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08.04.2014

11:47 Uhr

84 Euro mehr im Jahr

EEG-Reform lässt Strompreis steigen

Wegen der EEG-Reform wird der Stromverbraucher tiefer in die Tasche greifen. Die der „Sonderwünsche der Länder“ lassen den Strompreis bis 2020 um etwa zwei Cent steigen, so die Verbraucherzentrale Bundesverband.

Die EEG-Reform lässt die Strompreise deutlich steigen. Bis zu 84 Euro im Jahr müssen die Verbraucher bis 2020 zahlen. dpa

Die EEG-Reform lässt die Strompreise deutlich steigen. Bis zu 84 Euro im Jahr müssen die Verbraucher bis 2020 zahlen.

MainzDer Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat seine Kritik an der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) bekräftigt. Die Neufassung führe bis 2020 zu einer zusätzlichen Belastung von jährlich „ungefähr 84 Euro für den Durchschnittsverbraucher“, sagte der Energie-Experte des vzbv, Holger Krawinkel, am Dienstag „heute.de“. Grund dafür seien unter anderem „die Sonderwünsche der Länder“, etwa zur Förderung von Biomasse-Anlagen. Insgesamt werde die Reform deutlich teurer „als gegenüber den Verbrauchern versprochen“, monierte Krawinkel.

Seiner Berechnung zufolge steigt die EEG-Umlage zur Förderung von Ökostrom von derzeit 6,24 Cent pro Kilowattstunde bis 2020 um etwa zwei Cent. Ein durchschnittlicher Haushalt müsse somit 70 Euro mehr zahlen als heute. Dazu komme noch die Mehrwertsteuer, so dass sich eine durchschnittliche Zusatzbelastung von 84 Euro im Jahr ergebe.

Die umkämpfte EEG-Reform

Ziele

Es gibt mehr als 4000 EEG-Vergütungssätze - immer wieder wurden Vergütungen gekürzt oder Boni verändert. Den jeweils zum Anschlussdatum gültigen Fördersatz gibt es auf 20 Jahre garantiert. Die Reform soll nun die schrittweise Abkehr von den auf 20 Jahren gesicherten Zahlungen einleiten, da die Differenz zwischen dem füeegr den Strom erzielten Preis und dem festen Vergütungssatz per EEG-Umlage über den Strompreis zu zahlen sind. Die Vergütung soll für neue Anlagen im Schnitt auf 12 Cent je Kilowattstunde sinken. Von heute 25 Prozent soll der Ökostromanteil günstiger als bisher auf 40 bis 45 Prozent bis 2025 und bis 2035 auf 55 bis 60 Prozent steigen.

Windenergie

Es soll einen jährlichen Zubau von 2500 Megawatt geben. Strittig sind drei Dinge: Der „Ausbaudeckel“ von 2500 MW. Und ob der Austausch alter durch leistungsstärkere Windräder bei den 2500 MW miteingerechnet wird. Drittens der Stichtag 23. Januar 2014: Für Anlagen, die danach genehmigt worden sind, soll bereits die neue Regelung mit Förderkürzungen gelten. Mehrere Länder pochen auf einen deutlich späteren Stichtag.

Windkraft im Meer

Hier soll es zwar eine hohe Anfangsvergütung von rund 19 Cent je Kilowattstunde geben, aber die Ziele werden gekürzt. Statt 10 000 Megawatt sollen nur 6500 Megawatt bis 2020 installiert werden und 15 000 Megawatt bis zum Jahr 2030.

Biomasse

Auch wegen der Zunahme von Maisanbauflächen soll der Zubau auf nur noch 100 Megawatt pro Jahr gedeckelt werden - mehrere Länder fordern Korrekturen. Neue Anlagen sollen vor allem mit Abfall- und Reststoffen gefüttert werden. Da die Anlagen anders als Sonne und Wind berechenbar Energie liefern können, soll die Produktion stärker auf den aktuellen Bedarf ausgerichtet werden, dafür soll es dann einen „Flexibilitäts-Bonus“ geben.

Industrie-Rabatte

Rund 2100 Unternehmen sind derzeit begünstigt, sie bezahlen dadurch 5,1 Milliarden Euro weniger. Mit der EU-Kommission wird um eine zukunftsfeste und rechtssichere Lösung beim Ausmaß der Rabatte gerungen. Es gibt politischen Druck, etwa aus Nordrhein-Westfalen, möglichst wenige Verschärfungen zuzulassen.

Eigenstrom

Die Kosten für die Bürger steigen auch, weil zunehmend Unternehmen Strom selbst erzeugen und verbrauchen, so sind sie von Ökostrom-Umlage und Netzentgelten befreit. Künftig sollte die Eigenstromerzeugung mit einer Mindestumlage belegt werden, um andere Stromverbraucher zu entlasten. Aber auf Druck aus Union und SPD wurde dieser Vorschlag für bestehende Anlagen kassiert. Bei neuen Anlagen sollen Industrieunternehmen nun 1,2 Cent „Soli“ je Kilowattstunde zahlen, private Haushalte oder Supermärkte, die sich mit Solarstrom selbst versorgen, aber 4,4 Cent - die Solarlobby läuft dagegen Sturm.

Das Bundeskabinett verabschiedete die EEG-Novelle am Dienstagvormittag, wie aus Regierungskreisen verlautete. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will die Einzelheiten am Mittag erläutern. Er hatte am Montag gesagt, es gebe eine gute Chance, den Strompreis bis 2017 stabil zu halten.

Von

afp

Kommentare (5)

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08.04.2014, 12:52 Uhr

Zitat aus der Printausgabe des HB von heute, letzte Seite "Mehr Markt, weniger Kosten":

...Nicht gelöst ist die Frage der Überkapazitäten: bis 2022 erwarten wir über 200 Gigawatt an Erzeugungskapazitäten - bei einer Spitzenlast von rund 85 Gigawatt. Die Großhandelspreise für Strom werden damit auf einem sehr niedrigen Niveau bleiben - weshalb immer mehr konventionelle Kraftwerke ein Profitabilitätsproblem bekommen....." Tuomo Hatakka, Chef von Vattenfall.

Eine Nation, die den Energiewendewahnsinn gewählt hat und es befürwortet, dass bis 2022 das 2,35fache der regulär benötigten Kraftwerkskapazität installiert wird, sollte sich nicht vor zwangsweise steigenden Strompreisen fürchten. Die sind quasi "zwingende Folge" eines solchen Vorgehens. Und vor der schwindenden Versorgungssicherheit braucht man gar keine Angst zu haben. Die CO2-Vermeidung im Promillebereich ist allemal wichtiger.


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08.04.2014, 13:56 Uhr

Fakt bleibt: Kein privater Bürger darf noch eine der verursachenden Blockparteien wählen. Alle haben die irrsinnige Energiewende falsch unterstützt. Nur "mehr Markt" hätte die Preise gedrückt. Planwirtschaft wie die Energieabzocke mit unnützen Subventionen, muss schiefgehen. Deutschland braucht Alternativen durch marktkonforme Politik.

Account gelöscht!

08.04.2014, 14:16 Uhr

Für diese EEG Abgabe sind doch diese hirnlosen grünen Deppen verantwortlich. Diese festen Einspeisevergütungen über einen Zeitraum von 20 Jahren lässt die freie Marktwirtschaft zur Planwirtschaft verkommen.

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