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08.11.2014

23:56 Uhr

25 Jahre Mauerfall

Erich Honecker stürzt, Krenz kommt an die Macht

Der letzte SED-Chef Egon Krenz sagt, er wollte im Herbst 1989 eine Wende in der DDR einleiten. Dann fiel die Mauer. Über Geschichte beschwert man sich nicht, sagt der einstige Spitzenfunktionär heute.

Erich Honecker am 8. Oktober 1989 während der Feierlichkeiten anläßlich des 40jährigen Bestehens der DDR. dpa

Erich Honecker am 8. Oktober 1989 während der Feierlichkeiten anläßlich des 40jährigen Bestehens der DDR.

BerlinDie Stimmung muss gespenstisch gewesen sein. In der SED-Führungsriege tobt ein erbitterter Machtkampf, draußen im Land brodelt es. Überraschend trifft sich das Zentralkomitee der SED am 18. Oktober 1989 zu einer Sondersitzung. DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker wird gezwungen, seinen Rücktritt zu verlesen. Der 77-Jährige bittet um Entbindung von sämtlichen Ämtern aus gesundheitlichen Gründen. Honecker schlägt Egon Krenz als seinen Nachfolger vor und geht vorzeitig. Er lässt sich in die Schorfheide zur Jagd fahren.

Auch die Politbüro-Mitglieder Günter Mittag, zuständig für Wirtschaft, und Joachim Herrmann, verantwortlich für Agitation und Medien, verlieren an diesem Tag ihre Ämter. Damit ist das alte Machtzentrum um Honecker zerschlagen. Egon Krenz - einstiger Kronprinz Honeckers - übernimmt das SED-Spitzenamt.

Noch am Abend des 18. Oktober verkündet Krenz im DDR-Fernsehen eine „Wende“ und räumt ein: „Fest steht, wir haben die gesellschaftliche Entwicklung in unserem Lande nicht real genug eingeschätzt und nicht die richtigen Schlussfolgerungen gezogen.“ Das wird ihm auch in Zukunft nicht gelingen. Schon wenige Wochen nach dem Mauerfall, am 3. Dezember 1989, tritt das Politbüro des SED-Zentralkomitees mit Krenz an der Spitze geschlossen zurück.

Die „Wende“, sie hatte aus Sicht von Krenz ein klares Ziel: „Ich bin angetreten, um die DDR als souveränen Staat zu erhalten“, sagt der heute 77-Jährige im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Dass es damals um das Ende des Arbeiter- und Bauernstaates gehen würde, daran hätten im Oktober 1989 weder Politiker der Bundesrepublik noch der DDR gedacht.

Doch kam das Ende tatsächlich so überraschend? Als Krenz an die Spitze von Staat und Partei aufsteigt - am 24. Oktober wird er auch Staatsratsvorsitzender -, haben schon Zehntausende DDR-Bürger das Land verlassen. Immer mehr Menschen gehen auf die Straße, um Freiheit und Demokratie zu fordern. Doch die Führung stellt sich taub.

Es sei damals „eine Sprachlosigkeit“ im SED-Politbüro entstanden, das während Honeckers Krankheit bis Anfang Oktober von Mittag geleitet wurde, räumt Krenz, der heute im Ostseebad Dierhagen lebt, im Rückblick ein. „Dieses Politbüro wollte die tatsächliche Lage nicht zur Kenntnis nehmen. Dagegen haben sich manche gewehrt, aber leider nicht erfolgreich.“

Allerdings: Krenz gehörte selbst zum engsten Machtzirkel. Heute sagt er, er sei „in der ganz schwierigen Situation nicht vor Ort“ gewesen. Honecker habe ihn in den Urlaub geschickt. Von dort habe er in einem Brief an Honecker einen Dialog mit der Bevölkerung angemahnt. Das Papier sei später unkommentiert zurückgekommen.

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