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20.01.2016

17:10 Uhr

+++ Davos 2016 – Tag 1 +++

Gauck hält Begrenzung von Flüchtlingszuzug für notwendig

Bundespräsident Joachim Gauck plädierte für Grenzen bei der Aufnahme von Flüchtlingen, Kevin Spacey stahl allen die Show – obwohl er noch gar nicht angereist ist. Der erste Tag in Davos, nachzulesen im Newsblog.

Bundespräsident joachim Gauck nimmt bei seiner Rede über die Flüchtlingskrise die osteuropäischen länder in die Pflicht. Reuters

Mahnende Worte

Bundespräsident joachim Gauck nimmt bei seiner Rede über die Flüchtlingskrise die osteuropäischen länder in die Pflicht.

Reich trifft mächtig: Zum Weltwirtschaftsforum in Davos kommen 2500 Macher aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur, darunter dutzende Staats- und Regierungschefs. Bis zu 6000 Polizisten und Soldaten sorgen für die Sicherheit der Promis. Das übergreifende Thema der WEF-Jahrestagung lautet die „Meisterung der vierten industriellen Revolution“. Einen Gastbeitrag des Davos-Cheforganisators Klaus Schwab lesen Sie exklusiv im Handelsblatt.

Am ersten Tag dominierten waren allerdings der niedrige Ölpreis und die Flüchtlingskrise die Themen der Konferenz. Am Vormittag hat Bundespräsident Joachim Gauck die Deutschen auf eine Begrenzung der Flüchtlingszahlen vorbereitet. Die EU-Partner mahnte er zu Solidarität in der Flüchtlingskrise. Die Bundeskanzlerin zählt sonst auch zu den regelmäßigen Gästen in Davos – für dieses Jahr sagte sie jedoch ab.

Mittendrin, zwischen Podiumsdiskussionen, Hintergrundrunden, Panels und Cocktailpartys: Vier Handelsblatt-Reporter. Ihre Eindrücke, aktuelle Meldungen, Bilder und Tweets im Newsblog.

Davos

Weltwirtschaftsforum 2016: Das passiert am ersten Tag

Davos: Weltwirtschaftsforum 2016: Das passiert am ersten Tag

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+++ „Energiewende wird nicht einfacher“ +++

Die aktuellen Tiefstpreise von Öl und Gas sind nach Ansicht des Chefs der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol, eine Gefahr für das Klima. Regierungen hätten weniger Anreiz, ins Energiesparen und in erneuerbare Energien zu investieren. „Für die Erneuerbaren Energien wird das Leben nicht einfach“, sagte er bei einer Diskussion mit anderen Energieexperten.

+++ Cooler Auftritt +++

Schotten tragen ihren Kilt bei jedem Wetter – ein Klischee, dass dieser Insel-Musiker bei Minus 10 Grad in Davos bestätigte.

+++ Gauck mahnt zu Solidarität in der Flüchtlingskrise+++
Eine Begrenzung der Aufnahme von Flüchtlingen und Migranten ist nach Ansicht von Bundespräsident Joachim Gauck nicht "per se unethisch". "Eine Begrenzungsstrategie kann moralisch und politisch sogar geboten sein, um die Handlungsfähigkeit des Staates zu erhalten", sagte Gauck am Mittwoch in einer Rede vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

"Sie kann auch geboten sein, um die Unterstützung für eine menschenfreundliche Aufnahme der Flüchtlinge zu sichern." Der Bundespräsident setzte sich zugleich für eine offene Diskussion über Probleme ein, die mit Migration und Integration verbunden sind. "Wenn nicht Demokraten über Begrenzungen reden wollen, wird Populisten und Fremdenfeinden das Feld überlassen", sagte er.

World Economic Forum Davos 2016
Themen der 16-seitigen Beilage zum Treffen der globalen Elite u.a.:
– Warum Siemens-Chef Joe Kaeser nach Davos fährt
Vorstand Philipp Rösler erklärt, wie das WEF die Mächtigen der Welt zusammenbringt.
– Die Digitalisierung stellt Branche für Branche auf den Kopf. Beispiele aus Industrie und Finanzen.

