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21.01.2016

17:20 Uhr

Davos 2016 - Tag 2

Netanjahu vergleicht Iran mit IS

Israel keilt gegen den Iran, Finanzminister Wolfgang Schäuble gegen unsolidarische EU-Staaten. IWF-Chefin Christine Lagarde macht derweil Werbung in eigener Sache. Der zweite Tag in Davos nachzulesen Newsblog.

Für den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu sind der IS und Iran „zwei Seiten der militanten islamischen Münze“. ap

Benjamin Netanjahu

Für den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu sind der IS und Iran „zwei Seiten der militanten islamischen Münze“.

Davos/DüsseldorfEs war der tag der scharfen Formulierungen in Davos: Israels Premier Netanjahu gegen Iran, Finanzminister Schäuble gegen EU-Staaten, die in der Flüchtlingskrise ausscheren. Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds, war vor allem im Dienste der eigenen Karriere unterwegs. Die Ereignisse des zweiten Tages, nachzulesen im Newsblog.

WEF-Treffen in Davos: Marktturbulenzen sorgen für Unruhe

WEF-Treffen in Davos

Premium Marktturbulenzen sorgen für Unruhe

Die schlechte Stimmung an den Börsen hat auch das Weltwirtschaftsforum in Davos überschattet. Viele Teilnehmer stellen sich die Frage: Ist das ein kurzer Schock oder eine tiefe Krise? Optimismus verbreiten nur Wenige.

+++ Netanjahu vergleicht Iran mit IS +++
Israel Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hält den Iran und die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für die gefährlichsten Kräfte weltweit. „Sie sind zwei Seiten der militanten islamischen Münze“, sagte er am Donnerstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. „Beide wollen erst den Nahen Osten dominieren und dann das, was darüber hinausgeht.“ Netanjahu fügte hinzu: „Der IS kann besiegt werden.“

Mit Blick auf den Iran warnte er, Teheran strebe auch nach der Vereinbarung mit den Weltmächten weiter nach dem Bau einer Atombombe. „Ich hoffe, dass sich letztlich herausstellen wird, dass ich mich geirrt habe. Ich wäre der glücklichste Mensch - aber ich bezweifele, das es so kommt.“

+++ Effiziente Kriege +++
Die Sorge über den desolaten Zustand der Finanzmärkte nimmt in Davos zuweilen eher groteske Züge an. So äußerte ein Teilnehmer allen Ernstes die Frage, ob die Ausgabe von Kriegsanleihen nicht der effizientere Weg sei die Wirtschaft wieder anzukurbeln, als die Anleihenkäufe der Notenbanken. Die Antwort vom indischen Notenbankgoverneur Raghuram Rajan kam prompt: Er sei sich bewusst, dass mit einem Krieg viel Raum für Wirtschaftswachstum geschaffen werde - aber nur weil die Wirtschaftskraft dadurch zunächst weitgehend zerstört werde. "Die meisten Leute bevorzugen es, ein hohes Bruttosozialprodukt zu behalten. Ich denke also nicht, das Krieg die Antwort ist."

World Economic Forum Davos 2016
Themen der 16-seitigen Beilage zum Treffen der globalen Elite u.a.:
– Warum Siemens-Chef Joe Kaeser nach Davos fährt
Vorstand Philipp Rösler erklärt, wie das WEF die Mächtigen der Welt zusammenbringt.
– Die Digitalisierung stellt Branche für Branche auf den Kopf. Beispiele aus Industrie und Finanzen.

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+++ Rasende Diplomaten +++

Der typische Davos-Teilnehmer hat es eilig, vom Flughafen in den Schweizer Luftkurort zu kommen. Besonders die rasenden Diplomaten-Limousinen, deren Insassen Immunität genießen, bereiten Anwohnern des Tals Sorgen. Daher warnt die Gemeindeschule Küblis bei Davos laut der Gratiszeitung „20 Minutes“ in einem Elternbrief vor „grösserem Verkehrsaufkommen und Diplomatenfahrzeugen“, welche „die Verkehrsregeln nicht zwingend befolgen müssen“. Die Eltern werden dazu angehalten, ihre Kinder über die Hauptstraße zu geleiten.

