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16.12.2014

13:22 Uhr

FDP-Spitzenkandidatin Steiner

„Geben Sie uns noch ein halbes Jahr“

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie Unternehmerin Lencke Steiner will die FDP zurück in die Erfolgsspur bringen. Im Interview erklärt die Spitzenkandidatin für die Bremer Bürgerschaftswahl, warum das trotz mieser Umfragewerte möglich ist.

Lencke Steiner: Mit wirtschaftlichem Sachverstand die FDP zum Erfolg führen. Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Lencke Steiner: Mit wirtschaftlichem Sachverstand die FDP zum Erfolg führen.

Lencke Wischhusen ist ein umtriebiger Mensch. Als Geschäftsführerin der W-Pack Kunststoffe GmbH & Co. KG (50 Mitarbeiter) in Bremen-Huckelriede führt sie den Verband „Die Jungen Unternehmer“ und ärgert die Politik mit spitzen Zitaten. Und auch in der Vox-Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“ nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Die Schlagfertigkeit der 29-Jährigen, die im August geheiratet hat und seitdem Steiner heißt, ist auch der FDP nicht verborgen geblieben. Die Liberalen konnten sie überreden, als Spitzenkandidatin für die Bürgerschaftswahl in Bremen ins Rennen zu gehen. Die Umfragen verheißen nichts Gutes. Lencke Steiner beeindruckt das wenig. Im Interview steckt sie sich selbstbewusst ihr Wahlziel: Mit acht Prozent will die Parteilose die FDP ins Parlament zurückführen. „Und wenn das alles klappt“, verspricht sie, „dann trete ich selbstverständlich auch in die FDP ein.“

Frau Steiner, Sie sind parteilos, engagieren sich aber jetzt an vorderster Front für die FDP – warum?

Parteilos bin ich geblieben, weil ich den Wählern und den Bürgern zeigen will, dass wieder Vertrauen in die Politik der Liberalen hergestellt werden muss. Deshalb glaube ich, dass es jetzt ganz wichtig ist ein Signal zu setzen, in erster Linie für Themen zu stehen und sich dafür zu engagieren. Und wenn das alles klappt, wovon ich ausgehe, dann trete ich selbstverständlich auch in die FDP ein.

Wann wäre dann der richtige Zeitpunkt?

Hoffentlich am 10. Mai.

… dem Tag der Bürgerschaftswahl in Bremen. War es immer schon ein Wunsch von ihnen, sich politisch für eine Partei zu engagieren?

Hätten Sie mich als Jugendliche gefragt, hätte ich es mir überhaupt nicht vorstellen können.

Warum?

Ich war früher eher jemand, der sich nicht so stark für Politik interessiert hat. Denn die junge Generation wird nicht mehr so sehr mit Politik konfrontiert. Es gibt zu wenig Politik- und Wirtschaftsunterricht in den Schulen. Das ist ein wirkliches Problem, was wir anpacken müssen. Junge Menschen sollten ans politische Geschehen herangeführt werden. Bei mir hat sich das mit meiner unternehmerischen Tätigkeit und meinem Engagement beim Verband „Die Jungen Unternehmer“ geändert.

Chronologie der FDP im Bundestag

1949

Die FDP erzielt bei der Bundestagswahl 11,9 Prozent und verhilft Konrad Adenauer (CDU) zur ersten Kanzlerschaft.

1953

Die Partei rutscht auf 9,5 Prozent ab und regiert weiterhin als stärkster Partner der Union unter Adenauer.

1957

Die Liberalen gehen mit 7,7 Prozent in die Opposition.

1961

Die FDP legt auf 12,8 Prozent zu und bildet mit der Union die erste rein schwarz-gelbe Koalition, zunächst unter Adenauer, ab 1963 unter Ludwig Erhard.

1965

9,5 Prozent reichen zur Fortsetzung des Bündnisses unter Erhard. Ein Jahr später scheidet die FDP aus der Regierung aus, als Union und SPD die erste große Koalition eingehen.

