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17.02.2015

00:00 Uhr

Forscher stellt düstere Prognose

CDU droht in Bremen nächstes Debakel

VonDietmar Neuerer

ExklusivHamburg hat die Union wieder mit dem Problem konfrontiert, dass sie in großen Städten kaum noch Bürgermeister mehr stellen kann. Aus Sicht des Bremer Parteienforschers Probst kein gutes Omen für die nächste Wahl.

Im Bund stabil erfolgreich, in größeren Städten in schwerer Schieflage: Auch in Bremen könnte die CDU eine saftige Niederlage kassieren. dapd

CDU-Fahnen

Im Bund stabil erfolgreich, in größeren Städten in schwerer Schieflage: Auch in Bremen könnte die CDU eine saftige Niederlage kassieren.

BerlinDer historische Tiefstand in Hamburg mit 15,9 Prozent hat in der Union trotz der geringen Erwartungen die Alarmglocken schrillen lassen. Zum einen zeigte sich erneut die Großstadtschwäche der Union. Zum anderen werden mangelnde Koalitionspartner zur größten Gefahr für die Machtansprüche. In Bremen, wo am 10. Mai ebenfalls Bürgerschaftswahlen anstehen, könnte die CDU einmal mehr diese Erfahrung machen.

„Für Bremen, wo die CDU schon das letzte Mal hinter den Grünen lag mit knapp über 20 Prozent, ist die Hamburg-Wahl ein Menetekel“, sagte der Parteienforscher von der Universität Bremen, Lothar Probst, dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Die Union muss sich in Bremen mächtig ins Zeug legen, wenn sie ein Desaster wie in Hamburg vermeiden will.“

In Bremen gehe die CDU mit der Bundestagsabgeordneten Elisabeth Motschmann zwar mit einer Kandidatin ins Rennen, die dort bekannter sei als Dietrich Wersich in Hamburg, „aber gleichwohl gegenüber Jens Böhrnsen von der SPD weit zurückfällt in den Umfragen und nicht annähernd an dessen Popularität anknüpfen kann“, sagte der Experte weiter. „Auch zum Regieren wird die CDU in Bremen nicht gebraucht, da eine erneute Mehrheit von Rot-Grün so gut wie sicher ist.“ Hinzu komme die Konkurrenz zur Alternative für Deutschland (AfD). „Es ist zwar nicht ausgemacht, ob die AfD in Bremen ebenfalls den Sprung in die Bürgerschaft schafft, aber sie wird der CDU mit Sicherheit Stimmen wegnehmen.“

Wichtige Ergebnisse der Hamburg-Wahl

Olaf Scholz

Olaf Scholz ist der einzige Politiker im SPD-Parteivorstand, der zwei Landtagswahlen mit klarem Vorsprung gewonnen hat.

Die Linke

Hamburgs Linke erzielt das aktuell zweitbeste Ergebnis bei Landtagswahlen in Westdeutschland. Besser war die Partei zuletzt nur im Saarland 2012 mit 16,1 Prozent.

CDU

Die CDU hat in Hamburg ihr schlechtestes Ergebnis erzielt. Bundesweit schnitt sie bei einer Landtagswahl zuletzt 1959 schwächer ab - zu den Zeiten von Kanzler Konrad Adenauer.

FDP

Die FDP beendet eine Serie von Misserfolgen. Erstmals seit September 2013 behaupten sich die Liberalen wieder in einem Landesparlament

AfD

Der Alternative für Deutschland gelingt nach einer Reihe von Wahlerfolgen in Ostdeutschland auch der Einzug in das erste westdeutsche Landesparlament.

Die Serie hält

Mit dem Wechsel von einer Allein- zur Koalitionsregierung setzt sich in Hamburg eine jahrzehntelange Serie fort. Seit 1970 hat es in der Hansestadt laut Wahlportal election.de nach jeder Bürgerschaftswahl eine neue Regierungskonstellation gegeben

Inwieweit das auch auf die FDP zutreffe, die in Bremen zwar auch mit einer jungen Kandidatin antritt, aber seit 2011 nicht mehr in der Bürgerschaft vertreten ist und ebenfalls „nicht den Hauch einer Machtoption“ habe, lasse sich schwer sagen. In Hamburg habe es demgegenüber „eine deutliche Wählerwanderung“ von der CDU zur FDP gegeben, weil klassisch bürgerliche Wähler darauf hofften, dass die FDP vielleicht doch zum Juniorpartner von Olaf Scholz werden könne. Dieses Kalkül, so Probst, werde es jedoch angesichts der klaren Mehrheitsverhältnisse und der beabsichtigten Fortsetzung von Rot-Grün nicht geben.

Die Hamburg-Wahl ist für Probst auch ein Beleg dafür, dass die Union ihren Großstadt-Fluch immer noch nicht abschütteln konnte. „Trotz mehrerer Kommissionen, die die Union eingesetzt hat, gelingt ihr nicht der Sprung zu modernen Großstadtpartei“, stellt der Politik-Professor nüchtern fest. Als Ursache nennt Probst auch strukturelle Gründe.

Kommentare (6)

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Herr Woifi Fischer

17.02.2015, 07:31 Uhr

CDU droht in Bremen nächstes Debakel?
Ich würde es anders formulieren, ist die Politik der FDJ-Kanzlerin noch mehrheitsfähig und erklärbar im Land?
Wenn die Bürger in ihrem Wohn und Arbeitsumfeld genau hinsehen, fällt ihnen auf, alles ist marode, und für die EU und die Welt hat jede Bundesregierung sofort Geld parat, nur nicht für unser eigenes Land.
Wenn die CDU/CSU nicht wider ihr Augenmerk auf unser Land richtet, sucht sich der noch zur Wahl gehende Bürger, solche Parteien oder Gruppierungen die das eigene Land in den Vordergrund stellen, die CDU/CSU hat unser Land schon lange aufgegeben, sie betreiben die Auflösung unseres Landes.
Den Preis wird sie jetzt bezahlen müssen.

Frau Lisa Walter

17.02.2015, 08:15 Uhr

Laut einer Studie des Instituts für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin sympathisiert die große Mehrheit der Journalisten mit linken Parteien (besonders mit den Grünen). Und nicht nur das: 32,5 Prozent der Befragten geben an, mit ihrer Arbeit "die politische Tagesordnung beeinflussen und Themen auf die Agenda setzen" zu wollen.
Da Wähler über die Medien so leicht manipulierbar sind, haben Wahlen heute kaum noch eine Aussagekraft.

Herr Günther Schemutat

17.02.2015, 08:17 Uhr

Jede Region und jede Stadt muss speziell regiert werden weil auch die Probleme vielfälltigt sind. Über alles Merkels sozialistisch/grüne Denkweise zu stülpen bedeutet doch nur über einen schon vorhandene sozialistisch /grünen Bodensatz
noch mehr Unsinn zu kippen.

Die Bürger wollen in der Mehrheit einen modernen Konservatien Politikstil , der
nicht ausgrenzt. Nicht so wie Grüne und SPD die von vornerein alles ausgrenzen,
was irgendwie nach Ordnung aussieht und deshalb Polizisten ihre Überstunden nicht bezahlen und Stellen nicht mehr besetzen. Einige Glauben vielleicht , das ein Molotow geworfen auch eine Art von Ordnung ist.

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