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10.05.2015

19:36 Uhr

Kommentar zur Bürgerschaftswahl

Bremer Mikado

VonOliver Stock

Wer sich bewegt, fliegt raus. Die Bremer wählen den Stillstand. Und lassen die SPD mit Bürgermeister Jens Böhrnsen weiterregieren. Wäre der Stadtstaat ein Unternehmen, müsste er übermorgen schließen.

Wenn beim Mikado-Spiel ein Stäbchen bewegt wird, dürfen die anderen nicht wackeln.

Mikado

Wenn beim Mikado-Spiel ein Stäbchen bewegt wird, dürfen die anderen nicht wackeln.

Wenn Bremen eine Aktiengesellschaft wäre, dann wäre sie wahrscheinlich pleite, mit Sicherheit aber läge der Aktienkurs am Boden. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt in keinem Bundesland höher, das Land gibt chronisch mehr aus, als es einnimmt: Negativer Cashflow würde ein Unternehmensberater dazu sagen, wenn Bremen eine Aktiengesellschaft wäre. Er würde dringend dazu raten, diese Situation abzustellen. Wenn das alte Management dazu nicht in der Lage ist, würde er empfehlen, ein neues zu suchen.

Wenn Bremen eine Aktiengesellschaft wäre, läge sie bei Forschung und Entwicklung ziemlich abgeschlagen hinten in ihrer Branche. Denn in Sachen Bildung rangieren Bremens Schulen chronisch auf den letzten Plätzen.

Oliver Stock

Oliver Stock, stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts

Neues aus der Forschungsabteilung ist von dieser Firma nicht zu erwarten. Aktionäre würden nach Innovation rufen, oder dem Management auf der Hauptversammlung einen Denkzettel verpassen. Wenn Bremen ein Unternehmen wäre, würden die Mitarbeiter längst für mehr Fortbildung in den unbefristeten Streik getreten sein.

Wenn Bremen eine Aktiengesellschaft wäre, dann hätten die Unternehmenslenker erkannt, dass ihre Firma für den Weltmarkt etwas klein geraten ist. Sie hätten sich nach dem einen oder anderen Joint Venture umgeschaut, vielleicht hätten sie sich auch die Genehmigung ihres Aufsichtsrats geholt, Verkaufsverhandlungen einzuleiten. Deutschlands kleinster Stadtstaat dagegen leistet sich eine Verwaltung als wäre er eine Supermacht. Das Regieren dem benachbarten Niedersachsen zu überlassen, ist ein Tabuthema, das nur absolute Nicht-Kenner beharrlich immer wieder ansprechen.

 

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Nach der ersten Prognose wird es für Rot-Grün in der Bremer Bürgerschaft plötzlich eng. Denn SPD und Grüne müssen erheblich Federn lassen. Über die Zukunft der Regierungskoalition könnte die AfD entscheiden.

Wir wissen es: Bremen ist natürlich keine Aktiengesellschaft, es gibt keine Führungsetage und keinen CEO und keine Mitarbeiter und keine Aktionäre, sondern es gibt eine Bürgerschaft und einen Bürgermeister. Es gibt Bürger, die die Wähler sind, und sie entscheiden öfter mal nicht nach Kassen- sondern nach Gefühlslage. Sie scheuen den Wechsel und sie lieben ihren Bürgermeister, der ihnen seit zehn Jahren erzählt, dass irgendwie, irgendwann alles besser wird. 

So haben sie ihn auch an diesem Sonntag wieder aufs Schild gehoben. Die Dickschädel dieser Republik – sie sitzen nicht nur in den bayerischen Bierzelten, sie stehen auch an den hanseatischen Fischmärkten. Und die anderen: Sie haben in der Bremer Politik niemanden gefunden, dem sie den Wechsel zutrauen. Wenn Bremen eine Aktiengesellschaft wäre: Seit diesem Wahltag würden sich die Insolvenzverwalter die Hände reiben.

Kommentare (12)

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Frau Ellis Müller

11.05.2015, 08:09 Uhr

"Wäre der Stadtstaat ein Unternehmen, müsste er übermorgen schließen."
Wäre der Stadtstaat ein Unternehmen, hätte er schon längst Insolvenz anmelden müssen. Trotz sprudelnder Steuereinnahmen ist Bremen pleite und hängt am Tropf des Länderfinanzausgleiches. Auch ein Ergebnis der jahrelangen Misswirtschaft der etablierten Parteien, besser gesagt der SPD.

Account gelöscht!

11.05.2015, 08:20 Uhr

Der Länderfinanzausgleich macht es doch erst möglich, dass sich die Bundesländer weiter und weiter auf Kosten bzw .den Steuereinnahmen anderer wirtschaftlich starker Bundesländer in ihrer Schuldenburg einnisten können. Auch mit der hochsubventionierten Offshore Energiewende wird Bremen voll vom deutschen Steuerzahler bzw. Stromverbraucher via politischen Zwangsabgaben EEG Gesetz am Subventionstropfer gehalten. Die Energiewende bzw. die Erneuerbare Energie der politischen Ideologie in Deutschland ist unb bleibt eine marktfeindliche und damit eine wertvernichtende Wirtschafts-Energiepolitik.
Bremer wird noch mehr in der Schulden und Arbeitslosenstatistik nach unten fallen. Der Länderfinanzausgleich und die Energiewende machen dies möglich. Weil diese politischen Industrument gegen die Wertschöpfungskraft einer Marktgesellschaft verstossen und den Mangel und die Armut fördern und als etwas "Gutes und Erbstrebenswertes" für die Bürger in Bremen und anderen "Pleite-Bundesländer" empfinden lässt.
Rot-Grüne Ideologie beginnt zu wirken...nicht nur in Bremen, sondern mit der Energiewende in GANZ Deutschland.

Horst Warresz

11.05.2015, 08:48 Uhr

Ja auch innerhalb Deutschlands gibt es "Griechenländer"...und es scheint nicht wirklich viele zu stören. Wenn dieses Model für DE schon seit Jahrzehnten funktioniert...dann sollte es auch für die EU (oberflächig gesehen ;o))...und Bremen sind ja auch nicht die einzigsten Systemprofiteure in unserem Lande

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