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Gauck forderte eine Balance zwischen humanitärer Verpflichtung und dem Erhalt funktionierender Aufnahmegesellschaften. "Eine menschenfeindliche, ressentimentgeladene Politik plädiert grundsätzlich für verschlossene Türen - so wie es zahlreiche Populisten in Europa wollen."

Deutschland verfolge einen anderen Kurs: "Gerade weil wir möglichst vielen Schutz bieten wollen, werden wir - so problematisch und tragisch es sein kann - nicht alle aufnehmen können." Ausdrücklich wies er den Vorwurf aus dem Ausland zurück, Deutschland habe "im Gefühlsüberschwang oder Naivität" gehandelt. Die Aufnahme von Schutzbedürftigen sei vielmehr ein Gebot humanitärer Verantwortung.

+++ Schlauer Hubo +++
Auf der großen Bühne debattieren Top-Politiker, Notenbanker und Vorstandschefs in Davos darüber, wie die Welt im Angesicht enormer Risiken gerettet werden kann. Ein etwas weniger bekannter Gast stellt dagegen auf deutlich kleinerer Bühne seine eigenes Rettungskonzept vor: Es ist Hubo, ein silberner Roboter mit Menschenstatur, der künftig bei Katastrophen und Epidemien als Rettungskraft eingesetzt werden könnte. Der preisgekrönte Roboter des südkoreanischen Instituts für Wissenschaft und Technologie kann laufen wie ein Mensch und sogar Treppen steigen. 

„Schon bald wird Hubo beispielsweise bei Erdbeben und Ebola-Ausbrüchen Krankenschwestern ersetzen können,“ zeigt sich Myoung-Ock Ahn vom südkoreanischen National Medical Center begeistert. Damit symbolisiert das freundlich aussehende Metallgerippe die positiven wie negativen Seiten der des Davoser Mottos, der vierten industriellen Revolution – segensreicher Fortschritt und damit einhergehender Stellenabbau. Dass Hubo in zehn Jahren auch der IWF-Chefin Christine Lagarde oder Blackrock-Chef Larry Fink auf der Bühne die Show stehlen wird, gilt als unwahrscheinlich: „Dass Roboter 100 Prozent wie Menschen werden wird sehr lange dauern - wahrscheinlich wird es sogar niemals dazu kommen,“ sagt Oh Jun-Ho, Professor und Miterfinder dieses Roboters.

+++ Parkplätze verzweifelt gesucht +++

Der Promi-Andrang sorgt für eine Parkplatz-Not – nicht etwa vor den Hotels in Davos, sondern auf dem Züricher Flughafen. Stellplätze für Privat-Jets werden langsam knapp:

+++ Wenn Fiktion die Wirklichkeit schlägt +++
Einen Rekord erlebte das WEF schon vor seinem Start: Die meist überbuchte Veranstaltung war nicht etwa sein Podium, wunderte sich Boston-Consulting-Chef Rich Lesser. Und das, obwohl mit ihm am Mittwoch immerhin Hewlett-Packard-Chefin Meg Whitman und Alcoa-CEO Klaus Kleinfeld über die digitale Transformation der Industrie diskutierten. Das erreichte nur Platz zwei. Sieger wurde der Schauspieler Kevin Spacey, der am Freitag in Davos über "House of cards" und Parallelen zur Realität plaudern möchte. Manchmal schlägt Fiktion eben jede Wirklichkeit.

Sein Ruf eilt im voraus: Kevin Spacey will am Freitag über die Serie "House of Cards" und Parallelen zur Realität plaudern – der Andrang ist schon jetzt riesig. Reuters

Kevin Spacey

Sein Ruf eilt im voraus: Kevin Spacey will am Freitag über die Serie "House of Cards" und Parallelen zur Realität plaudern – der Andrang ist schon jetzt riesig.

+++ Die Macht ist mit den Mächtigen +++
Star Wars ist so omnipräsent, dass auch die Elitendiskussionen beim Weltwirtschaftsforum sich den Filmen nicht entziehen können. Auf die schwierige Frage, ob die Menschheit durch die vierte industrielle Revolution gewinnen wird oder nicht, meint Indiens Topunternehmer Anand Mahindra: „Wir brauchen nicht nur künstliche Intelligenz, wir brauchen künstliche Empathie.“ Es gehe jetzt darum, die künftigen technologischen Möglichkeiten richtig zu nutzen. „Es ist wie in Star Wars“, sagt Mahindra in der Diskussion mit Facebook-Managerin Sheryl Sandberg und Satya Nadella von Microsoft. „Die Frage ist: Wollen wir Jedi Ritter sein oder Sith Lords - das hängt davon ab, wie wir die neue Macht nutzen“.

