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16.02.2015

12:12 Uhr

Grünen-Politiker vs. FDP-Frontfrau

„Es ist nicht in Ordnung, von Titten und langen Beinen zu reden“

VonDietmar Neuerer

Mit einer anzüglichen Bemerkung hat ein Grünen-Politiker den Wahlsieg der Hamburger FDP-Spitzenkandidatin Suding kommentiert. Auf die anschließende Empörung reagiert er jetzt – mit einer Entschuldigung.

Entschuldigung nach Shistorm: Jörg Rupp (Foto: PR)

Jörg Rupp

Entschuldigung nach Shistorm: Jörg Rupp (Foto: PR)

BerlinJörg Rupp ist bei den Grünen kein Unbekannter. Als Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann im vergangenen Jahr der schwarz-roten Asylrechtsreform zustimmte, sprach das Mitglied im Landesvorstand von einem „Stich ins grüne Herz“, den Kretschmann der Partei versetzt habe.

Zwei Jahre vorher brachte Rupp Missbrauchsinitiativen aus ganz Deutschland gegen sich auf, als er einen Text in der Tageszeitung „taz“ über Missbrauch und Kinderpornografie im Netz mit den Worten kommentierte: „Und dann wieder die alte Kinderpornoleier.“ Silke Noack, die Geschäftsführerin des Nottelefons Nina in Kiel ging daraufhin Rupp direkt an: „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie ein Landespolitiker so viel dummes Zeug über die Gefahr von Kinderpornografie im Netz verbreiten kann.“

Was man über die Hamburg-Wahl wissen muss

Ausgangslage

Hamburg wählt am 15. Februar eine neue Bürgerschaft. Seit 2011 regieren Bürgermeister Olaf Scholz und seine SPD mit absoluter Mehrheit. Das ist momentan einzigartig für einen Sozialdemokraten in Deutschland. (Quelle: dpa)

Wahl 2011

Eine Katastrophe für die CDU nach gut zehn Jahren Regierungszeit, ein Triumph für die SPD. 2011 stürzte die CDU im Vergleich zu 2008 von 42,6 auf 21,9 Prozent ab. Die SPD schoss von 34,1 (2011) auf 48,4 Prozent hoch. Die Grünen kamen auf 11,2 Prozent. Die FPD landete bei 6,7 und die Linke bei 6,4 Prozent.

Bürgerschaft

Das Landesparlament hat regulär 121 Sitze. Die Zahl der Mandate kann durch Überhang- und Ausgleichsmandate sowie erfolgreiche Einzelbewerber steigen. 2011 errang die SPD 62 Sitze, die CDU 28, die Grünen 14, die FDP 9 und die Linke 8.

Umfragen für 2015

Sie sehen die SPD bei 42 bis 44 Prozent und die CDU bei 20 bis 23 Prozent. Die Grünen werden auf 13 bis 14, die Linken auf 7 bis 9 Prozent eingeschätzt. Eng könnte es für die FDP werden (4 bis 5 Prozent), aber auch für die AfD (5 bis 6 Prozent).

Künftige Regierung

42 bis 44 Prozent für die SPD klingt nach viel, würde aber wohl nicht zur erneuten absoluten Mehrheit reichen. Zumal möglicherweise erstmals sechs Parteien ins Landesparlament kommen werden. Scholz hat den Grünen schon mal Gespräche angeboten.

Bewerber

Landesweit treten 13 Parteien und Wählervereinigungen an. Auf den Listen bewerben sich knapp 400 Kandidaten um ein Mandat.

Spitzenkandidaten

Die SPD setzt auf ihr Zugpferd Scholz, dessen Arbeit nach einer Umfrage 73 Prozent der Bürger gut finden. Die CDU schickt Fraktionschef Dietrich Wersich ins Rennen. Bei der FDP soll es die Fraktionsvorsitzende Katja Suding richten, bei der Linken Fraktionschefin Dora Heyenn und bei den Grünen Fraktionschef Jens Kerstan. Ihm steht gleichberechtigt Parteichefin Katharina Fegebank zur Seite. Die AfD bietet ihren Landeschef Jörn Kruse auf.

Wahlberechtigte

Rund 1,3 Millionen Bürger können ihre Stimmen abgeben. Erstmals dürfen auch 16- und 17-Jährigen mitwählen. Eine weitere Premiere: Erstmals wird das Landesparlament für die Dauer von fünf statt bislang vier Jahren gewählt.

Wahlkampf

Richtig große Themen mit hohem Streitpotenzial gibt es nicht. Unter den Wählern ist keine Wechselstimmung auszumachen.

Wahlkampfthema Verkehr

Nur hier kommt etwas Stimmung auf. Die Opposition wirft Scholz vor, Autofahrer durch sein rund 260 Millionen Euro teures Busbeschleunigungsprogramm im Stau ersticken zu lassen. Zudem setze er auf die übermäßig teure U-Bahn statt auf eine Stadtbahn.

Wahlrecht

Ist nicht ganz unkompliziert: Jeder Wähler hat zehn Stimmen, fünf für die Landes- und fünf für die Wahlkreisliste. Die Hamburger kommen mehrheitlich aber damit zurecht. Laut Umfrage halten 58 Prozent das Wahlrecht für „gut“, 40 Prozent für „nicht so gut“.

Wahlergebnis

Am Wahlabend werden nur die Landeslisten ausgezählt. Sie entsprechen den bisherigen Zweitstimmen und geben Auskunft über die Sitzverteilung. Die Direktkandidaten in den 17 Wahlkreisen müssen sich bis zum Montag gedulden.

In Bezug auf den Ausgang der Hamburger Bürgerschaftswahl hat sich Rupp (@JoergRupp) nun erneut im Ton vergriffen. Den Erfolg der FDP und ihrer Spitzenkandidatin Katja Suding analysierte er via Twitter mit den Worten: „Muss man sich mal vorstellen: mit Titten und Beinen anstatt Inhalten.“

Daraufhin brach ein Shitstorm gegen den Grünen-Politiker los. Der Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen, Konstantin Kuhle, etwa legte Rupps baden-württembergischen Landesverband via Twitter nahe, Konsequenzen zu ziehen:

Rupp selbst scheint die Empörung über seine Äußerungen überrascht zu haben. „Ein Shitstorm ist eine interessante Erfahrung, auf die man gerne verzichten könnte“, twitterte er. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon einen Link zu seinem Blog mit der Überschrift gepostet: „Entschuldigung für Titten.“

Kommentare (18)

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Herr Franz Paul

16.02.2015, 11:26 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Florian Forstmaier

16.02.2015, 11:30 Uhr

Ich bin kein Freund der Grünen, aber wo sie recht haben, haben sie recht. Mich erinnert das an die Spasspartei von Westerwelle, nur diesmal eher Pornopartei. Ausser Titten und Beine kommt nicht viel rüber. Wie tief kann man als Partei denn eigentlich noch sinken? Das kann man sich echt sparen. Armes Deutschland.

Herr walter danielis

16.02.2015, 11:44 Uhr

Nur kein Neid. Wer koa, der koa!

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