Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

Sahra Wagenknecht

Sahra Wagenknecht

1969 kommt sie im Saaletal in Jena zur Welt, die Mutter studiert in Ost-, der Vater in West-Berlin. Er ist Iraner, als sie drei ist verschwindet ihr Vater aus ihrem Leben. Von anderen Kindern wird sie gehänselt, weil sie anders aussieht.

Wagenknecht flüchtet in die Welt der Bücher. „Mit vier habe ich angefangen zu lesen, Bibliotheken waren für mich wie Süßwarenläden“, erzählte sie der „Zeit“. „Ich bin immer mit einem Riesenstapel Bücher rausgegangen, habe die Geschichten in Gedanken weitergesponnen und mich deswegen nie einsam gefühlt.“ Nach dem Abitur darf sie nicht studieren, liest allein zu Hause weiter – 12 bis 15 Stunden am Tag. Streng nach Zeitplan: Fünf Stunden Hegel, zwei Stunden Marx, Kant und dann noch Romane.

Seit den frühen 1990er-Jahren gehört Sahra Wagenknecht zur Führungsriege – zunächst bei der PDS und dann bei der Linkspartei. Wagenknecht ist seit 2009 Abgeordnete des Bundestags. Sie gehört dem linken Flügel ihrer Partei an und war bis 2010 Mitglied der vom Bundesamt für Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestuften „Kommunistischen Plattform“. Wagenknecht, die im persönlichen Umgang scheu, fast spröde wirken kann, beherrscht den großen Auftritt. Sie garantiert Aufmerksamkeit – nach innen wie nach außen. Für die Partei ist das ein ständiges Dilemma: Wagenknecht ist ihre profilierteste Vertreterin, polarisiert aber auch am meisten.

Probleme & Kritik

Sie ist das Gesicht der Linkspartei – doch das Verhältnis der Parteispitze zu Sahra Wagenknecht ist vor allem eines: kompliziert.

Sie ist brillant, schwärmen ihre Bewunderer – beratungsresistent, schimpfen Kritiker aus der eigenen Fraktion. Offensichtlich wird das in der Flüchtlingsfrage: „Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht eben auch verwirkt“, sagt Wagenknecht nach der Kölner Silvesternacht. Wenig später warnt sie vor Kontrollverlust an den Grenzen und gibt Merkel eine Mitschuld am Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt. „AfD-light“ heißt es danach, auch aus den eigenen Reihen. Die Parteispitze verbittet sich weitere Alleingänge – sie weiß aber auch: ohne Wagenknecht geht es nicht.

Das Programm

Wirtschaft

Über 120 Milliarden Euro pro Jahr will die Linke in den sozialen Wohnungsbau, Bildungseinrichtungen, Krankenhäuser, Straßen und Schienen investieren. In der Steuerpolitik wollen will sie den Freibetrag von derzeit gut 8.800 Euro auf 12.600 Euro anheben. Ab 70.000 Euro zu versteuerndem Einkommen im Jahr soll der Steuersatz 53 Prozent betragen. Außerdem will die Linke eine Reichensteuer von 60 Prozent ab einem Jahreseinkommen von gut 260.000 Euro und von 75 Prozent ab einer Million Euro einführen. Vermögen sollen ab einer Million Euro mit fünf Prozent besteuert werden. Die Abgeltungssteuer soll abgeschafft werden, damit Einkommen aus Kapitalerträgen nicht geringer besteuert werden als solche aus Arbeit. Bei Abfindungen soll es nach dem Willen der Linken künftig wieder steuerliche Freibeträge geben.

Arbeit & Soziales

Den Mindestlohn will die Linke von 8,84 Euro auf 12 Euro anheben. Das Hartz IV vorausgehende Arbeitslosengeld I soll verlängert werden. An die Stelle der bisherigen Hartz-IV-Sätze soll eine Mindestsicherung in Höhe von 1050 Euro treten. Sanktionen etwa wegen nicht angenommener Jobangebote sollen abgeschafft werden. Von der Mindestsicherung sollen Betroffene grundsätzlich auch die Wohnung selbst bezahlen, allerdings kann auch zusätzlich Wohngeld bezogen werden. Unbefristete Beschäftigung fordert die Linke als Regel, Ausnahmen müssten auf sachliche Gründe beschränkt sein.

Innere Sicherheit

Verfassungsschutz und perspektivisch alle Geheimdienste sollen abgeschafft werden. Zudem will die Linke sich nicht an einer Regierung beteiligen, die Aufrüstung und Militarisierung zulässt.

Bildung & Familie

Um Kinderarmut entgegenzuwirken, wollen die Linken eine Kindergrundsicherung 573 Euro für alle einführen, die versteuert werden muss. Das Kindergeld wollen sie auf 328 Euro anheben. Die Bildung soll von der Kita bis zur Uni gebührenfrei sein. Alle Kinder sollen freie Fahrt in Bus und Bahn sowie kostenfreies Essen in allen Kitas und Schulen haben. Es soll eine solidarische Gesundheitsversicherung für alle geben.

Migration & Integration

Das Grundrecht auf Asyl will die Linke entschieden verteidigen, Einschränkungen lehnt die Partei ab. Auch Menschen, die nicht aus politischen Gründen geflüchtet sind, sollen die Möglichkeit haben in Deutschland zu leben. Menschen, die ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung im Land leben, sollen eine unbefristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis bekommen. Für Flüchtlinge sollen die gleichen politischen und sozialen Rechte gelten, wie für alle anderen auch.

Umwelt

Die Privatisierung der Energiekonzerne soll rückgängig und die Energieversorgung als „Teil der öffentlichen Daseinsversorgung“ organisiert werden. Im Gegenzug sollen Ökosteuer, Netzentgelte, Emissionshandel und Erneuerbares-Energien-Gesetz entfallen. Für den durchschnittlichen Verbrauch von elektrischem Strom, Wasser und Heizenergie sollen preisgünstige Sockeltarife geschaffen werden, alles was darüber hinausgeht soll teurer werden und dem Verbraucher so ein Anreiz zum Strom sparen gegeben werden. Aus Atomkraft und Kohle soll ein Ausstieg erfolgen, Fracking verboten werden. Ebenfalls im Zuge des Umweltschutzes tritt die Linke für ein striktes Nachtflug-Vverbot zwischen 22 und sechs 6 Uhr morgens ein.

Digitalisierung

Beim Thema Digitalisierung plädiert die Linke für einen ungehinderten Zugang zum Internet für alle Bürger. Die Partei warnt aber gleichzeitig, dass es in einer „digitalen Welt gilt, den Zugang zu Informationen zu verteidigen“. Außerdem fordert die Linke, dass Daten und Informationen, die von Regierungen mit öffentlichen Geldern gesammelt und erstellt wurden, allen Menschen frei zugänglich und nutzbar gemacht werden (Open Data).

Europa & Außenpolitik

Dass PKK-Verbot soll aufgehoben werden. Die Linke will alle Auslandseinsätze der Bundeswehr beenden. Den Verzicht auf Kampfeinsätze macht sie zur Bedingung für die Beteiligung an einer Regierung. Die Nato soll nach dem Willen der Linken aufgelöst und durch ein kollektives Sicherheitssystem unter Einbeziehung Russlands ersetzt werden. Auslandseinsätze sollen beendet und Waffenlieferungen generell verboten werden.

Das vollständige Programm gibt es hier.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×