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22.01.2007

13:19 Uhr

45 Prozent vor Insolvenz

Viele Kliniken sind von Pleite bedroht

Die finanzielle Lage der Krankenhäuser ist schlechter, als bislang angenommen. Ohne aktive Gegenmaßnahmen droht bis 2020 beinahe der Hälfte die Pleite. Bereits heute ist ein nicht unbedeutender Prozentsatz im kritischen Bereich. Die Gesundheitsreform droht, die Situation zu verschlechtern.

(pt) BERLIN. Ohne aktives Gegensteuern werden bis 2020 rund 45 Prozent der deutschen Krankenhäuser von Insolvenz bedroht sein. Trotz des demographiebedingt steigenden Behandlungsbedarfs werden bis dahin rund 35 Prozent der heutigen Krankenhauskapazitäten nicht mehr benötigt werden. Das sind zentrale Ergebnisse einer repräsentativen Erhebung bei 600 Krankenhäusern, die jetzt das RWI in Zusammenarbeit mit der Admed GmbH und der RWI-Tochter Institute for Health Care Business GmbH heute veröffentlicht.

Die Studie untersucht das Kreditausfallrisiko der Krankenhäuser. Danach befinden sich schon heute 19 Prozent mit einem AHR-Rating von über 13 bis 16 bei der Kreditwürdigkeit in einem kritischen Bereich, sind also von Insolvenz bedroht. Vor allem deren Lage würde sich durch die derzeit noch nicht beschlossenen Kürzungen der Krankenhausvergütungen im Rahmen der Gesundheitsreform weiter verschlechtern. Hinzu kommt das neue Vergütungssystem, nach dem die Krankenkassen die stationären Leistungen in Zukunft nur noch bis zu einem landeseinheitlichen Basisfallwert vergüten sollen. Häuser mit hohen Durchschnittskosten wie die Uni-Kliniken werden dadurch in den nächsten Jahren zusätzlich unter Druck geraten.

Im aktuellen Rating stehen die freigemeinnützigen Häuser mit einer Kreditausfallwahrscheinlichkeit von 1,1 Prozent noch am besten da, gefolgt von den privaten Kliniken mit 1,4 und den Häusern in öffentlicher Trägerschaft mit zwei Prozent. Ohne Gegensteuern würde sich das durchschnittliche Ausfallrisiko bis 2020 von 1,4 auf 5,7 Prozent vervielfachen. Die Studie plädiert daher für eine Marktbereinigung. So ließe sich die wirtschaftliche Situation auf heutigem Niveau stabilisieren, wenn bis 2020 jährlich 1,5 Prozent der Häuser mit dem schlechtesten Rating schließen. Ein knappes Viertel der Kliniken würde dadurch vom Markt verschwinden.

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