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28.10.2014

20:39 Uhr

500 Millionen Euro in drei Jahren

Deutschland stockt Hilfe für syrische Flüchtlinge auf

Jeder zweite Syrer ist auf der Flucht. Die Nachbarländer haben Millionen Menschen aufgenommen und stoßen an ihre Grenzen. Die Staatengemeinschaft sagt langfristige Finanzhilfe zu. Doch nur wenige Länder werden konkret.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bei der internationalen Flüchtlingskonferenz in Berlin. Deutschland hat mehr finanzielle Hilfen für die Aufnahme von Bürgerkriegsflüchtlingen zugesagt. dpa

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bei der internationalen Flüchtlingskonferenz in Berlin. Deutschland hat mehr finanzielle Hilfen für die Aufnahme von Bürgerkriegsflüchtlingen zugesagt.

BerlinDeutschland hat den Nachbarländern Syriens eine halbe Milliarde Euro für Flüchtlingshilfe in den nächsten drei Jahren zugesagt. Hinzu kommen zusätzliche 140 Millionen für die Aufnahme von Bürgerkriegs-Flüchtlingen im laufenden Jahr. Das gaben Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Entwicklungsminister Gerd Müller bei einer internationalen Flüchtlingskonferenz mit Vertretern von 40 Ländern und Organisationen in Berlin bekannt.

Die Teilnehmer verpflichteten sich insgesamt, Länder wie Jordanien, den Libanon und die Türkei stärker zu unterstützen. Konkrete Zusagen machten aber nur Deutschland und die USA mit zusätzlichen zehn Millionen US-Dollar (7,8 Millionen Euro). „Die Weltgemeinschaft lässt die Flüchtlinge aus Syrien nicht alleine und wir stehen den Ländern fest zur Seite, die den vom Krieg in Syrien Vertriebenen Zuflucht und Schutz anbieten“, sagte Steinmeier.

Verschiedenen Schätzungen zufolge sind seit Beginn des Bürgerkriegs vor drei Jahren zwischen drei und fünf Millionen Syrer aus ihrer Heimat geflüchtet. Die Bevölkerung Jordaniens ist mit mehr als einer Million Flüchtlingen um ein Drittel gewachsen. Die weitaus größere Türkei hat 1,5 Millionen Syrer aufgenommen, Jordanien etwa 650.000.

In einem vierseitigen Papier mit dem Titel „Solidarität mit den Flüchtlingen und ihren Aufnahmeländern“ erklären sich die Konferenzteilnehmer zu langfristiger finanzieller Hilfe bereit. Auch die Unterstützung für die Binnenvertriebenen in Syrien soll ausgeweitet werden. Konkrete Summen werden in der Vereinbarung allerdings nicht genannt.

Die einflussreichsten Rebellengruppen in Syrien

Islamische Front

Sie ist ein Zusammenschluss aus sechs großen islamistischen Gruppen. Die Islamische Front ist vermutlich die größte Rebellenallianz in Syrien und verfügt über 40.000 bis 50.000 Kämpfer. Ihre Mitglieder sind sunnitische Extremisten, die einen islamischen Staat in Syrien errichten wollen. Die Haltung der Islamischen Front gegenüber den Extremisten von IS ist ambivalent. Teile der Gruppe unterstützen aber den Kampf gegen sie.

Nusra-Front

In der einflussreichen Rebellengruppe sind sowohl syrische als auch ausländische Extremisten aktiv. Sie ist von Al-Kaida offiziell als Ableger in Syrien anerkannt. Die Nusra-Front hat als erste Gruppierung in Syrien Selbstmord- und Autobombenanschläge in Stadtgebieten verübt. Sie kämpft für einen islamischen Staat, hat zwischen 7000 und 8000 Anhänger und arbeitete bislang eng mit der Islamischen Front zusammen.

Islamischer Staat

Die Gruppe wurde von abtrünnigen Mitgliedern der Nusra-Front gebildet und vereinigte sich mit dem Al-Kaida-Ableger im Irak. Früher nannte sie sich Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil). Angeführt wird IS von Abu Bakr al-Baghdadi, der die Forderung der Al-Kaida ignorierte, den Schwerpunkt der Aktivitäten auf den Irak zu legen. Anfang des Jahres kappte Al-Kaida die Verbindungen zur IS, die als die militanteste Extremistengruppen in Syrien gilt.

Zunächst hatte die Gruppierung unter anderem wegen ihrer strikten Haltung gegen Plünderungen einen Großteil der syrischen Bevölkerung auf ihrer Seite. Dies änderte sich, als sie begann, Kritiker zu entführen und zu töten.

Derzeit kämpft IS an mehreren Fronten - gegen rivalisierende Rebellen in Syrien und gegen die Kurden im Nordirak. Die Gruppe soll über 6000 bis 7000 Kämpfer verfügen. Im Irak wird sie durch Zehntausende Kämpfer sunnitischer Stämme unterstützt, die von der Zentralregierung in Bagdad enttäuscht sind.

Syrische revolutionäre Front

Die Allianz aus weitgehend nicht ideologisch geprägten Rebellen-Einheiten formierte sich im Dezember. Das Rückgrat der Gruppe bildet die Syrische Märtyrer-Brigade, eine einst einflussreiche Gruppe aus der nördlichen Provinz Idlib unter Führung von Dschamal Maruf. Ihm war von rivalisierenden Rebellengruppen vorgeworfen worden, für den Aufstand bestimmtes Geld in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Die Anhänger der revolutionären Front sind weitgehend moderate Islamisten. Finanziell unterstützt wird die Gruppe vermutlich von Golfstaaten wie Saudi-Arabien.


Mudschaheddin-Armee

Sie bildete sich zu Jahresbeginn aus acht syrischen Gruppen und startete eine Offensive gegen die Extremisten von IS. Die Allianz ist moderat islamistisch und hat nach eigenen Angaben rund 5000 Mitglieder.


Höchstes Militärkommando

Es handelt sich um eine moderate, nicht ideologische Gruppe. Sie wird von westlichen Ländern wie den USA unterstützt. Auch die Türkei und die arabischen Golfstaaten stehen auf ihrer Seite. Sie hat niemals den Eindruck ausräumen können, dass ihre Führung aus dem Ausland kommt.

Syriens Nachbarländer sagen im Gegenzug zu, dass sie mit Hilfe der Geldgeber Bildungsmöglichkeiten und eine medizinische Grundversorgung für die Betroffenen bereitstellen. Betont wird in der Erklärung zudem die Notwendigkeit einer politischen Lösung, um das Blutvergießen in Syrien zu beenden.

Kommentare (4)

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Herr Rene Weiß

28.10.2014, 22:29 Uhr

Ist das nicht alles toll, wofür Dtl. Geld hat? Und wieso nur Dtl. und die USA?
Besteht die "Weltgemeinschaft" nur dann aus 180 Staaten, wenn man Geld aus Dtl. erhalten kann? Wenn es um Hilfe für andere geht, reduziert sich die "Weltgemeinschaft" auf Dtl. und die USA?

Herr Teito Klein

29.10.2014, 00:21 Uhr

Flüchtlingshilfe
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Deutschland gibt 500 Millionen, die USA 7,8 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe. Der Rest der Welt hält sich zurück.
In der EU nehmen nur 5 Länder Flüchtlinge auf, die EU besteht aber aus 28 Ländern.
Zahlenmäßig nimmt Deutschland die meisten Flüchtlinge auf.

Herr Wolfgang Trantow

29.10.2014, 17:24 Uhr

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