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15.02.2015

21:40 Uhr

Hamburger FDP-Spitzenkandidatin

Sexismus-Attacke auf liberale Frontfrau Katja Suding

VonDietmar Neuerer

Der Erfolg der FDP in Hamburg hat viel mit der Wahlkampagne der Spitzenkandidatin zu tun. Ein Grünen-Politiker nimmt das zum Anlass, mit deftigen Worten gegen Katja Suding auszuteilen. Die Twitter-Gemeinde ist empört.

Katja Suding hat die Hamburger FDP zum Erfolg geführt - unter anderem wegen solcher Fotos, meint ein Grünen-Politiker aus Baden-Württemberg. dpa

Katja Suding

Katja Suding hat die Hamburger FDP zum Erfolg geführt - unter anderem wegen solcher Fotos, meint ein Grünen-Politiker aus Baden-Württemberg.

BerlinDer FDP- Erfolg in Hamburg hat viele überrascht. Dass die Partei nach einer Reihe dramatischer Wahlniederlagen mit mehr als sieben Prozent wieder einen Erfolg vorweisen kann, damit hatte kaum jemand gerechnet, zumal die Liberalen im Dezember in der Hansestadt gerade mal bei zwei Prozent gelegen hatten.

Dafür, dass sie der FDP im Bund mit dem Wahlergebnis in Hamburg eine Art kleines Comeback beschert hat, heimst Spitzenkandidatin Katja Suding nun viel Lob ein. Vor allem aus ihrer eigenen Partei. Andere können nicht wirklich nachvollziehen, dass Suding so gut abschneiden konnte.

Ziemlich derb kommentiert ein Grüner aus Baden-Württemberg das FDP-Ergebnis. „Muss man sich mal vorstellen: mit Titten und Beinen anstatt Inhalten“, teilte Jörg Rupp, Mitglied im Landesvorstand der Südwest-Grünen, via Twitter mit:


Die Empörung ließ nicht lange auf sich warten. FDP-Präsidiumsmitglied Volker Wissing forderte via Twitter einen Aufschrei gegen Rupp: „Titten und Beine“, so reden #Grüne neuerdings über Politikerinnen“, kommentierte er den Tweet:

Der frühere Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen, Lasse Becker, reagierte fassungslos und griff die Südwest-Grünen über Twitter frontal an: „Scheiß-sexistisch sind Grüne in BaWü.“:

Was den Grünen Rupp zu seiner Kommentierung veranlasst haben dürfte, ist der Umstand, wie Suding ihren Wahlkampf geführt hat und wie die Medien darauf eingestiegen sind. So tat die ARD-„Tagesschau“ der FDP beim Dreikönigstreffen den Gefallen, mit einem sexistischen Kameraschwenk über die bestrumpfhosten Beine von Suding den Bekanntheitsgrad der Hamburger Spitzenkandidatin um ein Vielfaches zu steigern.

Was man über die Hamburg-Wahl wissen muss

Ausgangslage

Hamburg wählt am 15. Februar eine neue Bürgerschaft. Seit 2011 regieren Bürgermeister Olaf Scholz und seine SPD mit absoluter Mehrheit. Das ist momentan einzigartig für einen Sozialdemokraten in Deutschland. (Quelle: dpa)

Wahl 2011

Eine Katastrophe für die CDU nach gut zehn Jahren Regierungszeit, ein Triumph für die SPD. 2011 stürzte die CDU im Vergleich zu 2008 von 42,6 auf 21,9 Prozent ab. Die SPD schoss von 34,1 (2011) auf 48,4 Prozent hoch. Die Grünen kamen auf 11,2 Prozent. Die FPD landete bei 6,7 und die Linke bei 6,4 Prozent.

Bürgerschaft

Das Landesparlament hat regulär 121 Sitze. Die Zahl der Mandate kann durch Überhang- und Ausgleichsmandate sowie erfolgreiche Einzelbewerber steigen. 2011 errang die SPD 62 Sitze, die CDU 28, die Grünen 14, die FDP 9 und die Linke 8.

Umfragen für 2015

Sie sehen die SPD bei 42 bis 44 Prozent und die CDU bei 20 bis 23 Prozent. Die Grünen werden auf 13 bis 14, die Linken auf 7 bis 9 Prozent eingeschätzt. Eng könnte es für die FDP werden (4 bis 5 Prozent), aber auch für die AfD (5 bis 6 Prozent).

