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09.06.2017

14:51 Uhr

Großbritannien-Wahl

Anleger hoffen auf den Exit vom Brexit

Nach der Wahlniederlage für Premierministerin May ist der Börsencrash ausgeblieben. Der britische Index näherte sich seinem Rekordhoch. Der Grund dafür soll laut Experten die Hoffnung auf den Exit vom Brexit sein.

Mit einem „Hung Parliament“, eines Unterhauses ohne klare Mehrheit, steht Großbritannien politisch geschwächt vor den Brexit-Verhandlungen über den EU-Austritt. Reuters

Wahlniederlage

Mit einem „Hung Parliament“, eines Unterhauses ohne klare Mehrheit, steht Großbritannien politisch geschwächt vor den Brexit-Verhandlungen über den EU-Austritt.

LondonTrotz der Wahlpleite für die britische Premierministerin Theresa May ist der befürchtete Börsencrash ausgeblieben. Zwar rutschte das Pfund Sterling am Freitag um bis zu 2,4 Prozent auf ein Zwei-Monats-Tief von 1,2635 Dollar ab. Die Aktienmärkte nahmen dagegen Kurs auf ihre bisherigen Rekordhochs. Hier überwog die Hoffnung, dass die geplante Scheidung Großbritanniens von der EU friedlich ausfällt – oder beide am Ende gar doch zusammenbleiben. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Exit vom Brexit eintritt, liegt nach meiner Meinung jetzt bei 60 Prozent mit zunehmender Tendenz“, sagte Folker Hellmeyer, Chef-Analyst der Bremer Landesbank.

Dax und EuroStoxx50 lagen je ein halbes Prozent im Plus bei 12.777 beziehungsweise 3575 Zählern. Der Londoner Auswahlindex „Footsie“ legte um bis zu 1,3 Prozent zu und war nur noch etwa 50 Zähler von seinem Rekordhoch entfernt.

May hat die von ihr vorgezogene Unterhauswahl verloren und steht nun wenige Tage vor dem offiziellen Verhandlungsbeginn für den Brexit vor einem politischen Patt. Mays Konservative Partei büßte ihre absolute Mehrheit ein, die sie eigentlich mit der Abstimmung am Donnerstag ausbauen wollte. „Der harte Brexit wurde gestern abgewählt“, sagte Commerzbank-Ökonom Peter Dixon. „Damit ist eine Einigung mit der EU auf längere Sicht wahrscheinlicher geworden. Deshalb halten sich die Verluste des britischen Pfunds in Grenzen.“ Als die Briten im Juni 2016 für den Brexit gestimmt hatten, war das Pfund um elf Prozent abgestürzt.

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Unter Experten herrschte Uneinigkeit, wohin die Reise für die britische Währung nun geht. „Es gibt so viele Variablen, dass das Pfund in den nächsten Tagen sogar steigen könnte, da die Wahrscheinlichkeit eines sanften und angenehmeren Brexit steigt“, sagte Richard Berry, Gründer des Brokerhauses Berry FX. Dagegen hält Chef-Investmentstratege Salman Ahmed vom Fondsmanager Lombard Odier eine Abschwächung auf 1,25 Dollar für möglich. Die Analysten der Commerzbank gehen davon aus, dass es für das Pfund erst wieder aufwärtsgeht, wenn es Klarheit über eine Regierungsbildung gibt.

Börsianern zufolge türmen sich schwierige Aufgaben vor May, die dennoch im Amt bleiben will. Nach einem Treffen mit der Queen betonte die Tory-Chefin, die neue Regierung werde das Land durch die Brexit-Verhandlungen mit der Europäischen Union führen. Dabei würden die Tories mit der nordirischen Partei Democratic Unionists zusammenarbeiten.

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Der Verlust der absoluten Mehrheit der britischen Premierministerin May hat das Pfund weiter auf Talfahrt geschickt: Der Kurs der Währung fiel gegenüber dem Euro am Freitagmorgen auf ein Sieben-Monats-Tief.

Wirtschaftsvertreter rechnen mit steigenden Unsicherheiten für deutsche Unternehmen, die eng mit den britischen Firmen verbunden ist. „Großbritannien wird einen hohen wirtschaftlichen Preis für die Brexit-Entscheidung zahlen, welcher sich durch die Wahlen weiter vergrößern wird“, sagte der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Michael Fratzscher. Volkswirt Hellmeyer von der Bremer Landesbank sieht dunkle Wolken am Horizont für die britische Wirtschaft. „Für den Investitionsstandort Großbritannien ist dieses Wahlergebnis ein Katalysator für Zurückhaltung.“ Großbritannien ist für Deutschland der drittgrößte Exportmarkt.

Zu den größten Verlierern an der Londoner Börse gehörten die Aktien von Banken, weil sie besonders von einer möglichen Konjunktureintrübung betroffen wären. Lloyds und Royal Bank of Scotland büßten je rund drei Prozent ein. Barclays gaben 1,5 Prozent nach.

Auch Luftfahrt- und Tourismuswerte flogen aus den Depots. Thomas Cook, Easyjet und die British-Airways-Mutter IAG verloren bis zu vier Prozent. Die Papiere der Rivalen Lufthansa und Air France-KLM stiegen dagegen auf ihre höchsten Stände seit drei Jahren. Auch bei Firmen aus der Freizeitbranche gab es deutliche Kursverluste: Die Pub- und Restaurantbetreiber Mitchells & Butlers, Greene King, JD Wetherspoon und die Kaffeehauskette Whitbread verloren zeitweise mehr als vier Prozent.

Von den Wahlen unbeeindruckt zeigten sich die US-Aktienmärkte: Im vorbörslichen Handel traten Dow Jones & Co auf der Stelle.

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