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21.02.2004

15:12 Uhr

Abschaltungen wirtschaftlich vertretbar

Gefahr von Terrorangriffen auf Atomkraftwerke

Nach Ansicht des Chefs der Strahlenschutzbehörde, König, sind die Atommeiler in Deutschland ungenügend gegen Terrorangriffe geschützt. Fünf Kraftwerke sollten abgeschaltet werden.

HB BERLIN. Der Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, hält Angriffe von Terroristen mit Passagierflugzeugen auf deutsche Atomkraftwerke für möglich. Die deutschen Stromkonzerne forderte er in der «Berliner Zeitung» auf, fünf von 18 Kernkraftwerken «vorzeitig» vom Netz zu nehmen.

König nannte dem Blatt zufolge die Meiler Philippsburg 1, Isar 1, Brunsbüttel, außerdem Biblis A sowie Obrigheim. Bei diesen Reaktoren handele es sich um Kernkraftblöcke älterer Bauart. Sie böten keinen ausreichenden Schutz gegen Terrorangriffe mit Passagierflugzeugen, erklärte der BfS-Präsident. Im Gegenzug könne dafür die Industrie gemäß dem mit der Regierung vereinbarten Energiekonsens andere, neuere Anlagen länger laufen lassen.

König berief sich bei seiner Gefahrenanalyse auf eine Studie der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS). Der BfS-Präsident kritisierte zugleich den bislang laxen Umgang der Kraftwerksbetreiber mit der Terrorgefahr: «Ich finde, die Konzerne sind ihrer Verantwortung noch nicht in dem Maße gerecht geworden, wie es nach dem 11. September 2001 nötig gewesen wäre.» Die vorzeitige Abschaltung der genannten fünf Kraftwerke und die Übertragung ihrer Restlaufzeiten auf andere Reaktoren halte er «für wirtschaftlich vertretbar und rechtlich möglich».

Als problematisch bezeichnete König Bemühungen, die Kernkraftwerke durch Einnebeln gegen Terrorangriffe mit Flugzeugen zu schützen. Wenn der Eindruck entstehe, dass dies die wesentliche Vorsorgemaßnahme sei, könne man nicht mit gesellschaftlicher Akzeptanz rechnen.

Nach bisherigen Plänen soll Obrigheim im Mai 2005 vom Netz gehen. Es wäre nach dem Kraftwerk Stade die zweite, politisch veranlasste Abschaltung.

Der Stromkonzern EnBW Energie Baden-Württemberg wies die Forderungen des Bundesamtes zurück. Die Bedenken seien «nicht nachvollziehbar», erklärte das Unternehmen am Samstagabend in Karlsruhe. Die Betreiber hätten sich nach dem 11. September 2001 freiwillig bereit erklärt, den Schutz der Atomkraftwerke zu verbessern. Dies geschehe in enger Abstimmung mit den verantwortlichen staatlichen Behörden.

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