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14.04.2015

13:50 Uhr

Streit in Bremer Kulturausschuss

Sammlermuseum Weserburg bangt um die Zukunft

Einst wurde die Weserburg als Europas erstes Sammlermuseum gefeiert. Jetzt steckt das Haus tief in der Krise. Seit Jahren wird um ein tragfähiges Konzept gestritten. Könnte Schrumpfen die Lösung sein?

Das Museum für moderne Kunst galt nach der Eröffnung 1991 in der Kunstszene als wegweisend. dpa

Museum Weserburg

Das Museum für moderne Kunst galt nach der Eröffnung 1991 in der Kunstszene als wegweisend.

BremenAi Weiwei, Mario Merz, Gerhard Richter, Rebecca Horn – die Ausstellungen in der Bremer Weserburg inszenieren Werke großer Gegenwartskünstler. Das 1991 als Europas erstes Sammlermuseum eröffnete Haus galt damals in der Kunstszene als wegweisend. Doch mittlerweile bangt die Weserburg um ihre Zukunft. Einen Teil des Museumsgebäudes vermieten? In einen Neubau umziehen? Es gibt viele Visionen für das finanziell angeschlagene Museum für Gegenwartskunst.

Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) spricht sich für einen Verbleib am alten Standort aus. Die Tendenz geht dahin, das Museum nicht – wie auch diskutiert – mit der Kunsthalle Bremen zu vernetzen, sondern eigenständig zu erhalten. „Ein Abwicklungsszenario hat in den Gesprächen keine Rolle gespielt“, sagte Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz. Empfehlungen für die Finanzierung des Hauses und die Besetzung des seit 2013 vakanten Direktorenpostens wurden auf die Zeit nach der Bremer Bürgerschaftswahl am 10. Mai verschoben.

Seit fünf Jahren wird in Bremen darüber gestritten, wie eine tragfähige Zukunft für das chronisch unterfinanzierte Museum für moderne Kunst aussehen könnte. Der Stiftungsrat hatte den Münchner Kunsthistoriker Helmut Friedel um ein Gutachten gebeten. Seine Empfehlung: Die Ausstellungsfläche soll von 4800 auf rund 2200 Quadratmeter schrumpfen und die Kunst des 21. Jahrhunderts zum Schwerpunkt des Hauses werden.

Darauf forderte der Betriebsrat den Rücktritt des Stiftungsratvorsitzenden Klaus Sondergeld, der auch Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bremen ist. Dieser vertrete eher die Interessen der Politik als die des Museums, lautete der Vorwurf. Sondergeld betonte am Dienstag bei einer Sitzung der Kulturdeputation, einer Art Parlamentsausschuss, dass es ihm um ein nachhaltiges Rettungskonzept gehe. Dabei müsse er die Belange der Stiftung und der Stadt im Blick haben.

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Unstrittig ist, dass die alten Speicherhäuser auf der Weserhalbinsel dringend saniert werden müssen. Allein die Reparatur des Fundaments soll rund drei Millionen Euro kosten, wofür voraussichtlich die Stadt aufkommen wird. Das Museum muss weitere rund 6 Millionen Euro in die Sanierung der Räume und Klimatechnik stecken. 2012 hatte die Weserburg deshalb Teile des eigenen Tafelsilbers versteigern lassen, darunter Gerhard Richters Gemälde „Matrosen“ – was einen Aufschrei in der Kunstszene auslöste.

Bundesweit sind Museen nach Angaben des Deutschen Kulturrates stärker gefährdet als das Theatersegment: „Die Museen gehören zu den ruhigen Kultureinrichtungen, bei denen die Politik glaubt, leichter einsparen zu können als im Theater, wo Intendant und Publikum sofort auf die Palme gehen“, sagte Geschäftsführer Olaf Zimmermann der Deutschen Presse-Agentur. Die Politik reagiere einzig auf lautstarke Proteste. Auf der Roten Liste des Deutschen Kulturrates stehen aktuell die Anhaltische Gemäldegalerie Dessau, die Mönchguter Museen auf Rügen und das Schulmuseum Bochum.

„Den Kommunen geht es schlecht und dann streicht man schon mal gern bei der Kultur“, beobachtet auch Anja Schaluschke vom Deutschen Museumsbund in Berlin. Aus Angst vor Protesten gebe es heute so gut wie keine spektakulären Schließungsaktionen mehr. Stattdessen würden viele Gemeinden und Städte die Leistungsfähigkeit ihrer Museen durch reduzierte Öffnungszeiten und nicht mehr besetze Stellen regelrecht austrocknen.

Aktuell hat die Weserburg in der Themenschau „Land in Sicht“ den Dialog zwischen alten Meistern und Gegenwartskünstlern inszeniert. Jetzt wünscht sich das Team auch in eigener Sache Land in Sicht: Es will sich jenseits finanzieller und politischer Streitigkeiten wieder ganz auf Kunst konzentrieren können. Doch die Mitarbeiter werden sich noch etwas gedulden müssen. Erst haben die Wähler das Wort.

Von

dpa

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