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30.06.2011

19:28 Uhr

3,2 Milliarden für Athen

Koalition feiert die deutschen Banken

Die deutschen Banken beteiligen sich mit mehr als drei Milliarden Euro am Hilfspaket für Athen. Die Regierung lobt die Institute in den höchsten Tönen. Obwohl massive Abschreibungen und ein Veto der Ratingagenturen drohen.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Finanzminister Wolfgang Schäuble. Quelle: dpa

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Finanzminister Wolfgang Schäuble.

BerlinSolche Töne sind Musik in den Ohren ansonsten viel gescholtener Banker. Die Beteiligung deutscher Banken und Versicherungen an Hilfen für das hoch verschuldete Griechenland ist in der Koalition auf große Zustimmung gestoßen. Damit steigt die Chance auf die Billigung eines neuen Rettungspakets im Bundestag in der kommenden Woche.

„Gemessen an der Laufzeit der Griechenland-Anleihen und daran, was deutsche Banken halten, ist das für mich eine substanzielle Beteiligung“, sagte der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Michael Meister. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle verwies auf Anleihen im Wert von zehn Milliarden Euro, die von deutschen Geschäftsbanken und Versicherungen gehalten werden. „Ein Drittel halte ich schon für einen substanziellen Beitrag", betonte der ehemalige Wirtschaftsminister. Wenn es am Ende aber noch mehr werde, freue er sich natürlich darüber.

Der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Flosbach, bezeichnete die von Finanzminister Wolfgang Schäuble auf 3,2 Milliarden Euro bezifferte Beteiligung als „sehr gutes Signal“. Er fügte hinzu: „Damit ist eine wichtige Voraussetzung erfüllt, neuen Finanzhilfen für Griechenland zuzustimmen.“ FDP-Fraktionsvize Volker Wissing sagte Reuters: „Es ist gut, dass sich die Gläubiger ihrer Verantwortung stellen.“ Für die Eurozone sei dieser freiwillige Schritt sehr wichtig.

Auch CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt begrüßte die Beteiligung der Banken und Versicherungen. „Mit der freiwilligen Gläubigerbeteiligung ist eine entscheidende Forderung aus dem Entschließungsantrag der Koalitionsfraktionen erfüllt und eine wichtige Voraussetzung für ein weiteres Hilfspaket gegeben.“ Die Einigung gehe in die richtige Richtung.

Brüderle lobte Schäuble ausdrücklich, dass ihm eine Beteiligung privater Gläubiger auf freiwilliger Basis gelungen sei. Die Umsetzung der französischen Idee zum Austausch auslaufender Anleihen sei ein richtiger Ansatz. Bei dem französischen Modell investieren Gläubiger rund die Hälfte der auslaufenden Griechen-Bonds wieder in neue, länger laufende Papiere. Dadurch bekommt Griechenland mehr Zeit für die Rückzahlung und damit finanziell mehr Luft.

Das Bundesfinanzministerium und deutsche Banken haben sich auf eine freiwillige Gläubigerbeteiligung an einem zweiten Hilfspaket für Griechenland verständigt. Der Beitrag belaufe sich auf insgesamt 3,2 Milliarden Euro, teilte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Donnerstag in Berlin mit.

Die Banken seien direkt mit zehn Milliarden Euro in griechischen Staatsanleihen engagiert. Sie sollen nun Anleihen freiwillig verlängern. Zusätzlich hat die staatlichen Förderbank KfW bislang Kredite über 8,4 Milliarden Euro an Athen als Teil der deutschen Griechenland-Hilfen ausgezahlt.

Eine komplett freiwillige Einbindung der Privatgläubiger ist wichtig, damit Rating-Agenturen diese Maßnahme nicht als Zahlungsausfall bewerten. Dies würde die Schuldenkrise in der Euro-Zone dramatisch verschärfen. Schäuble und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann betonten, letzte Details würden bis Sonntag geklärt werden. Ackermann hatte zuvor gewarnt, dass eine Lösung aus Bankensicht wasserdicht sein müsse, um eine drohende zweite große Finanzkrise wie 2008 nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers zu verhindern.

Kommentare (32)

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MIRO

30.06.2011, 16:30 Uhr

Was soll denn diese lachnummer. 3,2 Milliarden freiwillige
Zusage zur Rettung Griechenlands? Das bezahlen die doch aus der Portokasse.Oder wie ein früherer Bänker der Deutschen
Bank einmal im Fernsehen sagte, das sind doch Pinats.
Wie viele Milliarden, haben den die deutschen Banken an Griechenland verdient ?3,2 Milliarden, dieser Betrag ist geradezu eine Beleidigung .

Kackbolzen

30.06.2011, 17:04 Uhr

Und wieviel Milliarden hat die DB an Boni an ihre korrupten Angestellten ausgelobt?

Franke

30.06.2011, 17:04 Uhr

wie naiv doch immernoch die verlogene politik ist. schäuble läßt sich mit 3 mrd. euro abspeisen und erzählt dem ökonomisch ungebildeten volk etwas von freiwilliger beteiligung der banken; so ein unsinn....der schuldenschnitt muss her und vorallem sollte griechenland zusehen, dass es wettbewerbsfähiger wird. also entweder runter mit den löhnen, massiv. oder aus dem euro raus und extern abwerten... dann müssten die löhne im land nicht so stark sinken....aber zum thema wettbewerbsfähigkeit hört man gar nix....daher wird griechenland weiterhin viel geld verbrennen und nix wird besser...die haben ja gar keinen anreiz aus dem euro auszutreten, weil sie hier ja mit geld zugemüllt werden....gegen aberwitzige bedingungen, die dem land nicht weiterhelfen sondern nur als pseudo-beitrag zur täuschung der öffentlichkeit dienen.....


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