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23.06.2016

12:18 Uhr

Trotz Subventionen aus Brüssel

Warum Bauern raus aus der EU wollen

VonChristoph Kapalschinski

Sie bekommen einen großen Teil ihres Einkommens aus Brüssel. Trotzdem wollen die meisten Landwirte auf der Insel raus aus der EU – gegen den Willen ihrer Funktionäre. Warum das so ist, zeigt ein Ortsbesuch in Schottland.

Die schottische Farmerin ärgert sich über die Regelungswut der Brüsseler Bürokraten.

Rinderzüchterin Marion Tilson

Die schottische Farmerin ärgert sich über die Regelungswut der Brüsseler Bürokraten.

Gordon/BerwickshireMarion Tilson hat von ihrem großzügigen Wohnzimmer aus den besten Blick auf die volle Schönheit Schottlands. Die grünen Hügel, eine Autostunde südlich von Edinburgh, mit den 1800 Schafen und den 200 Angus-Rindern gehören seit Generationen ihrer Familie. Trotzdem ist die alte Farmerin unzufrieden: Vervierfacht habe sich der Papierkram über die Jahre, vor allem seitdem Großbritannien Mitglied der EU ist. Die Vorschriften aus Brüssel passten vielleicht zu den Gegebenheiten in anderen Ländern, aber selten zu den schottischen.

So reißen sich viele ihrer Schafe die Ohren ein, seitdem sie neun Monate nach der Geburt einen Ohrclip bekommen müssen – selbst wenn sie ihr Leben lang auf den Wiesen der Wedderlie-Farm bleiben. „Das hat wohl mit irgendeinem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche zu tun. Aber eine Einheitsvorschrift passt doch nicht auf 27 Länder“, ärgert sich die Chefin von drei Mitarbeitern. Klar, sagt sie, Bürokratie komme auch aus London und aus der schottischen Hauptstadt Edinburgh. Doch da gebe es wenigstens die Chance, Einfluss zu nehmen – nicht aber in Brüssel. Ihr Votum ist daher – trotz aller Unsicherheiten, die für die Agrarsubventionen folgen, klar: Leave.

So wie Marion Tilson wollen laut Umfragen drei Viertel der schottischen Bauern stimmen – obwohl deren Funktionäre etwas anderes empfehlen. Ein Brexit würde die Bauern in Unklarheiten stürzen, sagt Bob Carruth, Chef des Bauernverbands NFU Schottland. Daher sollten sie sich mit den Folgen einer Entscheidung auseinandersetzen. Von seinem Büro am Edinburgher Flughafen aus sieht er zwar ebenfalls viel unnütze Bürokratie – aber eben auch die gesicherten Subventionen. Bauernfunktionäre warnen: 74 Prozent aller Einkünfte der schottischen Bauern kamen 2015 aus der EU, 40 Prozent des Schaffleisches ging dorthin.

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