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15.02.2015

20:10 Uhr

Bürgerschaftswahl Hamburg

SPD im Höhenflug – CDU geht die Luft aus

VonDietmar Neuerer, Marcel Reich, Jan Mallien

Hamburg hat gewählt – und der SPD einen großen Triumph beschert. Zu den Wahlgewinnern zählt auch die FDP. Die CDU dagegen kriegt ihre Schwäche in Großstädten nicht in den Griff. Unsere Kurzanalysen zu den Parteien.

Hamburg-Wahl

Klarer Sieg für Scholz

Hamburg-Wahl: Klarer Sieg für Scholz

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Olaf Scholz hat geschafft, wovon die SPD sonst nur träumen kann. In Hamburg hat er fast 50 Prozent der Stimmen errungen. Selbst dem größten SPD-Anhänger dürfte allerdings klar sein, dass dieses Ergebnis keine Trendwende auf Bundesebene bedeutet: Hier klebt die Partei weiter in der 20-Prozent-Zone. Dennoch zeigt die Hamburg-Wahl das große Potential der SPD. In den Großstädten, wo der technologische Wandel am weitesten ist, wo überproportional viele junge Menschen wohnen und die Trends der Zukunft entstehen, dort hat sie ihre Hochburgen. 

Was man über die Hamburg-Wahl wissen muss

Ausgangslage

Hamburg wählt am 15. Februar eine neue Bürgerschaft. Seit 2011 regieren Bürgermeister Olaf Scholz und seine SPD mit absoluter Mehrheit. Das ist momentan einzigartig für einen Sozialdemokraten in Deutschland. (Quelle: dpa)

Wahl 2011

Eine Katastrophe für die CDU nach gut zehn Jahren Regierungszeit, ein Triumph für die SPD. 2011 stürzte die CDU im Vergleich zu 2008 von 42,6 auf 21,9 Prozent ab. Die SPD schoss von 34,1 (2011) auf 48,4 Prozent hoch. Die Grünen kamen auf 11,2 Prozent. Die FPD landete bei 6,7 und die Linke bei 6,4 Prozent.

Bürgerschaft

Das Landesparlament hat regulär 121 Sitze. Die Zahl der Mandate kann durch Überhang- und Ausgleichsmandate sowie erfolgreiche Einzelbewerber steigen. 2011 errang die SPD 62 Sitze, die CDU 28, die Grünen 14, die FDP 9 und die Linke 8.

Umfragen für 2015

Sie sehen die SPD bei 42 bis 44 Prozent und die CDU bei 20 bis 23 Prozent. Die Grünen werden auf 13 bis 14, die Linken auf 7 bis 9 Prozent eingeschätzt. Eng könnte es für die FDP werden (4 bis 5 Prozent), aber auch für die AfD (5 bis 6 Prozent).

Künftige Regierung

42 bis 44 Prozent für die SPD klingt nach viel, würde aber wohl nicht zur erneuten absoluten Mehrheit reichen. Zumal möglicherweise erstmals sechs Parteien ins Landesparlament kommen werden. Scholz hat den Grünen schon mal Gespräche angeboten.

Bewerber

Landesweit treten 13 Parteien und Wählervereinigungen an. Auf den Listen bewerben sich knapp 400 Kandidaten um ein Mandat.

Spitzenkandidaten

Die SPD setzt auf ihr Zugpferd Scholz, dessen Arbeit nach einer Umfrage 73 Prozent der Bürger gut finden. Die CDU schickt Fraktionschef Dietrich Wersich ins Rennen. Bei der FDP soll es die Fraktionsvorsitzende Katja Suding richten, bei der Linken Fraktionschefin Dora Heyenn und bei den Grünen Fraktionschef Jens Kerstan. Ihm steht gleichberechtigt Parteichefin Katharina Fegebank zur Seite. Die AfD bietet ihren Landeschef Jörn Kruse auf.

Wahlberechtigte

Rund 1,3 Millionen Bürger können ihre Stimmen abgeben. Erstmals dürfen auch 16- und 17-Jährigen mitwählen. Eine weitere Premiere: Erstmals wird das Landesparlament für die Dauer von fünf statt bislang vier Jahren gewählt.

Wahlkampf

Richtig große Themen mit hohem Streitpotenzial gibt es nicht. Unter den Wählern ist keine Wechselstimmung auszumachen.

Wahlkampfthema Verkehr

Nur hier kommt etwas Stimmung auf. Die Opposition wirft Scholz vor, Autofahrer durch sein rund 260 Millionen Euro teures Busbeschleunigungsprogramm im Stau ersticken zu lassen. Zudem setze er auf die übermäßig teure U-Bahn statt auf eine Stadtbahn.

Wahlrecht

Ist nicht ganz unkompliziert: Jeder Wähler hat zehn Stimmen, fünf für die Landes- und fünf für die Wahlkreisliste. Die Hamburger kommen mehrheitlich aber damit zurecht. Laut Umfrage halten 58 Prozent das Wahlrecht für „gut“, 40 Prozent für „nicht so gut“.

Wahlergebnis

Am Wahlabend werden nur die Landeslisten ausgezählt. Sie entsprechen den bisherigen Zweitstimmen und geben Auskunft über die Sitzverteilung. Die Direktkandidaten in den 17 Wahlkreisen müssen sich bis zum Montag gedulden.

Das ist eine gute Grundlage für spätere Wahlsiege. Schon die beiden SPD-Kanzler Brandt und Schmidt haben ihre politische Karriere in den Großstädten Berlin und Hamburg begonnen. Auch Olaf Scholz dürfte nun mit dem Wahlerfolg im Rücken eine noch größere Rolle auf Bundesebene spielen. Vielleicht sogar (irgendwann) als Kanzlerkandidat.

Jan Mallien

Kommentare (33)

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Frau Ellis Müller

16.02.2015, 08:00 Uhr

Die SPD hat einen Verlust von 2,5% eingefahren, gleichzeitig muss noch die geringe Wahlbeteiligung betrachtet werden. Parteien, die tatsächlich zum Höhenflug ansetzen und dies trotz all der negativen Propaganda im Vorfeld sind die AfD und die FDP.

Account gelöscht!

16.02.2015, 08:14 Uhr

Aus Verlierern werden plötzlich Gewinner, die Medien machen´s möglich. Die ehem. Volkspartei SPD verliert weiter Wählerstimmen und kommt als führende Partei gerade mal noch auf ca. 27% Stimmenanteil bei den wahlberechtigten Hamburgern. Weit über 50% der Wahlberechtigten lehnen die Blockparteien CDUSPDGrüne nunmehr ab, das ist wahrlich kein Sieg für das polit. Establishment. Und die Hamburger FDP-Wähler haben sich im Wettbewerb vertan, nochmal, es war nicht die MissHamburg-Wahl

Account gelöscht!

16.02.2015, 08:18 Uhr

Faktisch-objektiv gab es genau einen großen Gewinner, sowohl relativ als auch in absoluten Zahlen, und dass trotz einer konzertierten Medienkampagne gegen sie ... die AfD! Nicht schlecht für eine bürgerlich-konservative Neugründung in einem traditionell links-sozialen Hamburg . Chapeau, AfD und Olaf Henkel

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