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25.06.2016

14:26 Uhr

Wales für den Brexit

„Wir werden nicht einen Penny verlieren“

VonLukas Bay

Wales hat für den Ausstieg gestimmt, kassierte aber über Jahre hunderte Millionen Euro Fördergelder aus der EU. Nach dem Brexit muss der walisische Regierungschef Jones das Geld an anderer Stelle eintreiben.

Die Waliser haben für den Brexit gestimmt, wollen aber an der Seite der Engländer bleiben. Reuters

Kinder mit Union Jack und walisischer Flagge

Die Waliser haben für den Brexit gestimmt, wollen aber an der Seite der Engländer bleiben.

CardiffVor dem Rathaus von Cardiff weht noch die europäische Flagge. Formal ist der Ausstieg schließlich noch nicht umgesetzt. Doch auch in Wales hat sich eine Mehrheit dafür ausgesprochen, dass die Fahne in den kommenden Jahren abgehängt werden muss und auch Wales die EU verlässt. Künftig weht hier der Union Jack. Von den rund 1,6 Millionen wahlberechtigten Walisern haben rund 53 Prozent für den Ausstieg gestimmt.

Während die Unabhängigkeitsbewegungen in anderen britischen Regionen wie Schottland und Nordirland nach dem Votum neuen Aufwind spüren, stehen die Waliser bislang fest an der Seite der Engländer. Hier überlegen die Waliser stattdessen, wo in Zukunft die Fördergelder herkommen sollen. Denn die über Jahrzehnte strukturschwache Region wird von der EU jährlich mit geschätzten Zuschüssen zwischen 650 bis 750 Millionen Euro bedacht. Auch deswegen konnte die walisische Wirtschaft in den vergangenen Jahren immer stärker zulegen als die Schwesternation England.

Der Walisische First Minister Carwyn Jones meldete sich am Freitag bereits zu Wort. „Nicht einen Penny“ wolle man durch den EU-Ausstieg verlieren, sagt er. Wales will sich seine Loyalität aus London bezahlen lassen. Denn das Verhältnis zu England ist in diesen Tagen paradox. Für den First Minister ist das Referendum auch eine Denkzettelwahl für Premierminister David Cameron gewesen. Es sei ein Fehler gewesen, das Referendum so kurz nach den lokalen Wahlen anzusetzen. „Er hat entschieden, wo dieser Kampf ausgefochten wird“, sagt er.

Trotzdem ist Wales nun auf Hilfe aus London angewiesen. Das ist das paradoxe Ergebnis dieser Wahl. Obwohl sich in Umfragen regelmäßig die Mehrheit der Waliser für mehr Befugnisse für das lokale Parlament ausspricht, wird man künftig abhängiger von England sein.

Anders als Cameron will der Europa-Befürworter Jones aber im Amt bleiben und für seine Landsleute den Ausstieg mitverhandeln. Man werde alles tun, um Jobs im Land zu behalten. Wie stark seine Verhandlungsmacht am Ende sein wird, hängt wohl auch davon ab, wer neuer Premier nach Cameron wird. Zumal Jones einen Tag nach dem Referendum eigentlich nur Forderungen einbringt, die von den Brexit-Befürwortern nicht geteilt werden. So wolle er die gemeinsame Agrarpolitik fortsetzten. Und auch die Strukturförderung müsse „unter den derzeit geltenden Bedingungen“ weitergehen. Eine Forderung, der die EU ohne britische Gegenleistung kaum nachkommen wird.

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