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30.05.2014

16:54 Uhr

40.000 Frührentner mehr

Rentenpaket wird wohl teurer

Experten halten das Rentenpaket der Koalition für verantwortungslos gegenüber der jungen Generation. Nun wird es womöglich noch teurer als veranschlagt. Und die Linke rechnet vor: Es trifft auch die Rentner.

Freizeit statt Arbeit: Die Rente mit 63 ist beliebt. dpa

Freizeit statt Arbeit: Die Rente mit 63 ist beliebt.

BerlinDie Kosten für das Rentenpaket der großen Koalition sind voraussichtlich höher als bisher veranschlagt. Der Grund: Die Regierung rechnet mit mehr Frührentnern wegen der Anrechnung von Beiträgen freiwillig Versicherter für die abschlagsfreie Rente ab 63. Die Linke wies zudem unter Verweis auf eine Regierungsauskunft darauf hin, dass auch die Rentner das Paket, zu dem eine Aufstockung der Mütterrente gehört, ab 2019 mitbezahlen - durch geringere Rentenerhöhungen.

Die Gesamtkosten für die Rente ab 63 beziffert die Bundesregierung bis Ende 2017 bislang auf insgesamt sieben Milliarden Euro. Nach Schätzungen des rentenpolitischen Sprechers der Grünen, Markus Kurth, könnten sich die Zusatzkosten nun auf eine Milliarde Euro bis Ende 2017 belaufen, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ - da sich der Kreis der Nutznießer auf bis zu 240 000 erhöhen könne.

Das Rentenpaket der Großen Koalition

Mütterrente

Etwa 9,5 Millionen Frauen, deren Kinder vor 1992 zur Welt kamen, bekommen Kindererziehungszeiten in der Rente künftig besser honoriert. Pro Kind sind das ab 1. Juli brutto knapp 28 Euro monatlich mehr im Westen und gut 26 Euro mehr im Osten. Dies ist eine Verdoppelung des bisher bezahlten Zuschlags. Frauen mit jüngeren Kindern sind bei der Mütterrente aber immer noch bessergestellt.

Abschlagsfreie Rente ab 63

Wer mindestens 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat, soll schon ab 63 Jahren ohne Abschlag in Rente gehen können. Begünstigt sind die Geburtsjahrgänge zwischen 1952 und 1963. Phasen kurzer Arbeitslosigkeit sollen mit angerechnet werden, aber nicht in den letzten zwei Jahre vor Beginn der Frührente. Das soll eine Welle von Frühverrentungen verhindern. Selbständige, die in ihrem Berufsleben mindestens 18 Jahre lang Pflichtbeiträge in die Rentenkasse entrichtet haben und danach freiwillig weiterversichert blieben, sollen ebenfalls ab 63 eine abschlagfreie Frührente beziehen können. Das kommt vor allem Handwerkern zugute.

Erwerbsminderungsrente

Wer aus gesundheitlichen Gründen vermindert oder gar nicht mehr arbeiten kann, soll brutto bis zu 40 Euro mehr Rente bekommen. Die Betroffenen werden so gestellt, als ob sie mit ihrem früheren durchschnittlichen Einkommen bis 62 – und damit zwei Jahre länger als bisher – in die Rentenkasse eingezahlt hätten.

Reha-Leistungen

Um Frühverrentungen aus gesundheitlichen Gründen zu verhindern, sollen die bislang gedeckelten Mittel für Rehabilitationsleistungen dynamisiert – also schrittweise erhöht – werden.

Eine Sprecherin des Arbeitsministeriums sagte, sie halte die Summe von einer Milliarde Euro für zu hoch. Sie nannte einen Betrag von maximal 750 Millionen Euro: 150 Millionen Euro im Jahr 2014, 300 Millionen im Jahr 2015 und wieder jeweils 150 Millionen Euro in 2016 und 2017. Sie betonte: „Die Zusatzkosten durch die Einbeziehung der freiwilligen Beiträge sind im Rahmen des Rentensystems finanzierbar.“

Nach Ministeriumseinschätzung wird es höchstens 40 000 zusätzliche Frührentner geben. Dabei handele es sich überwiegend um Selbstständige, die freiwillige Beiträge vor allem deswegen zahlten, um ihren Erwerbsminderungsschutz aufrecht zu erhalten. Sie müssten aber nicht notwendigerweise alle an einer Frühverrentung interessiert sein, da sie nur den Mindestbeitrag zahlten und ihre Rentenansprüche nicht so hoch seien, dass eine abschlagsfreie Rente einen hohe Anreiz darstelle.

Kommentare (4)

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30.05.2014, 17:17 Uhr

Es kann doch nicht sein, dass die Bürger und Betroffenen sehenden Auges mit ansehen müssen, wie irgendwelche Deppen, die auf den falschen Posten sitzen, hier einen Riesenschaden anrichten. Werte Leidensgenossen, lassen Sie uns doch einmal gemeisnam überlegen, wie man diesen Wahnsinn stoppen und die Nieten ihres Postens entheben kann.

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30.05.2014, 17:36 Uhr

Es ist einfach an der Zeit das Grundgesetz zu ändern und mehr direkten Einfluss der Bürger zu schaffen.
Die Rentenpolitik ist einfach die Perversion der Klientelpolitik.: Viele Rentner, viele Stimmen; und das wird wohl noch schlimmer. Es ist aber Verrat an unseren Kindern, die wohl kein verantwortungsvolles Elternpaar billigt. Besonder enttäuscht bin ich von Herrn Meister, den ich doch nun nicht länger schätzen kann.

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30.05.2014, 20:10 Uhr

Da der Staat keine himmlischen Konten hat müssen die Menschen die seitens der Politiker versprochenen sozialistischen Wunderwerke letztlich immer selbst bezahlen.

Im Fall der Rente bezahlen die Menschen gutes Geld ein und erhalten dann als Bittsteller einen Teil des Geldes nach zahlreichen Anträgen irgendwann wieder ausgezahlt.

Bedauerlicherweise hat die ganze "Bildung" bislang nicht dazu geführt, dass sie die sozialistischen Politiker in die Wüste schicken.

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