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23.08.2016

15:58 Uhr

100 Tage Grün-Schwarz in Baden-Württemberg

Von wegen typisch grün

Grüne sind Vegetarier, und CDU-Politiker trinken Bier? Es gibt zwar kulturelle Unterschiede zwischen den Parteien. Aber in der bundesweit ersten grün-schwarzen Regierung fällt gerade so manches Vorurteil.

2. Mai 2016: Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen, M) und CDU-Fraktionschef Guido Wolf stellen den Koalitionsvertrag vor. Das gemeinsame Regieren ist für die Parteien anders als erwartet. dpa

Grün-Schwarze Koalition in Baden-Württemberg

2. Mai 2016: Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen, M) und CDU-Fraktionschef Guido Wolf stellen den Koalitionsvertrag vor. Das gemeinsame Regieren ist für die Parteien anders als erwartet.

StuttgartBeim ersten Sondierungsgespräch mit der CDU wollten die Grünen in Baden-Württemberg alles richtig machen: Für das Treffen am späten Nachmittag stellten sie Bier kalt – in der Annahme, dass CDU-Politiker gerne Bier mögen. Doch kein CDU-Mensch griff zu. „Wir haben das Bier dann später alleine getrunken“, erzählt Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand mit einem Schmunzeln. Heute regiert in Baden-Württemberg die erste grün-schwarze Landesregierung – trotz tatsächlicher und vermeintlicher kultureller Unterschiede.

Wie weit Grüne und CDU in manchen Bereichen voneinander entfernt sind, zeigte ein Zwist im Juni um das sogenannte Gendersternchen. Das Social-Media-Team der Landesregierung schrieb in Twitter von „Bürger*innen“. Die CDU Baden-Württemberg twitterte erbost zurück: „Lassen Sie bitte die Genderschreibweise in Landesregierungs-Tweets!“ Einige in der CDU fühlen sich von dem Sternchen genervt. Den Grünen ist eine geschlechtergerechte Sprache wichtig.

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Nüchternheit statt Euphorie: Die bundesweit erste grün-schwarze Landesregierung im Baden-Württemberg regiert seit 100 Tagen. Die Opposition spricht von einem Fehlstart – und hält einen Koalitionsbruch für möglich.

Ohnehin: die Sprache. Der sperrige Begriff LSBTTIQ, der Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle, Intersexuelle und Queere umfasst, kommt CDU-Politikern nur schwer über die Lippen. Umgekehrt bemerkte Kretschmann zur CDU: „Die Unionsleute reden sehr robust über innere Sicherheit.“ Die Grünen – sie hatten deutschlandweit noch nie das Innenressort inne – seien hingegen darauf bedacht, die bürgerliche Freiheit nicht einzuschränken.

Manche Unterschiede sorgen aber lediglich für Schmunzeln. Viel Heiterkeit bei den Grünen löste etwa die Party zum 60. Geburtstag von CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart aus. Dort trat Schlagersänger Tony Marshall auf. Und manche Grüne berichten, dass die Arbeitskommunikation mit den Kollegen der CDU „mindestens eine Krawatte formeller“ sei, als die Grünen es gewohnt seien. „Da wird kein Doktortitel ausgelassen.“ Aus der CDU heißt es hingegen über die Grünen, dass diese nicht ganz so gesellig seien wie sie selbst und bei Festen am Abend weniger Sitzfleisch hätten.

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