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16.05.2017

09:18 Uhr

35-Stunden-Woche

Darf es ein bisschen mehr sein?

VonFrank Specht

Die 35-Stunden-Woche wurde hart erkämpft – und ist in der Metall- und Elektroindustrie doch längst nicht mehr die Regel. Das zeigt eine Befragung der Beschäftigten. Warum ein Aufschrei der Gewerkschaft dennoch ausbleibt.

Metaller mit Fahnen ihrer Gewerkschaft: Eine generelle Arbeitszeitverkürzung ist kein Thema mehr. dpa

IG Metall

Metaller mit Fahnen ihrer Gewerkschaft: Eine generelle Arbeitszeitverkürzung ist kein Thema mehr.

BerlinDie 35-Stunden-Woche feiert die IG Metall bis heute als einen ihrer größten Erfolge. Mit mehrwöchigen Streiks unter dem Logo der lachenden gelben Sonne erkämpfte die Gewerkschaft vor mehr als 30 Jahren den Einstieg in eine schrittweise Arbeitszeitverkürzung. Seit 1995 gelten in der westdeutschen Metall- und Elektroindustrie die 35 Stunden. Soweit die Theorie.

Denn in der Praxis haben heute 45 Prozent der Beschäftigten der Branche einen Vertrag, der eine längere Arbeitszeit vorsieht. Ein knappes Viertel arbeitet gar 40 Stunden oder länger. Das zeigt die Beschäftigtenbefragung zum Thema Arbeitszeit, deren Ergebnis die IG Metall jetzt veröffentlicht hat.

Mit diesen Sofortmaßnahmen meistern Sie Rückschläge

1. Keine Panik!

Egal, wie schwer Ihre Krise auch sein mag, reagieren Sie nicht panisch auf die aktuelle Situation. Kurzschlussreaktionen lassen aus lösbaren Problemen kapitale Katastrophen entstehen. Lassen Sie sich nicht von Ihren Emotionen zu unüberlegtem Handeln verleiten. Panik ist kein guter Ratgeber. Stattdessen: Einatmen, ausatmen, weiterleben!

2. Ist-Situation analysieren!

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem Sie Ihre rosarote Brille absetzen müssen. Schluss mit dem Selbstbetrug! Nur ein schonungsloser Realitätscheck kann Sie weiterbringen. Hören Sie auf, anderen die Schuld zu geben. Verlassen Sie die Opferrolle und übernehmen Sie Verantwortung. Nur so werden Sie zum Steuermann Ihres Krisenkahns.

3. Kraft tanken!

In herausfordernden Zeiten ist es besonders wichtig, gut zu sich selbst zu sein. Unabhängig davon, wie viel Arbeit zu leisten ist oder welche Probleme es zu meistern gilt: Nehmen Sie sich Zeit, um neue Kraft zu sammeln. Machen Sie Musik, meditieren Sie, lassen Sie sich verwöhnen. Gerade jetzt! Auch wenn andere es vielleicht nicht verstehen können, tun Sie es trotzdem! Tanken Sie körperliche und geistige Energie. Sie werden sie brauchen.

4. Verbündete suchen!

Machen Sie nicht den Fehler und verfallen Sie in eine Macho-Attitüde wie "Ich bin da allein reingekommen, ich komm da allein auch wieder raus." Sie brauchen Menschen an Ihrer Seite, die Sie als "Förderer und Forderer" unterstützen. Förderer helfen Ihnen, Ihr angeknackstes Selbstwertgefühl wieder aufzubauen. Sie brauchen aber auch Forderer! Das sind diejenigen, die Ihnen notfalls in den Hintern treten, wenn Sie nicht ins Handeln kommen. Lassen Sie sich von Profis helfen, die sich mit Ihrem Dilemma auskennen. Seien Sie ehrlich zu sich selbst und sagen Sie: "Ich brauche Hilfe." Ab diesem Moment können Fachleute erst eingreifen, um Sie erfolgreich zu unterstützen.

5. Lösungen erarbeiten!

Erstellen Sie einen Plan, der Sie aus Ihrer Misere herausholen soll. Schreiben Sie glasklar auf, welche Schritte Sie kurz-, mittel- und langfristig durchführen wollen, damit Sie den Turnaround schaffen. Lassen Sie Ihren Plan von Verbündeten und Profis analysieren. Vergessen Sie bitte nicht: Beim letzten Mal hatten Sie sich auch alles vorher ausgemalt, und es hat trotzdem nicht funktioniert! Daher ist es überaus wichtig, dass Sie es diesmal besser machen. Feedback und Input von außen sind dabei sehr hilfreich.