Manche Konvois rauschten mit bis zu 80 Stundenkilometer durch den Ort und hielten sich nicht an Rote Ampeln, berichten Anwohner. Die Gemeinde hofft daher auf gutes Wetter: Dann reisen viele Promis mit dem Hubschrauber an.

Schäuble und Tsipras in Davos: Europas einziger Ausweg

Schäuble und Tsipras in Davos

Europas einziger Ausweg

So einig wie selten: Finanzminister Wolfgang Schäuble und Griechenlands Premier diskutieren beim Weltwirtschaftsforum in Davos – und kommen kaum voneinander los. In der Flüchtlingspolitik gibt es für sie nur einen Weg.

+++ BP-Chef zieht Parallelen zur Ölkrise +++

Der Chef des britischen Ölkonzerns BP, Bob Dudley, sieht die Branche derzeit ähnlich stark unter Druck wie zu Zeiten der Ölkrise im Jahr 1986. Der Ölpreis werde mit dem steigenden Angebot des Iran nach dem Ende internationaler Sanktionen in den kommenden sechs Monaten weiter niedrig bleiben, sagte Dudley am Donnerstag vor Journalisten auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

"Das erste und zweite Quartal werden sehr schwierig werden", ergänzte er. "Es ist ein großer Schock für die produzierenden Länder. Es erinnert mich an 1986." Dudley rechnet damit, dass sich die Märkte dann im weiteren Jahresverlauf wieder stabilisieren, wenn die Überproduktion zurückgehe. Wegen des gesunkenen Ölpreises hat die Branche bereits Tausende Stellen abgebaut und Investitionen gestrichen. Bei BP sollen mindestens 4000 Jobs wegfallen. 1986 waren die Ölpreise stark gesunken, weil Saudi-Arabien und weitere Opec-Länder ihre Fördermengen steigerten. Die Nachfrage ging damals nicht zurück

Der Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) plädiert für eine „Koalition der Willigen“ in der Flüchtlingskrise. Reuters

Wolfgang Schäuble

Der Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) plädiert für eine „Koalition der Willigen“ in der Flüchtlingskrise.

+++ Schäuble fordert Marshall-Plan für den Nahen Osten +++

Finanzminister Wolfgang Schäuble fordert zur Bewältigung der Flüchtlingskrise einen Marshallplan der EU zum Wiederaufbau der Krisenländer im Nahen Osten. Der CDU-Politiker sagte am Donnerstag beim Weltwirtschaftsforum in Davos, es müssten schnell Milliardensummen in die Herkunftsländer der Flüchtlinge und in die Nachbarstaaten investiert werden, um den Druck auf die EU-Außengrenzen zu verringern.

Die Bewältigung der Krise werde deutlich mehr kosten als die EU-Länder bisher realisiert hätten, sagte Schäuble. Die Alternative, Europa zu einer Festung auszubauen, sei keine Lösung. Der Marshallplan war ein Wiederaufbauprogramm der USA für West-Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Schäuble sagte: "Wir brauchen etwas ähnliches." Er werbe dafür, alle finanziellen Spielräume zu nutzen, um Geld in die Region zu investieren.

Weltwirtschaftsforum 2016

Großes Thema in Davos: Experten wollen die Flüchtlingsfrage klären

Weltwirtschaftsforum 2016: Großes Thema in Davos: Experten wollen die Flüchtlingsfrage klären

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+++ EU hat acht Wochen zur Lösung der Flüchtlingskrise+++

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte gibt der Europäischen Union nur maximal acht Wochen Zeit, um die Flüchtlingskrise zu lösen. Er gehe davon aus, dass das Schengen-Abkommen noch gerettet werde könne, sagte Rutte am Donnerstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Niemand wolle, dass es scheitere. Allerdings müsse die Gemeinschaft dafür einen Ersatz für das bisherige Dublin-Verfahren für Asylverfahren finden. "Wir haben sechs bis acht Wochen", erklärte er.

+++ Schäuble ruft nach „Koalition der Willigen“ +++
Für eine effektive Eindämmung der Massenflucht nach Europa müsste nach den Worten des Bundesfinanzministers Wolfgang Schäuble (CDU) erheblich mehr Geld zur Versorgung von Kriegsflüchtlingen in Syriens Nachbarländern bereitgestellt werden. Dies werde Europa zwar etliche Milliarden mehr als bisher kosten, aber es sei dringend nötig, sagte Schäuble am Donnerstag beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos.

