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28.01.2011

09:42 Uhr

153 Euro pro Einwohner

Hamburg verdient prächtig an den Erben

VonAxel Schrinner

Die Einnahmen aus der Erbschaftssteuer fallen in den Bundesländern sehr verschieden aus. Während in Hamburg hohe Steuern gezahlt werden, gehen die Finanzminister im Osten fast leer aus. Die Gelder fließen aber in den Länderfinanzausgleich.

Hamburg hat die höchsten Einnahmen aus der Erbschaftssteuer. dpa

Hamburg hat die höchsten Einnahmen aus der Erbschaftssteuer.

DÜSSELDORF. Im abgelaufenen Jahr haben die 16 Bundesländer insgesamt 4,4 Milliarden Euro Erbschaftsteuer eingenommen. Rein rechnerisch hat damit jeder Deutsche im Schnitt 54 Euro an das Finanzamt gezahlt. Dieser Betrag wäre beispielsweise fällig geworden, wenn ein Kind von seinen Eltern 463 000 Euro oder ein Ehepartner 767 000 Euro in Form von Bargeld oder Wertpapieren geerbt hätte.

Doch bei kaum einer anderen Steuer streut das Aufkommen regional so stark, wie bei der Erbschaftsteuer. So freut sich Hamburgs Finanzsenatorin Herlind Gundelach (CDU) über immerhin 153 Euro Erbschaftsteuer von jedem Hamburger. Obwohl nur zwei Prozent der Deutschen in der Hansestadt leben, fielen dort sechs Prozent des bundesweiten Erbschaftsteueraufkommens an. Dies zeigen Daten des Bundesfinanzministeriums.

Dagegen gilt in Ostdeutschland Erbschaftsteuer fast als ein Fremdwort. Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) nahm 2010 gerade mal vier Euro pro Kopf ein. Selbst Bier- und Lotteriesteuer waren hier um ein Mehrfaches ergiebiger. Kaum besser erging es Bullerjahns Kollegen aus den anderen ostdeutschen Bundesländern: Hier betrug die Erbschaftsteuer pro Einwohner fünf bis sieben Euro; das entspricht etwa zehn Prozent des Niveaus in Westdeutschland. Nur knapp drei Prozent des gesamtdeutschen Erbschaftsteueraufkommens wurde im abgelaufenen Jahr in Ostdeutschland eingenommen.

Ostdeutschland wird noch sehr lange hinterherhinken

"Im Osten ist der Kapitalstock noch immer wesentlich kleiner als in Westdeutschland", erläuterte die Finanzexpertin des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) Kristina van Deuverden. Das Erbschaftsteueraufkommen resultiere überwiegend aus sehr großen Erbschaften, die vielfach auch Familienunternehmen und Immobilien umfassten. Und in diesen Fällen seien die Nachkommen häufig auch in derselben Region wie der Erblasser ansässig. "Vermutlich siedeln nicht gerade viele Vermögende nach Sachsen-Anhalt um", sagte van Deuverden dem Handelsblatt. Daher werde es auch noch viele Jahre dauern, bis sich das Erbschafsteueraufkommen im Osten dem Westniveau annähere.

Die Erbschaftsteuer steht allein den Bundesländern zu. Sie wird beim Erben fällig; das regionale Aufkommen hängt also nicht vom letzten Wohnort des Erblassers, sondern von dem des Erben ab.

Da die Steuereinnahmen in den Länderfinanzausgleich einfließen, profitieren über diesen Umweg aber alle Länder von der Erbschaftsteuer. Mit Hamburg, Baden-Württemberg, Bayern und Hessen liegen gerade jene vier Länder im Erbschaftsteuer-Ranking vorne, die in den Länderfinanzausgleich einzahlen. Weil sie von zusätzlichen Einnahmen nur einen Bruchteil behalten dürfen, planen die drei Südländer eine Klage gegen den Finanzausgleich vor dem Bundesverfassungsgericht.

Umgekehrt lohnt es sich wegen des Ausgleichsmechanismus für die armen Länder praktisch nicht, zusätzliche Steuereinnahmen zu generieren. So würden dem armen Saarland heute – so wie 2007 – von einer Million Euro zusätzlichem Erbschaftsteueraufkommen gerade mal 16 000 Euro selbst verbleiben. Der Rest würde anderen Bundesländern zugutekommen.

Im abgelaufenen Jahr ist die gesamte Erbschaftsteuer um 3,2 Prozent gesunken. Grund waren die Steuersenkungen, die zum Jahresbeginn 2010 in Kraft getreten waren sowie die Erbschaftsteuerreform 2008. Für die kommenden Jahre erwartet der Arbeitskreis Steuerschätzung einen kontinuierlichen Anstieg der Einnahmen.

Kommentare (1)

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norbert

28.01.2011, 11:22 Uhr

Es ist eine Frechheit, bereits versteuertes Geld noch einmal zu besteuern.
Weder Erbe noch Vererbender haben die Geldübergangssituation ausgesucht.

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