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12.06.2015

16:42 Uhr

125 Jahre Gesamtmetall

Nur eine Spur von Klassenkampf

Der Metallarbeitgeberverband feiert Jubiläum – und empfängt den Bundespräsidenten. Joachim Gauck lobt vor seinen Gastgebern vor allem die Sozialpartnerschaft. Sein Lieblingsthema streift er dabei nur am Rande.

Joachim Gauck wünscht sich bei der betrieblichen Weiterbildung für Ältere oder Geringqualifizierte „noch mehr Tatkraft und Entschlossenheit“. dpa

125 Jahre Arbeitgeberverband Gesamtmetall

Joachim Gauck wünscht sich bei der betrieblichen Weiterbildung für Ältere oder Geringqualifizierte „noch mehr Tatkraft und Entschlossenheit“.

BerlinEin bisschen wundert sich der Bundespräsident schon, dass die Feier ausgerechnet im Berliner Theater am Schiffbauerdamm stattfindet. 1893, kaum ein Jahr nach der Eröffnung, feierte dort das Stück „Die Weber“ Premiere, mit dem Gerhart Hauptmann dem schlesischen Weberaufstand ein theatralisches Denkmal setzte. In den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts brachten dann der Kommunist Berthold Brecht und sein Berliner Ensemble Sozialkritisches auf die Bühne. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall habe sich schon einen „merkwürdigen Ort“ für seine 125-Jahr-Feier gesucht, findet Joachim Gauck. Denn in diesem Theater falle einem eben doch erstmal das Wort „Klassenkampf“ ein.

Der steuerte erst auf seinen Höhepunkt zu, als sich im Jahr 1890 Vertreter der Metallverbände aus Berlin, Braunschweig, Hannover, Leipzig und Magdeburg zum Verband Deutscher Metallindustrieller zusammenschlossen. Ziel des Bündnisses damals: die Abwehr von Streiks der noch jungen Gewerkschaften organisieren.

Doch die Zeiten, als es um das Überleben in einer unbarmherzigen Gesellschaftsordnung ging, seien zum Glück lange vorbei, sagt der Bundespräsident vor den geladenen Gästen. Aus der Frontstellung von einst sei eine „gefestigte, produktive Sozialpartnerschaft“ zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften geworden, die sich seit Jahrzehnten bewährt hat.

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Obwohl keine Seite ihre Gegnerstellung je aufgegeben habe, „ist Arbeitnehmern und Arbeitgebern also das Kunststück gelungen, dass alle profitieren: die Beschäftigten, die Unternehmen und unsere Gesellschaft als Ganzes“, lobt das Staatsoberhaupt. Eigeninteressen gegen das Gemeinwohl abzuwägen, bedeute dabei oft eine schwierige Gratwanderung für beide Seiten. So sei es der IG Metall 2004 sicher nicht leicht gefallen, im Pforzheimer Abkommen Abweichungen vom Flächentarif zuzulassen. Letztlich habe diese Öffnung aber in der Krise Arbeitsplätze gesichert.

Und die Entscheidung von Gesamtmetall, auch Firmen ohne Tarifbindung eine Heimat zu bieten, stärke zwar die Gemeinschaft. Zugleich riskierten die Arbeitgeber damit aber auch „die kritische Anfrage, wofür diese Gemeinschaft steht“. Die Gewerkschaften stellen diese kritische Frage immer wieder: Sie sehen in der sogenannten OT-Mitgliedschaft in Arbeitgeberverbänden einen Hauptgrund für die fortschreitende Erosion des Flächentarifs. „Ich beneide Sie nicht um die schwierigen Kompromisse, die Sie in diesem Dilemma finden müssen“, sagt Gauck an die Adresse der Arbeitgeber.

Es ist eine der wenigen Spitzen, die sich der Präsident am Festtag erlaubt. Bei der betrieblichen Weiterbildung für Ältere oder Geringqualifizierte wünsche er sich „noch mehr Tatkraft und Entschlossenheit“, auch wenn die Metall- und Elektroindustrie jährlich die „stolze Summe“ von acht Milliarden Euro für Aus- und Weiterbildung ausgebe. Auch bei der Integration ausländischer Mitarbeiter in den Arbeitsmarkt dürfte noch mehr passieren, sagt Gauck.

Kommentare (1)

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Herr Klaus Hofer

12.06.2015, 17:51 Uhr

Die Sozialpartnerschaft stellt in der Tat ein hohes Gut dar. Gleiches gilt für die Tarif- und Unternehmensautonomie. Gleichwohl werden diese Errungenschaften, die auf einer freiheitlich verfassten Wirtschaftsordnung beruhen, zum Teil auch von denjenigen bedroht, die vorgeben, diese verteidigen zu wollen. Das verabschiedete Tarifeinheitsgesetz stellt einen ( vielleicht verständlichen ) aber im Ergebnis untauglichen Versuch dar, die überzogene Verfolgung von Partikularinteressen einzelner Beschäftigtengruppen gesetzlich zu unterbinden. Und die gesetzlich, über alle Branchen verordnete, Frauenquote ist als ein elementarer Eingriff in die Unternehmensautonomie zu werten, auch wenn sie dem derzeitigen Mainstream entspricht. Die Tarifparteien sollten sich daher in ihrem ureigensten Interesse überlegen, ob sie die Herstellung einer vermeintlichen höheren Gerechtigkeit dem Gesetzgeber überlassen.

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