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24.05.2011

16:45 Uhr

Fachkräftemangel

Rösler drängt auf gesteuerte Zuwanderung

Die Wirtschaftsverbände machen Druck: Sie fordern eine erleichterte Zuwanderung für dringend benötigte Fachkräfte aus dem Ausland. Philipp Rösler setzt das Thema auf seine Agenda: Man sei in „Höchster Eile“.

Wirtschaftsminister Philipp Rösler und Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt bei einem Treffen zum Thema Fachkräftesicherung. Quelle: dpa

Wirtschaftsminister Philipp Rösler und Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt bei einem Treffen zum Thema Fachkräftesicherung.

Berlin Wirtschaftsminister Philipp Rösler will den Forderungen der Wirtschaft folgen und sich für schnelle Zuwanderungserleichterungen für Fachkräfte aus dem Ausland einsetzen. „Für das Gedeihen Deutschlands können wir auf qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland nicht verzichten“, sagte er am Dienstag nach einem Gespräch mit den Chefs großer Wirtschaftsverbände. Er unterstütze die Forderung der Wirtschaft nach einer gesteuerten Zuwanderung nach festen Kriterien. Allerdings müssten auch alle Potenziale im Inland wie mehr Beschäftigung von Frauen, Migranten und Älteren genutzt werden.

„Wir sind hier schon in höchster Eile“, sagte Rösler. Auf einen Termin, wann geeignete Maßnahmen beschlossen werden sollten, legte er sich aber nicht fest. Der Widerstand gegen eine gesteuerte Zuwanderung komme innerhalb der Koalition nicht von Kanzlerin Angela Merkel, sondern von anderen Teilen der Koalition, sagte der FDP-Chef. Dabei hatte er offenbar die CSU im Blick. Diese Widerstände müsse man überwinden, um nicht Wachstumseinbußen in Deutschland zu riskieren. Schon jetzt fehlten 140.000 Fachkräfte in den naturwissenschaftlichen Berufen. Auch die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit in Europa habe an dem Mangel nichts geändert. „Das ist keine Bedrohung, das ist eine Notwendigkeit, eine Chance.“

Arbeitnehmerpräsident Dieter Hundt bemängelte, allein im letzten Jahr sei die Lücke in den naturwissenschaftlichen Berufen um 80.000 gewachsen. Das koste inzwischen Milliarden Euro pro Jahr an Wertschöpfung. Hundt zeigte sich aber zuversichtlich, dass der neue Wirtschaftsminister daran gehen werde, dieses Problem zu lösen. Rösler habe fest zugesagt, die zentralen Forderungen der Wirtschaft zur Zuwanderung „möglichst schnell“ umzusetzen. Es geht dabei um eine Abschaffung der Vorrangprüfung in Mangel-Berufen, die Absenkung der Einkommensschwelle für Ausländer für die Niederlassung in Deutschland, die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse und ein Punktesystem für eine gesteuerte Zuwanderung oder auch Niederlassungsrechte für Ausländer, die hier studiert haben.

DIHK-Umfrage: Jeder dritte Firma beklagt Fachkräftemangel

Auch DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann forderte die Regierung in der „Berliner Zeitung“ zum Handeln bei der Zuwanderung auf. Wie Hundt und Rösler plädierte er für eine Absenkung der Einkommensschwelle zur Niederlassung von derzeit 66.000 Euro im Jahr auf rund 40.000 Euro. Laut einer DIHK-Umfrage sieht bereits knapp ein Drittel der Betriebe im Fachkräftemangel ein Risiko für die Geschäftsentwicklung. Dies seien doppelt so viele Unternehmen wie noch zu Jahresbeginn 2010. Besonders betroffen seien Branchen wie die Zeitarbeit, die Gesundheitswirtschaft, informationstechnische Dienstleister sowie das Baugewerbe und der Maschinenbau.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Thomas-Melber-Stuttgart

24.05.2011, 17:42 Uhr

Und sollte dann die Wirtschaft nict mehr so gut laufen oder Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden kommen die Sozialkassen für dann arbeitslosen - aber nicht rückkehrwilligen - Ausländer auf. Vielleicht sollte man auch einfach die seinerzeit abgeschlossen Anwerbeabkommen buchstabengetreu umsetzen?

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