6. Gas geben!

Nachdem sich die Panik gelegt hat, Sie Kraft getankt und sich Hilfe besorgt haben, ist es nun an der Zeit, ins Handeln zu kommen. Setzen Sie Ihren Plan um. Seien Sie diszipliniert: Bleiben Sie am Ball und seien Sie hart zu sich selbst. Denken Sie immer daran: Sie können Ausreden erfinden oder erfolgreich sein - beides zur gleichen Zeit geht nicht!

7. Erfolge feiern und dankbar sein!

Festigen Sie Ihre Selbstwirksamkeitsüberzeugung, indem Sie kleine und große Erfolge zelebrieren - es muss ja nicht gleich eine Magnum-Flasche Schampus sein. Gönnen Sie sich schöne Momente mit Ihrer Familie oder Ihren Freunden. Bei allen Sorgen, die Rückschläge mit sich bringen, ist es überaus wichtig, Lebensfreude zu verspüren. Diese gibt Ihnen Energie und die Sicherheit, dass sich das Kämpfen lohnt! Und wenn Sie Ihren Frust und Ihre Niederlagen erfolgreich überwunden haben, vergessen Sie nicht, dankbar zu sein, denn Dankbarkeit ist der Schlüssel zu einem erfüllten Leben.

Quelle

Rolf Schmiel

Senkrechtstarter – Wie aus Frust und Niederlagen die größten Erfolge entstehen

Campus Verlag; Auflage: 1 (10. September 2014)
ISBN-10: 3593500086
ISBN-13: 978-3593500089

An vielen Ecken sei es den Arbeitgebern in den letzten Jahren gelungen, „unsere erfolgreiche Arbeitszeitpolitik der Arbeitszeitverkürzung“ durch „Mehrarbeits-, Schicht- und Wochenendzuschläge aufzuweichen“, kritisiert IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. Und spricht gleichzeitig einen wunden Punkt an. Denn die Mehrarbeit zahlt sich für die Metaller im Portemonnaie aus. Das ist auch ein Grund dafür, dass die tatsächlich geleistete Arbeitszeit teils deutlich über die vertraglich vereinbarte hinausgeht.

Die 35-Stunden-Woche gilt nur in Westdeutschland, im Osten sieht der Flächentarif noch eine Arbeitszeit von 38 Wochenstunden vor. Den Versuch einer Angleichung musste die IG Metall 2003 nach wochenlangen ergebnislosen Streiks aufgeben, eine der größten Niederlagen ihrer Geschichte.

Aber auch im Westen arbeiten heute mehr als drei von zehn Beschäftigten länger als 35 Stunden. Hofmann führt dies unter anderem auf Öffnungsklauseln in den Tarifverträgen zurück, die die Unternehmen verstärkt in Anspruch nehmen.  So kann etwa die Arbeitszeit mit Zustimmung des Arbeitnehmers auf bis zu 40 Stunden ausgedehnt werden, im Regelfall allerdings maximal für 18 Prozent der Beschäftigten eines Betriebs.

Achtsamkeit am Arbeitsplatz

Machen Sie nur eine Sache

Im Arbeitsleben liegen für viele Menschen die größten Herausforderungen des Alltags. Umso wichtiger ist es, dort achtsam zu sein. Konzentrieren Sie sich nur auf eine Sache! Vermeiden Sie Multitasking und entschließen Sie sich, Ihre Aufmerksamkeit voll und ganz der jeweiligen Tätigkeit zu widmen, egal, wie profan sie Ihnen auch erscheinen mag.

(Quelle: Jan Thorsten Eßwein, Achtsamkeitstraining)

Halten Sie Pausen ein

Machen Sie Pausen, in denen Sie wirklich regenerieren? Natürlicherweise pendelt unser Organismus zwischen Phasen von Aktivität und Ruhe. Wenn Sie eine Katze oder einen Hund beobachten, können Sie diese Zyklen deutlich erkennen. Beim Menschen sinken gerade am frühen Nachmittag die für Wachheit zuständigen Hormone ab. Um diese Zeit zu ruhen oder langsamer zu werden ist also eine ganz natürliche Regung. Akzeptieren Sie die Tatsache, dass Sie Erholungspausen brauchen. Bemerken Sie Ihr Bedürfnis nach Ruhe, und erforschen Sie verschiedene Strategien, um dem gerecht zu werden. Gönnen Sie sich einmal am Tag eine echte Pause.

