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30.05.2017

17:51 Uhr

May bekräftigt Standpunkt

Keine Einigung mit der EU „um jeden Preis“

Starker Führungsstil bei den Tories, soziale Gerechtigkeit bei Labour: Vor der Wahl in Großbritannien haben sich Premierministerin May und Labour-Chef Corbyn im Fernsehen positioniert – aber nur nacheinander.

Ungewöhnliches TV-Duell

So kämpfen May und Corbyn um Wählerstimmen

Ungewöhnliches TV-Duell: So kämpfen May und Corbyn um Wählerstimmen

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LondonDie britische Premierministerin Theresa May hält an ihrem harten Brexit-Kurs fest. Mit ihr werde es beim Austritt aus der EU keine Einigung „um jeden Preis“ geben, sagte May in einer von Channel 4 und Sky News gemeinsam ausgestrahlten TV-Sendung zur Parlamentswahl am 8. Juni. Besser keinen Deal als einen schlechten, sagte sie.

Wie das Verhältnis zur Europäischen Union aussehen könnte, falls es zu einem ungeregelten Brexit kommen sollte, sagte die Premierministerin nicht. Nur sie – und nicht Corbyn – sei dafür geeignet, Großbritannien aus der EU zu führen. Kritik aus dem Publikum bekam May für geplante Einschnitte bei Sozialleistungen.

Labour-Chef Jeremy Corbyn: Querkopf im Aufwind

Labour-Chef Jeremy Corbyn

Premium Querkopf im Aufwind

Der Labour-Chef badet seit gut einer Woche in neuer Popularität und holt in Umfragen mächtig auf – auch weil sich bei seiner Gegnerin Theresa May die Fehler häufen. Es ist eine ungeahnte Wende im britischen Wahlkampf.

Labour-Chef Jeremy Corbyn setzte in der Sendung auf innenpolitische Themen wie Investitionen in Bildung, Gesundheit und Polizei. Nach dem Anschlag in Manchester mit 22 Toten vor gut einer Woche forderte er einen außenpolitischen Wandel: „Wir brauchen eine Außenpolitik weltweit, die es nicht zulässt, dass es große Gebiete ohne effektive Regierung gibt – wie etwa gegenwärtig in Libyen - die zu einem Nährboden für riesige Gefahren für uns alle werden können.“

Kritik erhielt der Alt-Linke für seine schwache Führung der Partei. Zuschauer warfen ihm auch fehlende Distanz zur Terrorgruppe Irisch-Republikanische Armee (IRA) und zur radikal-islamischen Hamas vor.

In der Sendung am Montagabend gab es kein TV-Duell. Die Parteichefs beantworteten hintereinander Fragen des Publikums und des Moderators. Die separaten Interviews waren ein Kompromiss, nachdem May es abgelehnt hatte, an einer Fernsehdebatte teilzunehmen. Daraufhin kündigte Corbyn an, ohne May ebenfalls nicht antreten zu wollen.

Darum will May im Juni wählen lassen

Rückenwind für EU-Verhandlungen

Die Premierministerin steht mit ihrem Mantra „Brexit heißt Brexit“ inzwischen für den EU-Austritt. Die Verhandlungen werden zäh und kompliziert werden, und es gilt als sicher, dass sie Großbritannien erst einmal einiges kosten werden - May will sich beim Volk ein Mandat dafür holen und die Stimmen der Kritiker im Parlament dämpfen.

Komfortable Mehrheit

Die konservativen Tories regieren allein, haben aber nur eine Mehrheit von 17 Stimmen. Wie schon ihr Vorgänger David Cameron hat May mit „Rebellen“ in den eigenen Reihen zu kämpfen, vor allem den ultra-konservativen Hardlinern. Eine größere Mehrheit würde Gruppierungen innerhalb der Tories-Fraktion schwächen.

Gegner am Boden

Labour, die große Oppositionspartei, ist in desolatem Zustand - spätestens, seit die sozialdemokratische Basis den Parteilinken Jeremy Corbyn gegen den Willen seiner Fraktion an die Spitze gewählt hat. Nicht mal jeder sechste Brite traut ihm das Amt des Premiers zu, alles sieht nach einem klarem Sieg für May aus.

Eigenes Mandat

Nicht May hat die jüngste Wahl gewonnen, sondern David Cameron. Nach dem Brexit-Referendum ging sie aus einem ziemlich unschönen Machtkampf als seine Nachfolgerin hervor. An ihrer Machtstellung zweifelt zwar niemand - trotzdem würde ein Wahlsieg ihre Position noch einmal stärken.

Besser jetzt als später

Wer weiß, was 2020 ist? Bis dahin könnte Labour einen neuen Chef haben und sich berappeln, die britische Wirtschaft könnte nach dem Brexit straucheln, die Stimmung im Land könnte gekippt sein. Wenn am 8. Juni gewählt wird, haben Mays Tories die Macht bis 2022.

Mit der vorgezogenen Neuwahl will sich May mehr Rückendeckung für die bevorstehenden Brexit-Verhandlungen verschaffen. Im April lagen die Konservativen teilweise über 20 Prozent vor Labour. Zwischenzeitlich schmolz der Abstand auf bis zu fünf Prozent zusammen. Derzeit liegen die Tories - je nach Umfrage - nur noch zwischen 6 und 14 Prozent vor Labour. Die Befragungen waren vor der Sendung durchgeführt worden.

Grund für die schlechten Umfragewerte der Konservativen dürften unter anderem angekündigte Einsparungen bei den Sozialleistungen sein, die vor allem viele Ältere treffen. So soll eine Heizzulage nicht mehr allen Rentnern gewährt werden. Streit gab es auch um Pflegekosten. Traditionelle Labour-Wähler halten Corbyn vor, sich nicht stark genug gegen die Scheidung von der EU gestemmt zu haben.

Von

dpa

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