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16.12.2014

05:00 Uhr

Ambitioniertes Wahlziel

Bremer FDP-Spitzenkandidatin spielt „Wünsch Dir was“

ExklusivDie FDP setzt beim Versuch, aus dem Dauer-Umfragetief zu kommen auf die Politik-Einsteigerin Lencke Steiner. Sie soll die Bremer Liberalen in die Bürgerschaft zurückführen. Dafür hat sie schon ein Wahlziel formuliert.

Lencke Steiner: In einem halben Jahr die Wende für die FDP schaffen. Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Lencke Steiner: In einem halben Jahr die Wende für die FDP schaffen.

BerlinDie FDP rechnet bei der Bremer Bürgerschaftswahl im Mai 2015 mit einem deutlichen Stimmenzuwachs. „Wir befinden uns ja in der Vorweihnachtszeit. Da darf man dann auch Wünsche äußern. Mein Ziel ist, 8 Prozent zu erreichen“, sagte die Spitzenkandidatin der Liberalen, Lencke Steiner (parteilos), im Interview mit dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Dass die Bremer FDP in Umfragen bisher bei drei Prozent liegt, sieht Steiner gelassen. „Geben Sie uns noch ein halbes Jahr“, sagte die Vorsitzende des Verbands „Die Jungen Unternehmer“. Umfragen seien auch von der Konjunktur abhängig. „Und die Prognosen für das kommende Jahr sehen eher düster aus, woran die Bundesregierung einen großen Anteil hat.“ Dadurch werde deutlich, dass die Große Koalition doch nicht so toll sei wie viele vielleicht meinen. „Einige große Projekte können uns noch vor der nächsten Bundestagswahl um die Ohren fliegen. Dann wird es auch für die Union ungemütlich werden“, sagte Steiner.

Der tiefe Fall der FDP

Ende einer Ära

Die Liberalen sind bei der Bundestagswahl 2013 zum ersten Mal in ihrer Geschichte aus dem Bundestag geflogen. Als Regierungspartei ereilte dieses Schicksal bisher nur die damalige Kriegsgeschädigten- und Vertriebenenpartei Gesamtdeutscher Block/BHE (GB/BHE) 1957 in der jungen Bundesrepublik.

Die Königsmacher

Seit 1949 saß die FDP ununterbrochen im Parlament. Mehr als vier Jahrzehnte war sie an Bundesregierungen beteiligt und bei Kanzlerwechseln mehrfach das Zünglein an der Waage.

Hohe Stimmenverluste

Den in früheren Jahren größten Stimmenverlust mussten die Liberalen 1994 hinnehmen. Damals rutschten sie von 11,0 auf 6,9 Prozent - ein Verlust von 4,1 Punkten. Nach ihrer „Wende“ von der SPD zur Union war die Partei aber schon 1983 auf 7,0 Prozent abgerutscht (minus 3,7).

Der Tiefpunkt

Schon 1969 hatte der FDP fast das Totenglöcklein geläutet. Mit ihrem schlechten Ergebnis von 5,8 Prozent (minus 3,7) überwand sie nur knapp die Sperrklausel, konnte aber mit der SPD eine sozial-liberale Bundesregierung bilden. Das Bündnis hielt 13 Jahre lang bis 1982.

Letzte Bastion Baden-Württemberg

Mehr als 50 Mal wurde die FDP aus Landtagen gekippt - zuletzt in Bayern. Nur in Baden-Württemberg ist sie noch nie gescheitert.

Als eines ihrer zentralen Wahlkampfthemen sieht Steiner die hohe Verschuldung Bremens. Allerdings hält sie nichts davon, den Solidaritätszuschlag nach Auslaufen des Solidarpakts 2019 zu erhalten, um damit den Haushalt zu sanieren. „Ich würde mir wünschen, dass der Soli abgeschafft wird, weil es auch ein Versprechen an die Bürger war. Im Moment wird dieses aber gebrochen, was das Vertrauen in die Politik beschädigt“, sagte sie. Steiner setzt darauf, dass es den Länderfinanzausgleich weiter geben wird und reiche Länder, ärmere Ländern auch in Zukunft unterstützen müssen. „Es wird nicht anders funktionieren“, sagte sie.

Scharfe Kritik äußerte Steiner an der Politik der Großen Koalition. „Wenn Arbeitsplätze wegen des Mindestlohns ins Ausland verlagert werden, dann ist damit niemandem geholfen. Gerade Bremen würde das schwer treffen“, sagte sie. Die Rente mit 63 hält sie für eine „Katastrophe“, die „Unsummen“ koste. Und auch an der Frauenquote lässt sie kein gutes Haar. Die Quote sei der „völlig falsche Ansatz“, wenn Frauen eine Familie gründen und Karriere machen wollen. „Ich möchte keine Quotenfrau sein. Ich finde das diskriminierend“, sagte Steiner.

Von

dne

Kommentare (2)

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Frau Frauke Müller

16.12.2014, 10:34 Uhr

8% erreicht die AfD. Und das ohne Beihilfe des Weihnachtsmannes.

Die FDP hatte 10-15 Jahre Zeit DLand zu verändern und hat nichts getan. Daher weg damit.

Herr Tobias Wahrsager

16.12.2014, 13:18 Uhr

Wie wolfsartig-kalt diese FDP-Blondine auf dem Bild schon
reinguckt. Bestimmt wieder die bekannt reine FDP-typische
Inkarnation von Humanität und Verständnis für die sozial Schwächeren. Mit solch einer reichts eher zu 1 Prozent als zu 8. "Herr" Katja Suding wird den Niedergang der FDP auch in Hamburg einleiten, und die Bremer Wolfsblondine wird die nächste sein, der die Wähler ihr neolibertäres Fell abziehen. Blond und blauäugig auf dem Wahlplakat, das reicht nicht mehr!

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