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04.12.2016

12:02 Uhr

„40 Prozent plus X“ für Union

Schäuble geht in die Vollen

Finanzminister Schäuble formuliert ein Wahlziel: Mit Kanzlerin Merkel sei ein Ergebnis „von 40 Prozent plus X für die Union“ möglich. Das will der 74-Jährige offenbar mit einer schärferen Abschiebepraxis erreichen.

Nächstes Jahr wird der Bundesfinanzminister 75 Jahre alt. In der Politik möchte er weiterhin einen wichtigen Posten übernehmen. AFP; Files; Francois Guillot

Wolfgang Schäuble

Nächstes Jahr wird der Bundesfinanzminister 75 Jahre alt. In der Politik möchte er weiterhin einen wichtigen Posten übernehmen.

BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erwartet bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr einen ähnlichen Wahlsieg der Union wie beim letzten Mal. „Mit Angela Merkel ist ein so gutes Ergebnis wie 2013 zu schaffen“, sagte der CDU-Politiker der „Bild am Sonntag“. „Wir sollten uns jetzt auf unsere eigene Stärke konzentrieren und alles tun für ein Wahlergebnis von möglichst 40 Prozent plus X für die Union.“ 2013 hatte sie 41,5 Prozent erreicht. Kanzlerin Merkel hat angekündigt, wieder für das Amt zu kandidieren.

Aktuell kommt die Union in der Wählergunst einer Umfrage zufolge auf die höchsten Werte seit Januar. Wie die Emnid-Erhebung für die Bild am Sonntag ergab, erhalten CDU und CSU 37 Prozent und können damit im Vergleich zur Vorwoche zwei Punkte zulegen. Dagegen verliert die SPD erneut einen Zähler und erreicht 22 Prozent.

Keine Veränderung gibt es dagegen bei AfD und Grünen, die zwölf Prozent beziehungsweise elf Prozent erreichen. Dagegen kann sich die Linkspartei um einen Punkt auf zehn Prozent verbessern. Die FDP müsste mit fünf Prozent um den Einzug in den Bundestag bangen. Für die Erhebung befragte Emnid laut „BamS“ zwischen dem 24. und dem 30. November 2658 Personen.

Was Sie noch nicht über Wolfgang Schäuble wussten

Rolle des Vaters

Thomas Schäuble beschreibt den Vater als gütigen, weichen Menschen. Nicht mit Druck, sondern mit Argumenten hat der Vater den Söhnen die CDU nahe gebracht. Besonders Sohn Wolfgang sprang darauf an: Schon mit zehn, zwölf Jahren begleitete er den Vater auf seine Veranstaltungen als Landtagsabgeordneter.

Rolle der Mutter

Seine Mutter war stets eine sehr gewissenhafte Frau. So soll sie einmal keine 20 Pfennig für eine Parkuhr gehabt haben und deshalb am nächsten Tag hingefahren sein, um nachzuzahlen.

Kriegstage

Für Wolfgang Schäuble wäre der Krieg fast tödlich ausgegangen. Die alliierten Flieger warfen Brandbomben ab und trafen durch Zufall das Haus, in dem sich die Familie Schäuble versteckte. Das Haus ging in Flammen auf, die Familie flüchtete – alle, bis auf Wolfgang Schäuble. Gerettet wurde der damals Zweieinhalbjährige von seinem Bruder Frieder, der ihn unter brennenden Decken fand – grün und blau angelaufen wegen Atemnot.

Schüler

Thomas Schäuble beschreibt seinen Bruder als „mathematisches Genie“. Wolfgang hatte in der Schule von der Sexta bis zur Oberprima – entspräche heute der fünften bis 13. Klasse – eine Eins in Mathe. Er dachte sogar an ein Mathematikstudium, entschied sich aber dann doch für Jura.

Jura-Studium

Zu Jura kam Wolfgang Schäuble dann wieder durch seinen Vater. Für den wäre eine solches Studium ein Lebenstraum gewesen. Durch juristische Diskussionen hat er diesen Lebenswunsch dann auf seine Kinder übertragen – alle drei studierten später Jura.

Rolle in der Familie

Wenn Gertrud Schäuble in der Kur war, nahm Wolfgang die Rolle der Hausfrau und strengen Mutter ein: Er konnte kochen wie eine erstklassige Hausfrau, besonders Linsen und Spätzle.

Ehrgeiz

Unter den Brüdern zeigte Wolfgang Schäuble den größten Ehrgeiz. Er habe stets der Beste sein wollen, berichtet Thomas Schäuble. Anderen zuzusehen und zuzuhören, die nicht so gut waren, sei seinem Bruder stets schwer gefallen.

