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28.01.2012

13:31 Uhr

350.000 Euro pro Jahr

Gehalt von Kassenarzt-Chef sorgt für Aufruhr

Das 350.000-Euro-Gehalt von Kassenarztchef Andreas Köhler sorgt für Streit: Die Bundesregierung fordert eine Begrenzung der Summe, Vertreter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung lehnen dies Medien zufolge aber ab.

Andreas Köhler verdient als KBV-Chef mehr als die Kanzlerin. dpa

Andreas Köhler verdient als KBV-Chef mehr als die Kanzlerin.

BerlinZwischen Bundesregierung und Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) gibt es Streit um das Jahresgehalt des KBV-Chefs Andreas Köhler von 350.000 Euro. Die Vertreterversammlung, das Parlament der KBV, hatte Köhler nach internen Verhandlungen im vergangenen Frühjahr eine Gehaltserhöhung um rund 90.000 Euro eingeräumt und es in geheimer Sitzung jetzt abgelehnt, die Jahresgehälter der KBV-Spitzen wieder zu begrenzen,
berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“/Samstag). Das Gehalt des Spitzenvertreters dieser Körperschaft des öffentlichen Rechts liegt somit oberhalb des Einkommens der Bundesminister und der Bundeskanzlerin.

Der Vorschlag zur Begrenzung war aus dem von Daniel Bahr (FDP) geleiteten Gesundheitsministerium gekommen. Im Ministerium herrscht dem Vernehmen nach Kopfschütteln über das Verhalten der Kassenärzte. Es hatte mehrere Gespräche gegeben. Das Ministerium muss das Gehalt in einem aufsichtsrechtlichen Verfahren bestätigen und kann notfalls eine Anweisung geben.

Ein Sprecher Bahrs sagte am Samstag: „Das ist ein laufendes Verfahren, über dessen Stand wir keine Auskunft geben.“ Der Vorsitzende der Vertreterversammlung, Hans-Jochen Weidhaas, sagte der „FAZ“: „Das ist ganz klar eine Angelegenheit der Selbstverwaltung der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten.“ Das Ministerium hat Weidhaas dem Blatt zufolge empfohlen, sich an den Gehältern des Krankenkassen-Spitzenverbands von bis zu 230.000 Euro zu orientieren. Die zweiten Vorsitzenden beziehungsweise Vertreter erhalten in beiden Organisationen etwas weniger als die Vorsitzenden.

Die Grünen-Abgeordnete Birgitt Bender kritisiert seit Monaten die Gehaltserhöhung der KBV-Spitze und fordert das Ministerium zum Einschreiten auf. Köhler wird aber laut dem Insider-Blatt „Ambulant und stationär aktuell“ des „Dienstes für Gesellschaftspolitik“ bereits seit Jahren von der Wirtschaft umworben, wo er diesen Angaben zufolge weit mehr verdienen könnte.

Von

dpa

Kommentare (18)

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Account gelöscht!

28.01.2012, 13:54 Uhr

Wozu eigentlich diese Kassenärztlichen Vereinigungen? Können die Kassen nicht direkt mit den Ärzten abrechnen? Das wäre doch sehr sinnvoll weil kostensparend und als Nebeneffekt könnten Betrügereien viel leichter und schneller aufgedeckt werden.

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28.01.2012, 14:00 Uhr

"Köhler wird aber laut dem Insider-Blatt „Ambulant und stationär aktuell“ des „Dienstes für Gesellschaftspolitik“ bereits seit Jahren von der Wirtschaft umworben, wo er diesen Angaben zufolge weit mehr verdienen könnte."

So lasst ihn doch ziehen. Wir haben schon genug Gehalts-Selbstbedienungslaeden in diesem Lande. Es gibt sicherlich faehige Leute welche seinen Job fuer einen Bruchteil seines Gehaltes uebernehmen wuerden.

Account gelöscht!

28.01.2012, 14:06 Uhr

Es wird höchste Zeit hinter die Fassaden der "Körperschaften des öffentlichen Rechts" wie z.B. bei den Kassenärztlichen Vereinigungen, aber AUCH BEI DEN GESETZLICHEN KRANKENKASSEN zu schauhen und die Selbstbedienungsmentalität einiger zu begrenzen, bzw. die beamtenähnlichen Bedingungen zu überprüfen. In den KVen sind Kassenärzte Pflichtmitglieder und der "Hinterzimmerpolitik" dieser Gremien und Machthaber ohnmächtig mit ihren erwzungenen "Verwaltungsgebüren" und einem Kreuz alle paar Jahre ausgeliefert. Die meisten Kassenärzte machen nur einen Bruchteil UMSATZ der genannten Gehälter, geschweige denn GEWINN. Gegen die Direktabrechnung spricht m.E., dass die GKVen kein Interesse an einer angemessenen Vergütung der ärztlichen Leistungen haben und die Ärzte ohne Gewerkschaft dann vogelfrei wären.

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