US-Außenminister John Kerry trifft in Zürich ein. Er trifft sich mit seinem russischen Amtskollegen – dann geht es weiter nach Davos. Reuters

US-Außenminister in Zürich

US-Außenminister John Kerry trifft in Zürich ein. Er trifft sich mit seinem russischen Amtskollegen – dann geht es weiter nach Davos.

+++US-Außenminister trifft russischem Amtskollegen+++
US-Außenminister John Kerry ist in Zürich gelandet. Dort trifft er sich mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow. Dabei soll es um Syrien und die Ukraine gehen. Kerry hofft, Differenzen mit Moskau darüber beizulegen, wer an Friedensgesprächen für Syrien teilnehmen darf, die von den Vereinten Nationen vermittelt werden und kommende Woche beginnen sollen. Zudem dürfte der amerikanische Außenminister auf weitere Fortschritte bei der Lösung des Konflikts in der Ostukraine dringen, in dem sich die Regierung in Kiew und von Russland unterstützte Rebellen gegenüberstehen. Nach seiner Unterredung mit Lawrow wird Kerry nach Davos weiterreisen, um dort am Weltwirtschaftsforum teilzunehmen.

+++ So klappt der Davos-Besuch auch ohne Ticket +++
Sie haben keine Einladung, kein Geld und wollen trotzdem in Davos dabei sein? Kein Problem! Die Kollegen der BBC haben einen (nicht ganz ernst gemeinten) Davos-Ratgeber geschrieben. Für alle, die Englisch können: Der „Rough Guide to the World Economic Forum“.

+++ Gipfeltreffen in Hinterzimmern+++
Davos ist auch ein Gipfeltreffen der Hinterzimmer-Diplomatie, mitunter im wahrsten Sinne des Wortes. So trauten die Gäste des Schatzalp-Restaurants ihren Augen nicht, als am Dienstagabend peu à peu die gesamte Weltfinanz an ihnen vorbeidefilierte: Nicht nur die Verwaltungsratschefs von Credit Suisse und UBS, Urs Rohner und Axel Weber, lachten und diskutierten viel. Dann kam unter anderem auch noch Larry Fink, Chef von Blackrock, des größten Vermögensverwalters der Welt. Als letztes stieß  sogar eine notorisch fröhliche IWF-Chefin Christine Lagarde zu dem Kreis. Ob zwischen Bergbahn und Käsefondue die Welt gerettet wurde, ist nicht bekannt.

Kein Oscar, aber auch ganz nett: Hollywood-Star Leonardo DiCaprio mit dem neuesten Preis in seiner Sammlung: Dem Crystal Award für seine Umweltschutz-Stiftung. dpa

Preis für DiCaprio

Kein Oscar, aber auch ganz nett: Hollywood-Star Leonardo DiCaprio mit dem neuesten Preis in seiner Sammlung: Dem Crystal Award für seine Umweltschutz-Stiftung.

+++ Kein Oscar, aber immerhin...+++

Hollywood-Star Leonardo DiCaprio hat am Dienstagabend einen „Crystal Award“ entgegen genommen. Das Weltwirtschaftsforum (WEF) ehrte DiCaprio für seinen ehrenamtlichen Einsatz für den Umweltschutz. Mit seiner 1998 gegründeten „Leonardo DiCaprio Foundation“ habe der Schauspieler mehr als 30 Millionen Dollar zur Förderung von 70 innovativen Umweltprojekten in 40 Ländern gesammelt, heißt es in der Begründung der Jury. „Saubere Luft und sauberes Wasser sowie ein lebenswertes Klima sind unveräußerliche Menschenrechte“, sagte DiCaprio. Für soziales Engagement auf verschiedenen Gebieten wurden auch die chinesische Schauspielerin Yao Chen, der dänisch-isländische Künstler Ólafur Elíasson und der amerikanische Rapper und Hip-Hop-Produzent will.i.am mit „Crystal Awards“ geehrt.

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