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13.06.2013

19:12 Uhr

4,4 Milliarden Euro

Bund und Länder stocken Hochschulpakt auf

Bund und Länder erhöhen wegen des anhaltenden Studienanfängerbooms die Hilfsmittel für die Hochschulen. Doch nach der Wahl steht eine Grundsatzdebatte über die Reform der Hochschulfinanzierung an.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka: Mehr Geld für die Hochschulen. dpa

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka: Mehr Geld für die Hochschulen.

BerlinDie Regierungschefs von Bund und Ländern haben die Aufstockung des Hochschulpaktes um 4,4 Milliarden Euro bis 2015 beschlossen. Sie folgten damit am Donnerstag in Berlin einer Empfehlung ihrer Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK).

Bundesbildungsminister Johanna Wanka (CDU) sagte: „Das ist gute Nachricht für die Studenten und die Hochschulen – und damit eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft Deutschlands.“ Die GWK-Vorsitzende und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) sprach von einer „einmaligen Chance“, jetzt aus den geburtenstarken Jahrgängen die Ingenieure und anderen Fachkräfte auszubilden, die die Wirtschaft dringend brauche.

Grund für die Erhöhung ist der anhaltende Studienanfängerboom. Für den Zeitraum 2011 bis 2015 steigen die Hilfsmittel des Bundes für die Schaffung zusätzlicher Studienplätze um 2,2 Milliarden auf über 7 Milliarden Euro. Die Länder haben ähnlich hohe Investitionen versprochen.

Chancen durch Veränderung der Schulstruktur

Verlängerung der Grundschule

33 Prozent der Lehrer und 27 Prozent der Eltern meinen mit einer Verlängerung der Grundschule auf sechs Jahre kann man benachteiligte Kinder am besten fördern.

Quelle: Allensbach

Einzelunterricht in der Schule

26 Prozent der Lehrer und 33 Prozent der Eltern meinen, der Einzelunterricht in der Schule verbessere die Situation der Kinder.

Bildung von Klassen mit ähnlich leistungsstarken Schülern

Die Bildung von Klassen mit ähnlich leistungsstarken Schülern ist für 21 Prozent der Lehrer und 40 Prozent der Eltern maßgeblich für eine verbesserte Förderung.

Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems

21 Prozent sowohl der Lehrer als auch Eltern meinen, die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems ist die beste Lösung.

Abschaffung der Noten

Lediglich sieben Prozent der Lehrer und acht Prozent der Eltern würden die Abschaffung der Noten als eine verbessere Förderung benachteiligter Kinder betrachten.

Abschaffung des Sitzenbleibens

Zehn Prozent der Lehrer und zwölf Prozent der Eltern denken, die Abschaffung des Sitzenbleibens ist am besten.

Der Hochschulpakt war erforderlich geworden, weil seit 2007 extrem geburtenstarke Abiturjahrgänge die Schule verlassen. Hinzu kommen doppelte Abiturientenjahrgänge infolge der Schulzeitverkürzung am Gymnasium und die Folgen der 2011 ausgesetzten Wehrpflicht. Allein 2011 gab es fast 520.000 Studienanfänger, 2012 waren es 493.000. In „normalen“ Jahren nehmen hingegen im Schnitt zwischen 300.000 und 350.000 junge Menschen ein Studium neu auf.

Die Gesamtaufwendungen von Bund und Ländern für den bereits zu Zeiten der großen Koalition von SPD und Union ausgehandelten Hochschulpakt steigen damit bis 2018 auf rund 20 Milliarden Euro.

Für die Grünen sagte deren Hochschulpolitiker Kai Gehring: „Die Aufstockung des Hochschulpaktes war längst überfällig.“ Der schwarz-gelben Koalition wie der Bundesbildungsministerin fehle aber eine langfristige nationale Gesamtstrategie gegen die Unterfinanzierung der Hochschulen.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte ein Ende der „Flickschusterei“ bei der Hochschulfinanzierung. Die jetzt bewilligten Hilfen seien für die Hochschulen „überlebenswichtig“, sagte die neue DGB-Vize-Vorsitzende Elke Hannack. Gleichwohl blieben aber die deutschen Hochschulen unterfinanziert. „Es fehlt Geld für ausreichend Masterstudienplätze, für eine echte Bafög-Reform und für weitere Studentenwohnungen“, kritisierte Hannack.

Von

dpa

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