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23.01.2016

17:01 Uhr

Weltwirtschaftsforum in Davos

„Donald Trump erledigt die Arbeit des IS“

Ist die Stimmung besser als die Lage? Oder ist es umgekehrt? Beim Weltwirtschaftsforum im Januar gehören Prognosen für das neue Jahr stets dazu. Es gibt Ängste und Sorgen, aber auch viel Optimismus.

Zeichen der Zuversicht trotz kriselnder Weltkonjunktur. Reuters

Weltwirtschaftsforum in Davos

Zeichen der Zuversicht trotz kriselnder Weltkonjunktur.

DavosAlle Jahre wieder hat in Davos ein Kalauer Konjunktur: Das Problem mit Prognosen bestehe darin, dass sie die Zukunft betreffen. Das war auch beim 46. Weltwirtschaftsforums (WEF) zu hören - ehe dann so gut wie alles aufgezählt wurde, was 2016 an Unerwünschtem passieren könnte. Auswahl: Eine noch stärkere Verlangsamung des chinesischen Wachstums, kollabierende Ölpreise, Terroranschläge, die Eskalation bewaffneter Konflikte samt Verschärfung der Flüchtlingskrise, „Brexit“, Wechselkurschaos durch eine konkurrierende Währungspolitik der Zentralbanken.

„Willkommen in der Krisenökonomie, wo der Tumult regiert“, titelte das „Wall Street Journal“ in einer WEF-Sonderbeilage. Durchaus nicht wenige stimmten in den Chor der Pessimisten ein. Die Zuversicht der Konzernlenker sei Ende 2015 gegenüber 2014 gesunken, konstatierte die Beratungsgesellschaft PwC. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) prophezeite einen Anstieg der globalen Arbeitslosigkeit.

Und die Entwicklungsorganisation Oxfam sorgte mit einer Studie für Schlagzeilen, derzufolge die soziale Ungleichheit immer krasser wird: Ganze 62 Superreiche würden mittlerweile so viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Menschheit zusammengenommen, voriges Jahr seien es noch 80 gewesen. Papst Franziskus appellierte: Vergesst die Armen nicht.

Da überraschte, dass ausgerechnet der „Prophet des Untergangs“, der US-Wirtschaftswissenschaftler Nouriel Roubini, besänftigend wirkte. Immerhin hatte er die Finanzkrise von 2008 vorhergesagt, was ihm den Spitznamen Dr. Doom eintrug (etwa: Dr. Unheil). Nein, sagte Roubini auf eine Interviewfrage des „Business Insider“, 2016 werde kein neues 2008. „Ich erwarte keine globale Rezession oder finanzielle Krise.“

Das sind die Wachstumsgaranten der deutschen Exporteure

USA

Die Vereinigten Staaten sind erstmals wichtigster deutscher Absatzmarkt und verdrängen damit Frankreich nach mehr als einem halben Jahrhundert. Beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2015 um fast 24 Prozent auf 56 Milliarden Euro an. Ein weiterer Grund für diesen Boom ist das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent. Wegen geringerer Energiekosten werden zudem viele Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen, für die Maschinen und Ausrüstungen aus Deutschland importiert benötigt werden.

Indien

Lange stand das Land im Schatten des benachbarten China. Doch sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürfte Indien deutlich schneller wachsen als die Volksrepublik. Der IWF sagt jeweils ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Vom Aufschwung in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt profitiert Deutschland bereits: Die Ausfuhren dorthin zogen im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel auf knapp fünf Milliarden Euro an.

Südafrika

Noch besser läuft es in der nach Nigeria zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas: Die deutschen Exporte dorthin nahmen in den ersten sechs Monaten gleich um 28 Prozent zu - auf insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Zwar ist die Konjunktur eher mau, doch der Staat investiert viel Geld in die Infrastruktur - von Energie über Wasser bis hin zu Straßen. Die deutsche Wirtschaft hat die dafür passenden Produkte im Angebot und profitiert davon ebenso wie von einer konsumfreudigen, wachsenden Mittelschicht.

Euro-Zone

Nach Jahren der Krise fasst die Währungsunion wieder Tritt. Bestes Beispiel dafür ist Spanien, das im zweiten Quartal so kräftig wuchs wie seit über acht Jahren nicht mehr. Der Appetit auf Waren "Made in Germany" nimmt entsprechend zu: Die deutschen Ausfuhren nach Spanien legten in der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro zu, die in die gesamte Euro-Zone um fast fünf Prozent auf rund 220 Milliarden Euro.

Großbritannien

Das Land ist bereits der drittgrößte deutsche Exportkunde. Dennoch legten die Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr um starke 9,4 Prozent auf 45 Milliarden Euro zu. Auch hier sorgt der schwache Euro für einen Extra-Schub, verbilligt er doch deutsche Waren auf der Insel. Außerdem befindet sich auch Großbritannien in einem Aufschwung: In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent deutlich kräftiger wachsen als in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent, wie der IWF erwartet.

Eine gewisse Beunruhigung hinsichtlich der weltwirtschaftlichen Entwicklung kann Roubini zwar nachvollziehen. Getrieben sei sie von einer Reihe von Faktoren, allen voran der Angst, eine erhebliche Verlangsamung des Wachstums in China könne dessen Aktienmarkt und Währung zum Zusammenbruch bringen. Eine „harte Landung“ sei aber nicht zu befürchten, so Roubini. China werde den nötigen Umbau von einer exportorientierten zu einer auf Konsum und Binnennachfrage basierenden Volkswirtschaft schaffen.

Ähnlich äußerte sich die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde. China könne einen „kontrollierten Übergang“ schaffen. Risiken seien zwar nicht zu übersehen, doch es gebe gute Gründe für Optimismus. Da sprach sie US-Außenminister John Kerry aus dem Herzen, der in einer bewegenden Rede für Zuversicht warb: Der Klimavertrag von Paris und dann der Deal mit dem Iran, der die Gefahr einer Atombombe in den Händen der Ajatollahs gebannt habe - das seien doch große Erfolge. Sie machten Mut, weiter beharrlich auf eine Ende des Krieges in Syrien hinzuarbeiten.

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