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13.08.2014

07:20 Uhr

85.000 Anträge

Run auf Rente mit 63

Lohnerhöhungen statt Pension? Einem Bericht zufolge haben bereits 85.000 Bürger die Rente mit 63 beantragt. Wirtschaftsvertreter wollen erfahrene Mitarbeiter nun mit Gehaltssteigerungen vom Verbleib im Job überzeugen.

Freizeit statt Arbeit: Die Rente mit 63 ist beliebt. dpa

Freizeit statt Arbeit: Die Rente mit 63 ist beliebt.

EssenNach Inkrafttreten des Rentenpakets der schwarz-roten Koalition haben bereits rund 85.000 Arbeitnehmer die abschlagsfreie Rente mit 63 beantragt. Das berichtete das Onlineportal „Der Westen“ unter Berufung auf die Rentenversicherung Westfalen. Aus der Wirtschaft mehrten sich die Klagen über den Verlust erfahrener Mitarbeiter, hieß es in dem Bericht. „Das tut uns sehr weh“, sagte Andreas Schwieg vom Verband der Bauindustrie NRW. „Dass wir nun durch die vorgezogene Rente mehr erfahrene Poliere und Bauleiter verlieren als erwartet, erwischt gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen kalt.“

Rüdiger Ostrowski vom Verband Spedition und Logistik NRW sagte der Zeitung, Personalchefs gingen inzwischen dazu über, 63-Jährigen Lohnerhöhungen um zehn bis 15 Prozent zu bieten, damit sie weiterarbeiten statt in Rente zu gehen.

Die Pläne zur abschlagfreien Rente mit 63

45 Jahre eingezahlt

Wer 45 Jahre lang Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt hat, kann mit 63 Jahren ohne Abschläge in den Ruhestand gehen. Für jeden Monat, den die Rente vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter beginnt (2014: 65 Jahre und drei Monate), wird das Altersgeld eigentlich um 0,3 Prozent gekürzt. Dieser lebenslange Abschlag entfällt bei der Rente mit 63.

Altersrente für besonders langjährig Versicherte

Aus der Rente mit 63 wird bis 2029 die Rente mit 65: Die Schwelle soll schrittweise steigen. Die neue „Altersrente für besonders langjährig Versicherte“ gilt ab 63 Jahren nur für Versicherte, die vor dem 1. Januar 1953 geboren sind und deren Rente nach dem 1. Juli 2014 beginnt. Für ab 1953 Geborene steigt die Altersgrenze mit jedem Jahrgang um zwei Monate. Für ab 1964 Geborene liegt sie somit bei 65 Jahren.

Anspruchsvoraussetzungen sinken

Bisher gab es nur eine „Rente für besonders langjährig Versicherte“ ab 65 Jahren. Die neue Rente mit 63 weitet diese Regel aus und senkt zudem die Anspruchsvoraussetzungen. Zeiten der Arbeitslosigkeit werden als Beitragsjahre mitgezählt, wenn Anspruch auf das reguläre Arbeitslosengeld I bestand. Hartz-IV-Empfänger bleiben außen vor.

Was das kostet

Die Kosten wachsen langsam von 900 Millionen Euro 2014 auf 1,9 Milliarden Euro 2015 bis auf 3,1 Milliarden jährlich im Jahr 2030.

Nach dem am 1. Juli in Kraft getretenen Gesetz können Beschäftigte, die 45 Beitragsjahre zur gesetzlichen Rentenversicherung vorweisen, mit 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen. In den vollen Genuss der Rente mit 63 kommen nur Versicherte, die zwischen Juni 1951 und Dezember 1952 geboren sind. Für die Jahrgänge 1953 bis 1963 wird die Altersgrenze stufenweise angehoben. Ab Jahrgang 1964 gilt wieder die Altersgrenze von 65 Jahren.

Rentenfachleute gehen davon aus, dass die Zahl der Anspruchsberechtigten für die Rente mit 63 in diesem Jahr bei 240.000 liegt, wobei von diesen eine große Zahl auch mit Abschlägen in den vorgezogenen Ruhestand gegangen wäre.

Von

afp

Kommentare (30)

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Herr Rene Weiß

13.08.2014, 07:55 Uhr

Ganz große Leistung von Frau Nahles. Wir jungen Arbeitnehmer malochen und blechen für die nicht gesenkten Beiträge und höheren Rententransferzahlungen, damit wir tot umfallen, bevor wir die 45 Jahre voll haben.

Herr Thomas Podgacki

13.08.2014, 08:04 Uhr

10 - 15 % mehr
Das hört sich gut an, auf den ersten Blick.
Wenn man nachrechnet merkt man sehr schnell, daß von dem Mehr auf Grund der KALTEN PROGRESSION fast nicht übrigbleibt. Weil nicht nur dies Mehr höher versteuert wird, sondern das gesmte Einkommen. Wer sich ungerechfertigter Weise hier freut, ist der Bundesfinanzminister.

Kleiner Tip am Schluß:
Dieses Mehr kann auch als Fahrtkosten abgerechnet werden, welche noch steuerfrei sind.

Schönen steuerfreien Tag noch.

Herr Marcel Europaeer

13.08.2014, 08:19 Uhr

Am sozialverträglichsten wäre es natürlich, wenn der pflichtbewusste deutsche Arbeitnehmer bis zu seinem 80. Geburtstag arbeitet, am letzten Arbeitstag seinen Schreibtisch oder seine Werkbank blitzsauber aufräumt, sich verabschiedet und in der 1. Nacht ins Rentnerleben verstirbt.

Das Gejammer um die angeblich so schwer zu ersetzenden erfahrenen, altgedienten Mitarbeiter ist heuchlerisch. Wenn jemand mit 63 in Rente gehen darf, hat er im Regelfall 45 Jahre gearbeitet. Das ist Zeit genug, um für Nachwuchs zu sorgen. Wenn die Arbeitgeber das versäumen, haben sie ganz einfach ihre Hausaufgaben nicht gemacht.

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