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21.06.2016

09:16 Uhr

Toyota, Jaguar und BMW

Wie die Autobauer gegen den Brexit kämpfen

VonLukas Bay

Mit einem Flyer, der die Marken-Logos großer Autobauer zeigt, wirbt eine britische Initiative für den Brexit. Tenor: Die Branche habe nichts gegen einen EU-Ausstieg. Toyota widerspricht ungewöhnlich deutlich – und klagt.

Auf einem Pro-Brexit-Flyer sieht man die Marken-Logos von Nissan, Vauxhall, General Electrics, Unilever und Toyota. Die Unternehmen sind davon nicht begeistert. PR

Nissan-Leaf-Produktion im britischen Werk Sunderland

Auf einem Pro-Brexit-Flyer sieht man die Marken-Logos von Nissan, Vauxhall, General Electrics, Unilever und Toyota. Die Unternehmen sind davon nicht begeistert.

Bristol„Glauben Sie nicht denjenigen, die Großbritannien kleinreden wollen“, fordert der Flyer der Initiative „Vote Leave“ unter einem dicken roten Balken. Der Flyer verspricht mit den Mythen aufzuräumen, die von denjenigen verbreitetet werden, die auf die Gefahren eines Brexits hinweisen. Neben den Zitaten von Experten stellen die Brexit-Befürworter die Frage: „Stehen Jobs auf dem Spiel?“

Die EU-Regulierung, argumentieren die Autoren des Flyers, mache es den Unternehmen schwerer, neues Personal einzustellen. Firmen würde England nicht verlassen, egal wie das Referendum ausgehe. Darüber sieht man die Marken-Logos von Nissan, Vauxhall, General Electrics, Unilever – und Toyota.

Doch bei den Japanern ist man alles andere als begeistert, für die Wahlwerbung der Brexit-Befürworter missbraucht zu werden. „Wir haben umgehend Klage gegen die unrechtmäßige Verwendung unseres Logo eingereicht“, erklärt ein Toyota-Sprecher gegenüber dem Handelsblatt.

Die EU-Regulierung, argumentieren die Autoren des Flyers, mache es den Unternehmen schwerer, neues Personal einzustellen.

Initiative „Vote Leave“

Die EU-Regulierung, argumentieren die Autoren des Flyers, mache es den Unternehmen schwerer, neues Personal einzustellen.

In einem für die Japaner ungewöhnlichen deutlichen Statement macht Europachef Johan van Zyl klar, welche Relevanz die Europäische Union für das Geschäft von Toyota hat. „Im Jahr 1992, als wir entschieden haben unsere erste Produktion in Europa in England anzusiedeln, haben wir das auch wegen des offenen und freien Zugangs zum europäischen Binnenmarkt getan“, betont Johan van Zyl, Präsident des Europageschäfts von Toyota.

Als Wahlempfehlung wollen die Japaner dieses Statement nicht verstanden wissen. Die Entscheidung liege bei der britischen Bevölkerung, „aber wir sind besorgt, dass ein Ausstieg weitere Herausforderungen nach sich ziehen könnte.“ Toyota ist nicht der einzige Autobauer auf der Insel, der seine Sorgen über den Ausstieg mittlerweile offen artikuliert.

Ihre monatelange Zurückhaltung haben die Autobauer mittlerweile komplett aufgegeben. Unter einem gemeinsamen Statement des britischen Verbandes der Autoindustrie SMMT finden sich die wichtigsten Hersteller auf der Insel. Darin heißt es, dass man weitreichende Bedenken hege, dass ein Brexit Jobs und Investments auf Spiel setzen könnte. Damit widersprechen sie ebenfalls dem zentralen Statement der Brexit-Kampagne.

Unterschrieben haben namhafte Manager der wichtigsten Hersteller: Ken Roger, Finanzchef von Jaguar-Land Rover, BMW-Vorstand Ian Robertson, Vauxhall-Chef Rory Harvey und der britische Toyota-Chef Tony Walker.

Statt mit Emotionen – wie es derzeit in den meisten politischen Debatten auf der Insel der Fall ist – argumentieren die Manager mit Fakten und der Relevanz ihrer Industrie, „um sicherzustellen, dass nach jüngsten Fehlinterpretationen absolute Klarheit über die Position der Automobilwirtschaft besteht“.

Kommentare (8)

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Herr Herbert Maier

21.06.2016, 10:10 Uhr

Die Industrie sollte vernünftiger sein und sich einfach mal zurückhalten. 1. wird der Brexit nicht kommen: Sogar wenn dafür abgestimmt wird (was immer Unwahrscheinlicher wird, weil die Leute durch die Dauerfeuer-Propaganda weich werden), wird das Parlament nicht mitmachen. Bitte nicht vergessen, dass die USA das UK unbedingt in der EU haben wollen, und daran wird sich selbstverständlich in UK gehalten. 2. Aber selbst wenn der EU Austritt erfolgen würde (Wahrscheinlichkeit 0,01%, s.o.), würde UK alsbald in EWR aufgenomen (auch wenn EU und BRD drohen, das käme nicht in Frage - das sind reine leere Drohungen zur Beeinflussung des Wahlverhaltens!), und dadurch würde sich für Industrie und Wirtschaft kaum etwas ändern, denn da gilt nahezu alles, was in der EU gilt, weiter.

Herr horst langner

21.06.2016, 10:16 Uhr

Bevor die EU gegründet wurde, gab es doch auch schon Handelsbeziehungen zwischen den Ländern und allen ging es gut. Als es hieß Griechenland muß raus, gab es ein Aufschrei Europa bricht zusammen. Später wünschten sich alle heimlich, daß Griechenland von alleine austritt, Pustekuchen von wem hätten sie dann die zig Milliarden bekommen. Jetzt zittern alle das Großbritannien den Rückzug macht, na und.
Norwegen und die Schweiz sind auch nicht in der EU. Ich habe lange in der Schweiz gearbeitet, feines Land. Wenn ich nicht schon zu alt wäre, würde ich übersiedeln.. Alles Panik mache, die Welt dreht sich auch ohne GB weiter. Einzig die Finanzmärkte, um die sich ja alles dreht, würde ins grübeln kommen.

Herr Thomas Ungläubig

21.06.2016, 10:20 Uhr

@Herr Herbert Maier:
So sehe ich das auch, Herr Maier. Die Amis können nicht riskieren, dass ihr Flugzeugträger in der Nordsee absäuft. Zum andern hat das »Attentat« die Volksmeinung auf den Kopf gestellt. Goebbels Propagandamaschinerie hätte das nicht besser hinbekommen.

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