Brexit.

Tunbridge WellsVon außen wirkt der verwunschene Ziegelbau der Skinners‘ School von Tunbridge Wells in der Grafschaft Kent ein klein bisschen wie Hogwarts, das Internat von Harry Potter. Jungs zwischen elf und 18 Jahren tummeln sich auf dem Schulhof. Alle tragen dunkle Schuluniform und Krawatte. Hierher schaffen es nur die mit den besten Noten.

Rektor Ed Wesson ist stolz auf die Debattierkultur an seinem Gymnasium – eine urbritische Tradition. Der studierte Historiker versucht, bei Skinners‘ Geschichte lebendig zu machen. Und das EU-Referendum sei schließlich eine Entscheidung von historischer Bedeutung. Vor ein paar Wochen hat Wesson deshalb die 940 Schüler in der Aula versammelt und zwei Gruppen gegeneinander debattieren lassen – für und gegen den Verbleib Großbritanniens in der EU.

„Ich selbst bin für Bleiben“, sagt Direktor Wesson. Doch die Schüler sollten sich selbst ein Bild machen und sich von Argumente überzeugen lassen. Am Schluss der Debatte mussten die Jungs - wie beim Hammelsprung im Parlament - ihren Wahlzettel in eine der beiden Urnen werfen: Leave or Remain? Das Ergebnis war äußert knapp: 51 Prozent stimmten gegen, 49 Prozent für einen Brexit. Der Riss in der britischen Gesellschaft, er geht auch quer durch die Schülerschaft.

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Eigentlich tendieren junge Briten eher zum Verbleib in der EU – im Gegensatz zu manch Älteren, die den glanzvollen Zeiten des British Empire nachtrauern. Allerdings gilt die Generation U-35 auch als besonders „wahlfaul“. Gerade mal die Hälfte von ihnen wird Umfragen zufolge am 23. Juni ihre Stimme abgeben.

Anders als beim Referendum über Schottlands Unabhängigkeit 2014, bei dem schon 16-Jährige mitentscheiden konnten, dürfen über den Verbleib in der EU nur volljährige Briten abstimmen. Die älteren Skinners‘-Schüler ärgert das: „Andere bestimmen über unsere Zukunft! Das ist doch unfair.“ „Es gab ja auch den Vorschlag, dass Briten über 70 nicht abstimmen sollten“, meint die junge Lehrerin Charlotte Schillinger.

Die Schüler von Year 7, mit denen sie heute im Politikunterricht diskutiert, sind zwischen elf und zwölf Jahr alt. Sie alle fühlen sich von der hochemotionalen Brexit-Debatte überrollt und verunsichert: „Wir wissen gar nicht, wem wir glauben sollen. Keiner kennt die wirklichen Fakten.“

Wie die erwachsenen Briten auch bewegt ein Thema die Schüler kurz vor dem Referendum besonders: die Migranten im Lande. „Es kommen viel zu viele Ausländer nach Großbritannien“, meint ein Junge mit dunklem Teint. „Deshalb bin ich für Leave.“ Sein Argument: Warum darf jeder hier leben, nur weil er einen EU-Pass hat? Briten sollten lieber ausgewählte gute Leute aus Afrika oder Asien ins Land holen. Mit dieser Ansicht steht er nicht allein: „Wenn wir aus der EU austreten, bekommen wir endlich die Kontrolle über unsere Grenzen zurück.“

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