1969

Mit schwachen 5,8 Prozent ermöglicht die FDP die erste sozial-liberale Koalition unter SPD-Kanzler Willy Brandt. Walter Scheel (FDP) wird Vizekanzler.

1972

8,4 Prozent; das rot-gelbe Bündnis regiert weiter.

1976

7,9 Prozent trägt die FDP zur sozial-liberalen Regierung unter Helmut Schmidt bei. Starker Mann der FDP ist Hans-Dietrich Genscher.

1980

10,6 Prozent für Genschers Partei; Rot-Gelb bleibt – noch.

1982

Bruch der Koalition mit der SPD und Wechsel in ein Regierungsbündnis mit der Union unter Kanzler Helmut Kohl (CDU).

1983

Bei der vorgezogenen Wahl fällt die FDP auf 7,0 Prozent. Doch es reicht für die Fortsetzung des gerade erst gebildeten christlich-liberalen Bündnisses. Es hält 16 Jahre.

1987

Die FDP steigert sich auf 9,1 Prozent, das Bündnis bleibt.

1990

FDP-Außenminister Genscher gilt als einer der Väter der Wiedervereinigung. Bei der ersten gesamtdeutschen Wahl stimmen 11,0 Prozent für die Liberalen.

1994

Die FDP sinkt auf 6,9 Prozent – die letzte Phase von Schwarz-Gelb beginnt.

1998

6,2 Prozent – die FDP muss wie die Union für elf Jahre in die Opposition. Das erste rot-grüne Bündnis startet unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder.

2002

7,4 Prozent reichen nicht für den erhofften Machtwechsel.

2005

9,8 Prozent sind wieder zu wenig: Die Union von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) koaliert mit der SPD.

2009

Ein 14,6-Prozent-Rekord sichert den Liberalen fünf Ministerämter in einer schwarz-gelben Regierung unter Merkel.

2013

Die FDP stürzt unter Parteichef Philipp Rösler auf 4,8 Prozent und gehört erstmals dem Bundestag nicht mehr an.

Wie hat ihr persönliches Umfeld auf ihre FDP-Spitzenkandidatur für die Bremer Bürgerschaftswahl reagiert?

Zuerst eher zurückhaltend. Viele wollten wissen, warum ich das mache. Als ich dann erklärt habe, dass gerade jetzt eine starke liberale Stimme mehr denn je fehlt, weil die Große Koalition einen Einheitsbrei bietet, hat das jeder nachvollziehen können und gesagt. Ja, stimmt, mach das, wir stehen dahinter.

Kommentare (5)

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Mr. Politikverdrossen

16.12.2014, 14:10 Uhr

Die FDP wird im Bund und in den Ländern nur dann eine Chance haben, wenn sie sich personell und inhaltlich neu aufstellt.

Zur inhaltlichen Neupositionierung gehört v.a., sich von den zentralen Lebenslügen der anderen Parteien und der Mainstream-Medien abzugrenzen:

1. soziale Lüge: "Wohlstand ist genügend vorhanden, er braucht nur gerecht verteilt zu werden"

2. Euro/ Europa-Lüge: "Der Euro und das europäische Zwangskorsett ist gut für Deutschland und Europa"

3. Integrations- und Asyllüge: "Alle Migranten sind integrierbar, das Asylrecht löst unser Demographie- und Fachkräfteproblem"

4. Political Correctness "In unserem Land gibt es keine Denk- und Redeverbote"

Ob die FDP allerdings den Mut zu dieser schonungslosen Ehrlichkeit hat, darf bezweifelt werden, weshalb sich ein Großteil ihrer Wähler wohl bei der AfD wiederfinden wird...

Herr Johnny Ringo

16.12.2014, 14:26 Uhr

Das Interview ist der Brüller des Jahres.

Herr Peter Windhoek

16.12.2014, 14:41 Uhr

Wie viel hat das Interview der Selbstdarstellerin gekostet ?
In dieser Bananenrepublik sing gekaufte Schreiberlinge zwischenzeitlich günstiger zu haben als ein Sack Möhren.

Good Night Germany - Welcome to Lummerland

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