Künftige Regierung

42 bis 44 Prozent für die SPD klingt nach viel, würde aber wohl nicht zur erneuten absoluten Mehrheit reichen. Zumal möglicherweise erstmals sechs Parteien ins Landesparlament kommen werden. Scholz hat den Grünen schon mal Gespräche angeboten.

Bewerber

Landesweit treten 13 Parteien und Wählervereinigungen an. Auf den Listen bewerben sich knapp 400 Kandidaten um ein Mandat.

Spitzenkandidaten

Die SPD setzt auf ihr Zugpferd Scholz, dessen Arbeit nach einer Umfrage 73 Prozent der Bürger gut finden. Die CDU schickt Fraktionschef Dietrich Wersich ins Rennen. Bei der FDP soll es die Fraktionsvorsitzende Katja Suding richten, bei der Linken Fraktionschefin Dora Heyenn und bei den Grünen Fraktionschef Jens Kerstan. Ihm steht gleichberechtigt Parteichefin Katharina Fegebank zur Seite. Die AfD bietet ihren Landeschef Jörn Kruse auf.

Wahlberechtigte

Rund 1,3 Millionen Bürger können ihre Stimmen abgeben. Erstmals dürfen auch 16- und 17-Jährigen mitwählen. Eine weitere Premiere: Erstmals wird das Landesparlament für die Dauer von fünf statt bislang vier Jahren gewählt.

Wahlkampf

Richtig große Themen mit hohem Streitpotenzial gibt es nicht. Unter den Wählern ist keine Wechselstimmung auszumachen.

Wahlkampfthema Verkehr

Nur hier kommt etwas Stimmung auf. Die Opposition wirft Scholz vor, Autofahrer durch sein rund 260 Millionen Euro teures Busbeschleunigungsprogramm im Stau ersticken zu lassen. Zudem setze er auf die übermäßig teure U-Bahn statt auf eine Stadtbahn.

Wahlrecht

Ist nicht ganz unkompliziert: Jeder Wähler hat zehn Stimmen, fünf für die Landes- und fünf für die Wahlkreisliste. Die Hamburger kommen mehrheitlich aber damit zurecht. Laut Umfrage halten 58 Prozent das Wahlrecht für „gut“, 40 Prozent für „nicht so gut“.

Wahlergebnis

Am Wahlabend werden nur die Landeslisten ausgezählt. Sie entsprechen den bisherigen Zweitstimmen und geben Auskunft über die Sitzverteilung. Die Direktkandidaten in den 17 Wahlkreisen müssen sich bis zum Montag gedulden.

Suding selbst legte noch einen drauf, als sie den „Engel für Lindner“ spielte: In Anlehnung an die Hollywood-Heldinnen „Drei Engel für Charlie“ posierte die 39-Jährige mit Parteifreundinnen unter dem Motto „Drei Engel für Lindner“ im Magazin „Gala“ für Parteichef Christian Lindner.

Kommentare (25)

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aza azaziel

16.02.2015, 07:33 Uhr

Es geht halt ruppig zu in der Politik

Herr Matthias Ader

16.02.2015, 08:01 Uhr

Das ist ein voellig absurdes Gewaesch, was da einige Moechtegernpolitiker da von sich geben. Frau Sudding sieht nun mal gut aus und kann sich von allen Seiten zeigen. Ob Sie in der Politik ebenfalls diese Qualitaeten aufzuweisem hat, wird sich noch zeigen. Fuer die Politik ist ein breitgefaechertes Parteienangebot nur foerderlich. Eine Gleichschaltung der Parteien ist fuer die Demokratie schadhaft. Ich hoffe, dass es 2017 keine GroKo mehr geben wird. Dann wird eine ausserparlamentaeischen Opposiition auch nicht mehr noetig sein.

Account gelöscht!

16.02.2015, 08:04 Uhr

Wer mit Körperteil-PR in den Wahlkampf geht, darf dann auch bei zugegeben etwas derben Kommentaren nicht gleich weinen. Der ÖR und auch einige Printmedien wie das HB haben ja unverhohlen PR für eigentlich tote FDP gemacht.

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