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06.01.2015

12:00 Uhr

FDP-Spitzenkandidatin in Hamburg

Dies ist der „Mann“ fürs Comeback

VonTill Hoppe, Nils Rüdel

ExklusivKatja Suding soll die FDP aus der Verliererecke führen. Die liberale Spitzenfrau hat sich mit ihrem Plakat „Unser Mann für Hamburg“ positioniert. An ihr liegt es, ob das Comeback gelingt. Hat sie mehr drauf als PR?

Katja Suding: Die Hamburger FDP-Spitzenkandidatin glaubt, dass sie trotz schlechter Umfragen um die sieben Prozent bei der Wahl im Hamburg holen kann. Andy Ridder

Katja Suding: Die Hamburger FDP-Spitzenkandidatin glaubt, dass sie trotz schlechter Umfragen um die sieben Prozent bei der Wahl im Hamburg holen kann.

StuttgartDas Hotel gehört zu Stuttgarts ersten Adressen. Alljährlich um den 6. Januar, wenn die FDP sich zum Dreikönigstreffen versammelt, verwandelt sich der prächtige Bau am Schlossgarten zwischen Hauptbahnhof und Staatstheater in eine Art Parteizentrale. Während wir Katja Suding, Vorstandsmitglied und Hoffnungsträgerin für die Hamburg-Wahl, zum Interview treffen, huschen Parteichef Christian Lindner, Vize Wolfgang Kubicki und der in Ungnade gefallene Ex-Minister und nun als Rüstungslobbyist tätige Dirk Niebel durch die Lobby. Suding wirkt entspannt bei ihren Antworten, obwohl auf der 39-Jährigen hoher Druck lastet. Ihr Wahlergebnis am 15. Februar entscheidet über Erfolg oder Misserfolg des großen Comeback-Versuchs der FDP 2015.

Frau Suding, Sie kommen aus der PR und kennen sich mit Marken aus. Wäre die FDP Ihr Kunde, was würden Sie ihr raten?
Sich auf das zu besinnen, was die FDP ausmacht. Es geht ja nicht darum, jetzt irgendeinen Firlefanz zu veranstalten. Es geht darum, wer wir sind – und das wieder herauszuarbeiten und konsequent herauszustellen. Wir Freien Demokraten haben ein großes Alleinstellungsmerkmal gegenüber allen anderen Parteien.

Erschöpft sich Ihr Alleinstellungsmerkmal in Gags? Das Plakat in Hamburg mit Ihnen neben dem Slogan „Unser Mann für Hamburg“ – das ist doch ein Gag, um ins Gespräch zu kommen?
Das war der erste Aufschlag, ein einmal genutztes Motiv, das uns viel Aufmerksamkeit gebracht hat. Es gilt die Weisheit: Wer will, dass die Menschen in die Kirche kommen, schreibt die Predigt nicht aufs Plakat. Aber die Kampagne, die in Hamburg am Mittwoch vorgestellt wird, wird sich um unsere zentralen Themen drehen.

Chronologie der FDP im Bundestag

1949

Die FDP erzielt bei der Bundestagswahl 11,9 Prozent und verhilft Konrad Adenauer (CDU) zur ersten Kanzlerschaft.

1953

Die Partei rutscht auf 9,5 Prozent ab und regiert weiterhin als stärkster Partner der Union unter Adenauer.

1957

Die Liberalen gehen mit 7,7 Prozent in die Opposition.

1961

Die FDP legt auf 12,8 Prozent zu und bildet mit der Union die erste rein schwarz-gelbe Koalition, zunächst unter Adenauer, ab 1963 unter Ludwig Erhard.

1965

9,5 Prozent reichen zur Fortsetzung des Bündnisses unter Erhard. Ein Jahr später scheidet die FDP aus der Regierung aus, als Union und SPD die erste große Koalition eingehen.

1969

Mit schwachen 5,8 Prozent ermöglicht die FDP die erste sozial-liberale Koalition unter SPD-Kanzler Willy Brandt. Walter Scheel (FDP) wird Vizekanzler.

