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21.01.2016

23:14 Uhr

George Soros in Davos

„Das ist nicht die richtige Zeit zum Kaufen“

VonDaniel Schäfer

Unkonventionelle Ansichten sind das Markenzeichen von George Soros. In Davos stellt er nicht nur klar, wie er die Zukunft der Finanzmärkte sieht. Auch über die EU, Schäuble und Trump hat der Starinvestor eine Meinung.

Starinvestor George Soros: Mit seinen Ansichten hält der 85-Jährige auch beim Edeldinner in Davos nicht hinterm Berg. AFP

George Soros

Starinvestor George Soros: Mit seinen Ansichten hält der 85-Jährige auch beim Edeldinner in Davos nicht hinterm Berg.

DavosSchon vor zwei Wochen hatte Starinvestor George Soros für Furore gesorgt, als er die desolate Lage an den Finanzmärkten mit der Zeit kurz vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im Jahr 2008 verglich. Jetzt legt er nach: Bei einem Dinner am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos sagte der 85-jährige Milliardär, die Ursache für die derzeitigen Turbulenzen seien in China zu suchen. Dort sei eine harte Landung unvermeidbar, sagte er bei dem Abendessen im mondänen Seehotel.

China exportiere Deflation und sei hoffnungslos überschuldet, mit einer Schuldenlast, die dem Dreifachen des Bruttoinlandsprodukts entspreche. "Eine harte Landung hat schon stattgefunden und wird auf den Rest der Welt abstrahlen", sagte Soros.

Der in Ungarn geborene Investor hat sich immer wieder durch unkonventionelle Ansichten und markante Sprüche hervorgetan. Berühmt wurde er mit erfolgreichen Spekulationen gegen das britische Pfund in der 1990er-Jahren.

Nach eigener Aussage gibt Soros jährlich rund eine Milliarde Dollar für wohltätige Zwecke. Er engagiert sich für eine offene Gesellschaft und spielte vor einem Vierteljahrhundert eine wichtige Rolle bei den politischen Umstürzen in Osteuropa.

Davos in Zahlen und Fakten

DEBATTEN

Das Programm hat mehr als 100 Seiten. Es geht um Konflikte und neue globale Herausforderungen. Übergreifendes Motto: „Die Meisterung der vierten industriellen Revolution“.

TEILNEHMER

2500 Politiker, Manager und Wissenschaftler aus mehr als 100 Ländern. Hollywoodstars: Leonardo DiCaprio und Kevin Spacey. Bundespräsident Joachim Gauck vertritt Deutschland.

GASTRONOMIE

Die rund 90 Hotels und weit mehr Restaurants sind ausgebucht - und meist viel teurer als sonst.

KOSTEN

Laut WEF umgerechnet 32 Millionen Euro - statistisch 12 800 Euro pro Teilnehmer. Dabei zahlen die meisten Gäste Anreise und Unterkunft selbst. Die Kosten für den Sicherheitsaufwand dürften enorm sein, werden aber geheim gehalten.

FINANZIERUNG

Dem WEF gehören 1000 der weltgrößten Unternehmen an. Der WEF-Jahresbeitrag liegt - je nach Firmengröße und Umfang der Beteiligung - zwischen 50 000 und 500 000 Franken (458 000 Euro).

SICHERHEIT

1000 Polizisten und 3000 Soldaten im Einsatz, 2000 weitere in Reserve. Kampfjets sichern den gesperrten Luftraum, am Boden Flugabwehrwaffen, Straßensperren und Sicherheitsschleusen.

DAVOSER NÄCHTE

Gut ein Dutzend Partys pro Nacht, die begehrtesten mit Vertretern des Hochadels und Hollywoods. Gastronomen haben den Gesamtumsatz voriges Jahr auf 35 Millionen Euro geschätzt.

LITERATUR

Thomas Mann (1875-1955) verhalf Davos mit seinem 1924 erschienenen Roman „Der Zauberberg“ zu Berühmtheit. Im darin beschriebenen Waldsanatorium wurde seine Frau Katia gepflegt. Es ist heute ein Luxushotel.

In Davos sagte er, anders als in den 1930er-Jahren sei die Welt heute schon überschuldet in die Krise gerutscht. Die einzige Lösung sei es daher, Geld zu drucken. "Die Europäische Zentralbank darf das nicht, also muss sie einen anderen Weg finden."

Zudem äußerte er die Einschätzung, die Fed habe mit ihrer Zinserhöhung im Dezember einen Fehler gemacht - den sie aber durch eine Senkung des Zinssatzes wieder korrigieren könne.

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