Der Streit in der EU über Verteilungsmechanismen für Flüchtlinge habe sich als furchtlos erwiesen. Deshalb plädiere er für eine „Koalition der Willigen“ - wer Geld geben könne zur Versorgung von Flüchtlingen in deren Region, der solle dies tun. Deutschland habe dafür derzeit mehr finanziellen Spielraum. „Ich werbe in meinem Land dafür, dass wir alles, was wir an Spielraum haben, mit anderen Europäern zusammen in die Region investieren“, sagte der Minister.

IWF-Chefin Lagarde am Mittwoch beim Weltwirtschaftsforum: Die 59-Jährige macht fleißig Werbung in eigener Sache. Reuters

Christine Lagarde in Davos

IWF-Chefin Lagarde am Mittwoch beim Weltwirtschaftsforum: Die 59-Jährige macht fleißig Werbung in eigener Sache.

+++ IWF-Chefin Lagarde hat Schäubles Segen für neue Amtszeit +++
Die Bundesregierung unterstützt eine erneute Kandidatur der Französin Christine Lagarde als Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF). Lagarde sei in den schwierigen Zeiten nach der Finanzkrise eine "umsichtige und erfolgreiche Krisenmanagerin" gewesen und habe "ganz wesentlich" zu dem hohen Ansehen des IWF beigetragen, erklärte das Ministerium von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Die IWF-Chefin nutzt ihre Auftritte in Davos, um fleißig Werbung in eigener Sache zu machen. Die 59-Jährige hat bereist reihenweise Stimmen aus Europa für die Wiederwahl an der Spitze des Internationalen Währungsfonds gesammelt. Neben Deutschland machen sich auch Frankreich, Großbritannien und Finnland für Lagarde stark. Ihre erste Amtszeit endet im Juli dieses Jahres.

+++ Nichts für Sprach-Feinschmecker +++
Das Top-Zitat des ersten Tages stammt nach Ansicht der Davos-Organisatoren von Justin Trudeau, dem neuen kanadischen Premierminister. Der meint: „Diversität ist der Motor für Innovation. Sie generiert Kreativität und bereichert die Welt.“ Die Sprach-Feinschmecker unter den Kollegen des „Economist“ resignieren: „Das Weltwirtschaftsforum hebt das Unternehmer-Jargon in neue, schwülstige Höhen.“.

+++ Iran-Deal von Siemens ist 1,5 Milliarden Euro wert +++
Die Iraner wünschen sich 500 Eisenbahnwaggons und die Elektrifizierung von zwei Bahnstrecken nach Teheran. Diesem Wunsch kommt Siemens gerne nach. Der Iran-Deal hat ein Volumen von 1,5 Milliarden Euro. „Es gibt dort viel Infrastruktur aufzubauen“, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser dem Fernsehsender Bloomberg.

Der UN-Generalsekretär spricht in Davos mit Wirtschaftsbossen über die hohe Arbeitslosigkeit in der Welt. (Archivbild) Reuters

Ban Ki-moon

Der UN-Generalsekretär spricht in Davos mit Wirtschaftsbossen über die hohe Arbeitslosigkeit in der Welt. (Archivbild)

+++ Uno-Generalsekretär schockiert über Welt-Arbeitslosigkeit +++
Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigt sich besorgt über Prognosen zur weltweiten Arbeitslosigkeit. Vorausberechnungen für die nächsten beiden Jahre seien alarmierend, sagte Ban Sprecher Farhan Haq am Mittwoch. Der Chef der Vereinten Nationen werde weiter auf Jobmöglichkeiten drängen, vor allem für junge Menschen. Haq sagte weiter, Ban habe das Problem, dass neue Jobs geschaffen werden müssten, mit Wirtschaftsvertretern und anderen Teilnehmern des Weltwirtschaftsforums in Davos erörtert.

Zuvor hatte die Uno-Arbeitsbehörde am Mittwoch einen neuen Bericht veröffentlicht, wonach die Zahl der arbeitslosen Menschen rund um die Erde im Zuge der globalen Verlangsamung der Wirtschaft 2016 um fast 2,3 Millionen steigen werde. Im Jahr 2017 kommen demnach weitere 1,1 Millionen Menschen hinzu.

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