1972

8,4 Prozent; das rot-gelbe Bündnis regiert weiter.

1976

7,9 Prozent trägt die FDP zur sozial-liberalen Regierung unter Helmut Schmidt bei. Starker Mann der FDP ist Hans-Dietrich Genscher.

1980

10,6 Prozent für Genschers Partei; Rot-Gelb bleibt – noch.

1982

Bruch der Koalition mit der SPD und Wechsel in ein Regierungsbündnis mit der Union unter Kanzler Helmut Kohl (CDU).

1983

Bei der vorgezogenen Wahl fällt die FDP auf 7,0 Prozent. Doch es reicht für die Fortsetzung des gerade erst gebildeten christlich-liberalen Bündnisses. Es hält 16 Jahre.

1987

Die FDP steigert sich auf 9,1 Prozent, das Bündnis bleibt.

1990

FDP-Außenminister Genscher gilt als einer der Väter der Wiedervereinigung. Bei der ersten gesamtdeutschen Wahl stimmen 11,0 Prozent für die Liberalen.

1994

Die FDP sinkt auf 6,9 Prozent – die letzte Phase von Schwarz-Gelb beginnt.

1998

6,2 Prozent – die FDP muss wie die Union für elf Jahre in die Opposition. Das erste rot-grüne Bündnis startet unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder.

2002

7,4 Prozent reichen nicht für den erhofften Machtwechsel.

2005

9,8 Prozent sind wieder zu wenig: Die Union von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) koaliert mit der SPD.

2009

Ein 14,6-Prozent-Rekord sichert den Liberalen fünf Ministerämter in einer schwarz-gelben Regierung unter Merkel.

2013

Die FDP stürzt unter Parteichef Philipp Rösler auf 4,8 Prozent und gehört erstmals dem Bundestag nicht mehr an.

Was ist denn die FDP und was sind das für Themen?
Wir sind immer noch die Bildungspartei. Wenn wir wollen, dass Menschen ihre Chancen im Leben optimal nutzen können, dann müssen wir für gute Bildung sorgen. Ein viel größeres Thema gibt es kaum.

Bildung ist ja ein Thema, das unter Parteichef Lindner neu entdeckt wurde...
... wiederentdeckt, nicht neu entdeckt. Die FDP hat sich schon lange als Bildungspartei begriffen. Wir müssen uns auf Felder zurückbesinnen, die in den vergangenen Jahren vielleicht etwas in den Hintergrund gerückt sind.

Trotzdem könnten wir jetzt nicht auf Anhieb sagen, wie denn genau die bildungspolitischen Ideen der FDP aussehen. Da scheint es an der Kommunikation zu hapern.
Von anderen Parteien unterscheidet uns, dass wir ideologiefrei an die Sache herangehen. Uns geht es nicht um Strukturdebatten, wie sie Grüne, Linke und SPD führen. Uns geht es darum, wie man dem einzelnen Kind die beste Bildung ermöglichen kann. Es gibt nichts Ungerechteres, als jedes Kind gleich zu behandeln. Es geht uns um alle Kinder, sowohl die mit besonderem Förderbedarf, als auch um Hochbegabte, die große Probleme haben, wenn sie nicht entsprechend gefördert werden. Wir müssen aber auch schauen, wie wir Lehrer besser auswählen und ausbilden. Wir brauchen die allerbesten.

Kommentare (30)

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Herr Andreas Maier

06.01.2015, 12:10 Uhr

erinnert irgendwie daran, als die fdp einen Phillip Rössler aus dem Hut zauberte ... und die Sprüche "wir haben Verstanden" ... "ab heute wird geliefert" ... Die Zeit dieser Partei ist wohl vorbei.

Herr Uwe Reissner

06.01.2015, 12:11 Uhr

Die Inhalte sind gleich beblieben, wieso soll sich also etwas ändern?
Mehr gibt es nicht zu sagen.

Herr Johnny Ringo

06.01.2015, 12:22 Uhr

Verschwendeter Platz online. Dieser Haufen von Luschen ist tot, töter, am tötesten.

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