Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.07.2015

07:53 Uhr

25,25 Meter Länge

NRW und Baden-Württemberg testen Riesenlaster

Noch sind sie testweise unterwegs: Bis zu 25,25 Meter lange Riesenlaster dürfen schon heute auf mehr als der Hälfte aller Autobahnen fahren. Jetzt kommen weitere Strecken dazu.

Der mehr als 25 Meter lange Riesenlaster besteht aus einer Sattelzugmaschine, einem Sattelauflieger und einem zusätzlichen Anhänger und soll bis zu 60 Tonnen transportieren können. dpa

„Gigaliner“

Der mehr als 25 Meter lange Riesenlaster besteht aus einer Sattelzugmaschine, einem Sattelauflieger und einem zusätzlichen Anhänger und soll bis zu 60 Tonnen transportieren können.

BerlinDer umstrittene Test mit Riesenlastern wird auf neue Straßen ausgeweitet. Die überlangen Transporter dürfen von diesem Mittwoch an auf rund 90 zusätzlichen Streckenabschnitten fahren, wie die Deutsche Presse-Agentur vorab aus dem Bundesverkehrsministerium erfuhr. An dem Feldversuch mit Riesenlastern sind mit der Ausweitung zwölf Bundesländer beteiligt, neu dabei sind Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Die entsprechende Verordnung soll am Nachmittag mit der Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft treten.

Den Angaben zufolge sind derzeit 45 Unternehmen mit 119 Lang-Lkws an dem Feldversuch beteiligt, der noch bis Ende 2016 läuft. Sie dürfen je nach Variante bis zu 25,25 Meter messen – bis zu 6,50 Meter mehr als sonst zulässig. Damit können zwei Riesenlaster die Ladung von drei herkömmlichen transportieren. Die Bundesregierung erhofft sich davon Vorteile etwa für Automobilzulieferer, die Lebensmittelbranche oder Paketdienste.

Das 10-Punkte-Programm für mehr Investitionen

Wer die Vorschläge erarbeitet hat

Die von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) berufene Expertenkommission hat einen Zehn-Punkte-Plan für mehr öffentliche und private Investitionen in Deutschland vorgelegt. Die Gruppe setzt sich aus 21 Repräsentanten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gewerkschaften zusammen. Geleitet wird sie vom Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher.

Selbstbindung des Staates für mehr Investitionen

Der Staat sollte sich haushaltsrechtlich verpflichten, mindestens in der Höhe zu investieren, wie sein Vermögen, etwa Straßen oder Gebäuden, Jahr für Jahr abgenutzt werden. Der Bund sollte sich zudem festlegen, unerwartete Überschüsse vorrangig für Investitionen zu nutzen. Neue Spezialinstitute sollen den Staat dabei unterstützen.

Kommunales Iprogramm

Für die Kommunen soll es einen „Nationalen Investitionspakt“ geben. Über den sollen in den nächsten drei Jahren zusätzliche kommunale Investitionen von mindestens 15 Milliarden Euro fließen.

Unterstützung von strukturschwachen Kommunen

Beratend unterstützt werden sollen strukturschwache Gemeinden und Städte durch eine „Infrastrukturgesellschaft für Kommunen“ (IfK). Zudem sollen Kooperationen mit anderen Kommunen und mit öffentlichen Firmen weiterentwickelt werden.

Private Gelder für Kommunen

Bei der Entscheidung zwischen öffentlicher und privater Finanzierung von Investitionen der Kommunen soll die jeweils effektivste und günstigste Lösung gewählt werden. Eine Option ist ein öffentlicher Infrastrukturfonds von Bund und Ländern, an dem sich institutionelle Investoren wie Versicherungen und Pensionsfonds beteiligen können. Eine zweite ist die eines Bürgerfonds, über den Sparer Geld anlegen können. Dieses flösse dann risikomindernd in ein Bündel von Investitionsvorhaben - womöglich noch gefördert über die Arbeitnehmersparzulage.

Verkehrsgesellschaft auf Bundesebene

Langfristig soll eine öffentliche Infrastrukturgesellschaft für Bundesfernstraßen geprüft werden. Sie wäre für den Bau und Betrieb der Fernstraßen zuständig und würde sich überwiegend über Maut-Gebühren finanzieren und selbst Kredite - aber ohne Staatsgarantie - aufnehmen können. Eine Privatisierung von Autobahnen ist damit aber nicht vorgesehen.

Allgemeine Rahmenbedingungen in Deutschland

Die Kommission plädiert in Deutschland für mehr Investitionen in Qualifikation und Bildung, den Bürokratieabbau, eine effektive Finanzmarktregulierung sowie die Nachwuchssicherung von Fachkräften - auch mit Hilfe von Zuwanderung.

Innovationen in Unternehmen

Das Ziel von drei Prozent Anteil der Ausgaben von Forschung und Entwicklung an der Wirtschaftsleistung wird als zu niedrig angesehen. Die Kommission schlägt 3,5 Prozent vor. Zudem sollen bei der Finanzierung von Investitionen Eigenkapital und Fremdkapital steuerlich gleich behandelt werden. Eine generelle Steuersenkung soll das für Unternehmen nicht mit sich bringen.

Energie

Hier sieht die Kommission einen Investitionsbedarf von über 30 Milliarden Euro jährlich bei den privaten Anbietern für Netze, Erzeugung und Energieeffizienz bis 2020.

Juncker-Plan

Die Kommission begrüßt den Investitions-Förderplan von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Sollte er sich als erfolgreich erweisen, sollte er dauerhaft weiterverfolgt werden. Das bedeute aber auch eine höhere Kapitalausstattung.

„Mein Ziel ist es, nach Abschluss des Feldversuchs mit den Lang-Lkws in den Regelbetrieb zu gehen“, bekräftigte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Kritiker haben Sicherheitsbedenken oder befürchten eine Verlagerung von Gütertransporten von der Schiene auf die Straße. Ein Zwischenbericht der Bundesanstalt für Straßenwesen, die den Test seit Anfang 2012 wissenschaftlich begleitet, hatte im September vergangenen Jahres aber keine gravierenden Probleme festgestellt.

Bisher dürfen die Riesenlaster auf rund 10 150 Kilometern Straße unterwegs sein. Zum Netz gehören bereits mehr als die Hälfte der deutschen Autobahnen. Komplett beteiligen sich Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen. Bremen hat die Autobahnen freigegeben, Mecklenburg-Vorpommern einzelne Abschnitte. Lückenschlüsse über das Autobahnnetz gibt es in Sachsen-Anhalt und auch schon in Baden-Württemberg.

Die Stuttgarter Landesregierung hat viele weitere Strecken angemeldet. NRW lässt nun im ganzen Land eine 17,80-Meter-Variante der Riesenlaster fahren, sperrt sich aber weiterhin gegen die 25,25 Meter langen Fahrzeuge.

Von

dpa

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Teito Klein

22.07.2015, 11:21 Uhr

Giga-Liner, wer braucht sie?
------------------------
Jetzt werden immer mehr Strecken für diese Riesenlaster freigegeben.
Was ist, wenn sie auf einen Streckenabschintt kommen, der nicht für sie freigegeben ist?
Oder wenn sie die Autobahn verlassen? Dürfen sie dort auch fahren?

Ich freue mich schon auf die "Elephantenrennen".

Herr Wolfgang Trantow

22.07.2015, 18:46 Uhr

"Experten" testen immr mehr die Riesenlaster. Dafür werden auch immer mehr Kreisverkehre gebaut, die man gerade noch mit PKWs umrunden kann. Das ist Fortschritt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×