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17.04.2014

18:25 Uhr

2015

Wohngeld für Geringverdiener soll steigen

2009 wurde das Wohngeld zuletzt erhöht. Im kommenden Jahr soll es wieder so weit sein. Verantwortlich dafür: der geplante gesetzliche Mindestlohn. Dieser wird wohl für eine Zunahme der Wohngeldberechtigten sorgen.

Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) will 2015 eine Erhöhung des Wohngelds durchsetzen. dpa

Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) will 2015 eine Erhöhung des Wohngelds durchsetzen.

BerlinBundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) hat für 2015 eine Erhöhung des Wohngeldes für Geringverdiener in Aussicht gestellt. Diese hängt mit der Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohnes von 8,50 Euro zusammen. In der „Rheinischen Post“ (Donnerstag) erläuterte Hendricks, wegen des Mindestlohns würden mehr private Haushalte aus der Hartz-IV-Grundsicherung in den Wohngeldanspruch wechseln. „Der Kreis der Wohngeldberechtigten wird also wachsen“, sagte die Ministerin. Der Deutsche Mieterbund begrüßte die geplante Erhöhung als „überfällig“, wertete sie aber als nicht ausreichend.

Genauere Angaben über die Höhe der Anhebung machte sie nicht. Zuletzt war das Wohngeld 2009 erhöht worden. Damals stieg es von im Schnitt 90 Euro auf 142 Euro im Monat. „Die Erhöhung des Wohngelds soll möglichst zum 1. April 2015 wirksam werden“, sagte Hendricks. „Die ersten Verhandlungen mit den Ländern haben schon begonnen, denn die Länder müssen 50 Prozent zum Wohngeld beitragen.“

Wichtige Fragen zum Wohngeld

Wozu dient Wohngeld?

Mit dem Wohngeld erhalten einkommensschwächere Haushalte von Bund und Ländern einen Zuschuss zu den Wohnkosten, damit die Mieter in angemessenen und familiengerechten Wohnungen leben können. Das Wohngeld ist ausschließlich als Zuschuss zur Miete oder Belastung gedacht und nicht als Hilfe zum Lebensunterhalt.

Wer ist antragsberechtigt für einen Mietzuschuss?

- Mieter von Wohnraum (Wohnung oder Zimmer, egal ob Neu- oder Altbau).

- Bewohner eines Heimes

- Eigentümer eines Mehrfamilienhauses, die selbst in dem Haus wohnen.

Antragsberechtigt für einen Lastzuschuss sind...

... Eigentümer eines Eigenheims oder einer Eigentumswohnung.

... Eigentümer einer Kleinsiedlung.

... Eigentümer einer landwirtschaftlichen Nebenerwerbsstelle.

Wie wird das Mindesteinkommen berechnet?

Beim Errechnen gilt eine Faustregel: Addiert werden Warmbruttomiete, Individualbedarfe sowie Mehrbedarfe und die Beiträge zur Vorsorge.

Was sind Gründe für eine staatliche Förderung?

- Die Höhe des Gesamteinkommens, das beim ersten zu berücksichtigen Haushaltsmitglied 60.000 Euro beträgt. Für jede weitere Person des Haushalts sind es 30.000 Euro.

- Die Zahl der zum Haushalt gerechneten Personen.

- Die Höhe der Miete.

Welche Unterlagen müssen in den Antrag?

- Einkommensnachweise und Bescheide über Leistungen.

- Verdienstbescheinigung zum Antrag auf Wohngeld.

- Erhöhte Werbungskosten sind laut Steuerbescheid nachzuweisen.

- Aktuelle Rentenbescheide.

- Bescheide über Leistungen nach dem Arbeitsförderungsgesetz (Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe, Unterhaltsgeld etc.).

- Nachweis über Krankengeld,

- Letzter Steuerbescheid (für Selbständige/Gewerbetreibende).

2013 hatten 750 000 Haushalte Wohngeld bekommen. Die Ausgaben dafür beliefen sich auf rund eine Milliarde Euro. In der mittelfristigen Finanzplanung sind nun vonseiten des Bundes 630 Millionen Euro eingestellt. Mit dem gleich großen Anteil der Länder würden sich die geplanten Ausgaben für Wohngeld auf 1,26 Milliarden Euro belaufen. Allerdings sind derzeit noch keine genaueren Angaben zum Umfang der Erhöhung machbar.

Im Ministerium von Hendricks hieß es am Donnerstag, die Berechnungen seien noch nicht endgültig abgeschlossen. Man gehe grundsätzlich davon aus, dass es für die künftigen Wohngeldempfänger nicht nur eine Erhöhung geben werde, sondern dass sich auch deren Kreis ausweiten werde. Ähnliche Effekte habe es auch bei der letzten Erhöhung 2009 gegeben.

Es wird erwartet, dass die Entscheidung noch im Laufe dieses Jahres fällt.

Der Direktor des Deutschen Mieterbundes (DMB), Lukas Siebenkotten, erklärte in einer Mitteilung: „Gut, dass die Bundesregierung jetzt die Wohngeldreform anpackt.“ Es werde aber nicht ausreichen, wenn nur die Leistungshöhe und die Miethöchstbeträge an die Bestandsmieten und Einkommensentwicklung angepasst werden. „Wichtig ist, dass die Energie- und Heizkosten beim Wohngeld endlich wieder berücksichtigt werden.“ Nötig sei auch eine Dynamisierung des Wohngeldes, damit nicht alle fünf Jahre wieder eine endlose Diskussion über die Erhöhung des Wohngeldes geführt werden müsse.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

17.04.2014, 19:59 Uhr

Wenn das Wohngeld erhöht wird, können die Vermieter ja gleich parallel dazu die Mieten erhöhen.

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