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23.05.2013

14:14 Uhr

150 Jahre SPD

„Das Rückgrat der deutschen Demokratie“

Die SPD feiert sich selbst und alle Gäste feiern mit: Beim Festakt erntet die Partei viel Anerkennung – bei Bundespräsident Gauck genauso wie bei Frankreichs Staatspräsident Hollande. Es gibt aber neue Herausforderungen.

Bundespräsident Joachim Gauck spricht beim Festakt: Manchmal sei es auch gut, unpopuläre Entscheidungen zu treffen. dpa

Bundespräsident Joachim Gauck spricht beim Festakt: Manchmal sei es auch gut, unpopuläre Entscheidungen zu treffen.

LeipzigBundespräsident Joachim Gauck hat die SPD als treibende Kraft bei der Durchsetzung von Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität gewürdigt. „Es war die SPD, die auf Reform statt auf Revolution setzte. Und es war die SPD, die den mühsamen und schließlich mehrheitsfähigen Weg beschritt, das Leben der Menschen konkret Stück für Stück zu verbessern, anstatt utopische Fernziele zu proklamieren“, sagte Gauck am Donnerstag beim Festakt zum 150-jährigen Bestehen der deutschen Sozialdemokratie in Leipzig.

Unter Anspielung auf die umstrittene rot-grüne Reformagenda 2010 sagte Gauck anerkennend: „Manchmal (...) gelingt es Parteien sogar, gerade den eigenen Wählern Zumutungen aufzuerlegen, mit Entscheidungen, die bisherigen Linien oder kurzfristigen Parteiinteressen widersprechen.“ Das sei zwar parteiintern nicht populär. „Aber wir haben es erlebt: Gerade solche Entscheidungen waren oftmals verantwortungsbewusste Entscheidungen für das ganze Land.“

150 Jahre Sozialdemokratie

1863

Ferdinand Lassalle gründet am 23. Mai den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) in Leipzig.

1869

August Bebel und Wilhelm Liebknecht rufen in Eisenach die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) ins Leben.

1875

Auf einem Einigungsparteitag in Gotha schließen sich die beiden Organisationen zur Sozialistischen Arbeiterpartei zusammen.

1877

Bei der Reichstagswahl erhält die Sozialistische Arbeiterpartei 9,1 Prozent der Stimmen und 12 Sitze im Parlament.

1878

Das „Sozialistengesetz“ unter Reichskanzler Otto von Bismarck verbietet die Partei für zwölf Jahre bis September 1890. Danach wird sie in Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) umbenannt.

1891

Auf einem Parteitag in Erfurt gibt sich die SPD ein neues Programm und wird zur Massenpartei – für die Rechte von Arbeitern.

1917

Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) spaltet sich nach innerparteilichem Streit ab.

1918

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges ruft der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann am 9. November in Berlin die Republik aus. SPD und USPD bilden für kurze Zeit eine Revolutionsregierung.

1919

Nach den Wahlen zur Nationalversammlung wird der Sozialdemokrat Friedrich Ebert Reichspräsident.

1925

Die seit 1922 vereinigte Partei aus SPD und USPD gibt sich auf dem Heidelberger Parteitag ein neues Grundsatzprogramm.

1933

Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar endet die Weimarer Republik. Die Sozialdemokraten lehnen am 23. März das Ermächtigungsgesetz ab, im Juni verbietet Hitler die SPD. In der Folge werden zahlreiche Sozialdemokraten verfolgt, ermordet und in Konzentrationslagern eingesperrt.

1946

SPD und KPD werden in der sowjetischen Besatzungszone unter Druck zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) vereint.

1959

Mit dem Godesberger Programm wandelt sich die SPD im Westen von einer Klassen- zu einer pluralistischen Volkspartei.

1966

Zum ersten Mal ist die SPD in der Bundesrepublik an einer Regierung beteiligt: der Großen Koalition mit der CDU/CSU.

1969

Willy Brandt ist Bundeskanzler der SPD/FDP-Koalitionsregierung. Nach seinem Rücktritt wegen der Affäre um den DDR-Spion Günter Guillaume folgt ab 1974 Helmut Schmidt als Kanzler (bis 1982).

1989

In der DDR wird im Oktober die Sozialdemokratische Partei (SDP) in Schwante gegründet. 1990 benennt sie sich in SPD um. Die Partei ist am Übergangskabinett unter Hans Modrow (PDS) beteiligt und nach den Volkskammerwahlen am 18. März in der Regierungskoalition.

1990

West- und Ost-SPD vereinigen sich zu einer gesamtdeutschen SPD.

1998

Dritter SPD-Bundeskanzler wird Gerhard Schröder (bis 2005). Die SPD regiert mit den Grünen. Mit dem Namen Schröder sind auch die umstrittenen Arbeitsmarktreformen der „Agenda 2010“ verbunden.

2005

Vorzeitige Neuwahlen nach einer verlorenen Vertrauensfrage im Bundestag bringen das Ende der rot-grünen Koalition. Es folgt eine schwarz-rote Regierung, Franz Müntefering wird Vize-Kanzler.

2009

Die SPD kommt mit Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier auf nur 23 Prozent der Stimmen und verliert ihre Regierungsbeteiligung.

Dafür erntete die SPD auch vom französischen Präsidenten François Hollande Lob: Zum Fortschritt gehöre auch, schwierige Entscheidungen zu treffen. Dank dieser Entscheidungen sei Deutschland heute weiter als andere Länder, sagte Hollande. Es könne nicht Solides aufgebaut werden, wenn man die Augen vor der Wirklichkeit verschließe. Dieser Realismus sei ein Verdienst der SPD. „Die Sozialdemokratie hat Deutschland vorangebracht.“

Zu dem Festakt im Leipziger Gewandhaus waren 1600 Gäste aus 80 Ländern geladen - unter ihnen waren Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie die SPD-Altkanzler Gerhard Schröder und Helmut Schmidt.

Hollande mahnte gemeinsame Anstrengungen von Deutschland und Frankreich an, um Europa voranzubringen. Er warb in diesem Zusammenhang für den „Weg der Einigkeit“. Konkret machte er sich für mehr Wachstum und die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit stark. Europa müsse gemeinsam gegen Egoismus, Populismus und Nationalismus kämpfen. Es seien nämlich Sozialdemokraten gewesen, die – gemeinsam mit anderen – die europäische Einigung vorangebracht hätten, sagte Hollande weiter. Ausdrücklich bekannte er sich zur deutsch-französischen Zusammenarbeit auch als Triebkraft für Europa. „Es lebe Deutschland, es lebe Frankreich, es lebe die deutsch-französische Freundschaft“, schloss Hollande seine Rede.

Kommentare (5)

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JurisWolf

23.05.2013, 15:45 Uhr

Die SPD ein Wirbeltier ? Mit Rückrat ?

kubitzki

23.05.2013, 16:28 Uhr

SPD und Rückgrat habe ich nie festgestellt. Die Sozialverräterschaft zu revidieren, das wäre Rückgrat. Die Altparteien kann man alle vergessen! Nie wieder solche Deutschlandausverkäufer. Jetzt zählt nur noch die AfD.

Account gelöscht!

23.05.2013, 17:11 Uhr

„Das Rückgrat der deutschen Demokratie“

? Die SPD - verlogen und korrupt - ist genauso für den Mülleimer der Geschichte reif wie die FDP.

Ein Willi Brandt würde seinen heutigen "Genossen" angewidert ins Gesicht spucken.

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