Führungsstärke

Schon beim Doppel mit seinem Bruder wollte Wolfgang Schäuble stets die Führungsrolle übernehmen – obwohl Thomas der bessere Spieler war. Auf dem Platz haben sie sich ständig angemacht: „Was macht du denn jetzt schon wieder?“ Danach vermieden die Brüder, miteinander Doppel zu spielen.

Folgen des Attentats

Thomas Schäuble bezeichnet seinen Bruder seit dem Attentat „zugänglicher“ als früher. Das liege daran, dass er sich unheimlich darüber gefreut habe, dass seine große Familie zu ihm stand, als er das Leben im Rollstuhl lernen musste. Andere wiederum sagen, er sei härter geworden.

Verhältnis zur Politik

Wolfgang Schäuble ist fasziniert von der Politik. Sein Bruder bezeichnet ihn gar als „politikbesessen“.

Verhältnis zu IWF-Chefin Christine Lagarde

In seinem politischen Wirken schätzt Wolfgang Schäuble besonders IWF-Chefin Christine Lagarde. Vor ihr sei er unglaublich beeindruckt, sagt sein Bruder. Zudem sei sie die einzige Frau, die ihn im Rollstuhl schieben darf – außer seiner Ehefrau.

Verhältnis zu Helmut Kohl

Bekannt ist, dass Wolfgang Schäuble ein loyaler Begleiter Helmut Kohls war – bis zur Spendenaffäre. Doch schon davor hat der heutige Finanzminister dem damaligen Kanzler die Meinung gesagt. Als 1998 klar wurde, dass es für Kohl nicht zu einer fünften Amtszeit reichen würde, war es Schäuble, der zu ihm sagte: „Helmut, du schaffst es nicht mehr.“ Diese Offenheit hat Kohl ihm allerdings übel genommen.

Kapitalismuskritik

Der Finanzminister hat seine Sicht auf den Kapitalismus verändert. „Je älter ich werde, und je mehr ich als Finanzminister sehe, desto größer wird meine Skepsis gegenüber dem Kapitalismus“, hat Wolfgang Schäuble einmal zu seinem Bruder gesagt. Er sehe den Kapitalismus wesentlich skeptischer als früher.

Schäuble selbst will auch nach der Bundestagswahl wieder einen wichtigen Posten übernehmen. „Ich kandidiere nicht für den Bundestag, um mir vier entspannte Jahre zu machen. Ich will – soweit das gewünscht ist – wieder Verantwortung übernehmen“, sagte der heute 74-Jährige auf die Frage, ob er auch künftig über Deutschlands Finanzen wachen werde.

Schäuble, der dem Bundestag schon seit 1972 angehört, war 1984 von Kanzler Helmut Kohl erstmals in die Regierung geholt worden: als Kanzleramtsminister. Seither war er zweimal Innenminister, aber auch lange Jahre Vorsitzender der Bundestagsfraktion der Union. Seit 2009 ist er für die Bundesfinanzen verantwortlich.

Von den Umfragewerten für die AfD zeigte sich Schäuble vor dem am Dienstag beginnenden CDU-Parteitag unbeeindruckt: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir auch die Menschen, die vielleicht kurzzeitig Zweifel an uns bekommen haben, wieder von uns überzeugen“, sagte er.

Bundesparteitag: Asylpolitik bestimmt Debatte der CDU

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Die Flüchtlingspolitik dürfte zu einem zentralen Thema des CDU-Parteitags in Essen werden. Die Christdemokraten wollen ihre Reihen schließen. Ein gemeinsamer Nenner mit der CSU ist bisher aber noch nicht in Sicht.

Schäuble unterstützte das Konzept des CDU-Vizevorsitzenden Thomas Strobl für eine schärfere Abschiebepraxis. Er bejahte eine entsprechende Frage und erklärte, Deutschland habe enorme Hilfsbereitschaft gezeigt. „Aber wenn wir diese Hilfsbereitschaft erhalten wollen, müssen diejenigen wieder gehen, die kein Recht haben zu bleiben. Das müssen wir besser umsetzen.“

Die anhaltenden Forderungen aus der CSU nach einer Obergrenze für Flüchtlinge wies Schäuble scharf zurück. „Die Symboldebatte um eine Obergrenze braucht kein Mensch“, sagte er. „Diese Frage stellt sich auch angesichts der zurückgegangenen Zahl an Flüchtlingen nicht mehr.“ Der Streit in der Union sei „vorüber“.

Zur Kritik an der Kanzlerin sagte Schäuble: „Jeder Mensch macht Fehler. Für einen Minister ihrer Regierung wäre es auf jeden Fall ein Fehler zu sagen, was möglicherweise ihre Fehler waren.“

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