Gehen Sie mal raus

Verlassen Sie außerdem während der Mittagspause Ihren Arbeitsplatz, um zu essen, bewegen Sie sich an der frischen Luft, nehmen Sie sich eine kurze Zeit, um für sich zu sein. Sie werden sehen, dass Sie nach einer solchen Pause auch wieder leistungsfähiger sind.

Minus-10%-Modus

Einen Gang zur Toilette kann Ihnen niemand verwehren. Nutzen Sie diese alltägliche Gelegenheit für eine kleine Gehmeditation im Minus-10%-Modus. Ihr Zielort ist ein (fast) perfekter Übungsraum: Sie sind dort ganz für sich und keiner wird Sie stören, wenn Sie ein paar Minuten verweilen. Machen Sie eine „Atempause“ oder eine kurze Körperübung im Stehen. Es kann erfrischend sein, sich im Anschluss das Gesicht oder die Unterarme zu waschen.

Tun Sie sich Gutes

Auf Ihre körperlichen Bedürfnisse zu achten ist wichtig, um die Verbindung von Körper und Geist wiederherzustellen. Geben Sie insbesondere Ihren Grundbedürfnissen wie Hunger, Durst oder dem Drang, zur Toilette zu gehen, eine hohe Priorität.

Holen Sie sich Hilfe

Andauernde Spannungen und Konflikte mit dem Chef oder Kollegen können eine starke Belastung für die körperlich-seelische Gesundheit darstellen. Scheuen Sie sich nicht, in einer solchen Situation die professionelle Hilfe eines Coachs oder Mediators in Anspruch zu nehmen.

Die Befragung der IG Metall zeigt aber auch, dass sieben von zehn und damit eine deutliche Mehrheit der Beschäftigten mit ihrer Arbeitszeit zufrieden sind – vor allem in Unternehmen, in denen Tarifverträge gelten. Für Unmut sorgen neben überlangen Arbeitszeiten vor allem regelmäßige Wochenendarbeit oder unvorhergesehene Schichtwechsel. Planbare Arbeitszeiten tragen entscheidend mit zur Zufriedenheit der Beschäftigten bei, wie auch die Möglichkeit, kurzfristig für ein paar Stunden gehen zu können, um zum Beispiel das kranke Kind aus der Kita abzuholen.

Kommentare (4)

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Herr Hans-Jörg Griesinger

16.05.2017, 09:58 Uhr

Die meisten Vollzeitarbeitsverhältnisse sind auf eine 40 Stunden Woche vereinbart. Von einer 35-Stunden-Woche können die meisten Vollzeitbeschäftigten nur träumen. Dazu kommen bei vielen, vielen Arbeitnehmern oft noch jede Menge anfallender Überstunden, die gerade im Handwerk oder kleineren Betrieben nicht vergütet oder über Freizeit ausgeglichen werden z..B. im Handwerk (Bäcker, Metzger) Pflege- und Reinigungspersonal, im Einzelhandel Beschäftigte können davon ein Lied singen. Harte körperliche Arbeit, zudem meistens schlecht entlohnt, Schicht-, Nacht- und Wochenend- Feiertagsarbeit inklusive.

Herr Hans-Jörg Griesinger

16.05.2017, 10:01 Uhr

Wie passen eigentlich Arbeitszeitverlängerung, Überstunden bei gleichzeitig ca. 5 Mio. Erwerbslosen, Digitalisierung der Arbeitswelt und damit Wegfall millionenfacher Vollzeitarbeitsplätze, inkl. Massenzuwanderung von Ausländern, überhaupt zusammen?

Herr Holger Narrog

16.05.2017, 10:03 Uhr

In den 70er- 80er Jahren gab es die Arbeitsplatzuntergangssaga der Gewerkschaften, Politiker und "Wissenschaftler". Man meinte durch Rationalisierung würden jährlich X% der Arbeitsplätze verloren gehen. Deshalb müsse die Arbeit besser verteilt werden. Dies wurde in Deutschland von der IG Metall und in Frankreich vom Staat realisiert. Realität: In der Schweiz wird 40 - 42h/Woche gearbeitet mit dem Ergebnis das die Arbeitslosigkeit halb so hoch ist wie in D.

Die Schwachstelle dieser Ideologie ist das die linken "Wissenschaftler" keine Dynamik in ihren Modellen erlaubt haben. Ähnlich der ökoreligiösen Weltuntergangskatastrophen "Endliche Rohstoffe" und "Klimawandel" hat man rein statische Modelle kreiiert die dann von der Realität überholt wurden.

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