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14.06.2012

12:38 Uhr

Absichtserklärung

Bund kooperiert mit Frankreich bei Rüstung

Deutschland und Frankreich wollen im Bereich Rüstung kooperieren. Die beiden Länder wollen künftig gemeinsam als ein Einkäufer auftreten. Die Zusammenarbeit könnte ein Vorbild für die ganze EU werden.

Deutschland und Frankreich kaufen künftig gemeinsam Kampfhubschrauber wie den „Tiger“. dpa/picture alliance

Deutschland und Frankreich kaufen künftig gemeinsam Kampfhubschrauber wie den „Tiger“.

BerlinDeutschland und Frankreich planen eine weitreichende Rüstungskooperation mit dem Ziel, langfristig ihre Einkaufsmacht auf dem milliardenschweren Markt zu bündeln. Auf der Messe Eurosatory unterzeichneten die Verteidigungsstaatssekretäre beider Länder am Donnerstag in Paris eine Absichtserklärung, die eine enge Abstimmung bei der Konzeptionierung der nächsten Generation Panzer und Artillerie sowie eine Vereinheitlichung laufender europäischer Projekte wie des Kampfhubschraubers Tiger und des Transporthubschraubers NH-90 anstrebt. Die beiden Staaten wollen zudem zusammen mit Großbritannien Möglichkeiten für die Entwicklung einer europäischen Drohne ausloten, an der sich Spanien, Italien und auch andere beteiligen könnten. Bei der Raketenabwehr sollen ebenfalls Chancen einer Kooperation geprüft werden, wie aus der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Absichtserklärung hervorgeht. Auch hier könnte Italien mit einsteigen, das bisher zusammen mit Deutschland am auslaufenden Meads-Programm beteiligt ist.

„Das Gesetz der Menge wird künftig fast durchweg gegen uns spielen“, sagte der deutsche Verteidigungsstaatsekretär Stephane Beemelmans. „Die höhere Komplexität der modernen Systeme und die Bestellung kleinerer Mengen durch die einzelnen Staaten fressen das Rationalisierungspotenzial auf.“ Dies könne man entweder dulden oder man könne sich mit einem Partner wie Frankreich zusammentun, um gemeinsam auf eine größere Menge zu kommen. Knapp 50 Jahre nach der Unterzeichnung des Elysee-Vertrags solle die neue deutsch-französische Achse eine frische Dynamik in die Rüstungskooperation bringen und zugleich die Basis für eine Zusammenarbeit bilden, an die auch andere Staaten andocken könnten.

Wie an anderen Stellen in der EU könnten Deutschland und Frankreich auch hier der Motor sein, sagte Beemelmans. „Wir müssen eine Plattform bilden, auf die andere mit aufsteigen können. Das haben Deutschland und Frankreich schon sehr oft praktiziert, das wollen wir auch jetzt wieder tun.“ Langfristiges Ziel sei, dass beide Länder wie ein Einkäufer auf dem Markt aufträten.

In der Vergangenheit hatten Deutschland und Frankreich einander dagegen häufig Konkurrenz gemacht, etwa mit den Kampfjets Eurofighter und Rafale, auf dem U-Boot-Markt und bei den Fregatten. Auch die Entwicklung einer europäischen Drohne scheitert bisher daran, dass der europäische Konzern EADS einerseits und ein Bündnis aus französischer Dassault und britischer BAE Systems andererseits um das Vorhaben konkurrierten. Geld ist jedoch, wenn überhaupt, nur für eine Drohne vorhanden.

Kommentare (9)

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sharwes

14.06.2012, 13:02 Uhr

Vive la France - und wieder lässt sich der deutsche Michel über den Tisch ziehen. Wer hat denn den technologischen Vorsprung? Deutschland! Wie war es noch mit der geplanten Werftenunion, wo zum Glück mal jemand auf deutscher Seite aufgewacht war und offen ausgesprochen hat, dass die Franzosen technologisch und wirtschaftlich nicht auf Augenhöhe sind und nur abgezockt hätten? Deutschland sollte lieber nach franösischer Manier die eigenen Rüstungskonzerne zusammendrängen um international besser aufgestellt zu sein. Ja ja, keine deutschen Waffen für die Welt ... aber wenn wir die nicht liefer und damit Einkommen und Arbeitsplätze sichern, liefert halt jemand anderes.

DerMichel

14.06.2012, 13:11 Uhr

Haben die Deutschen denn immer noch nichts aus EADS/Airbus/Aventis/Areva/Siemens gelernt? Diese Blauäugigkeit kann doch nicht wahr sein. Adieu deutsche Technologie- und Fertigungnskompetenz, monsieur. Mit allen Ländern wäre eine Kooperation denkbar, aber doch doch nicht mehr mit Frankreich. Ist das politische Gedächtnis denn so kurz? Aus allen Kooperationen haben die Franzosen die Technologi abgezogen. Die Flugtechnik von Airbus machen bereits die Franzosen, die Abwassertanks der Airbusse die Deutschen. Das nenne ich ausgewogen. Nicht umsonst haben die Franzosen eine Hochschule für Wirtschaftskrieg, genau hier wird gelehrt, wie man mit Kooperationen den "Gegner" schwächt.
Michel, wache auf!

Account gelöscht!

14.06.2012, 13:35 Uhr

Blind versprochen: 'Bessere Einkaufskonditionen' werden mit ganz großer Garantie überwiegend FRANZÖSISCHE ARBEITSANTEILE finanzieren.

Wir Deppen lassen uns mal wieder wegen vermeintlicher 'paar Mark fufzisch' Kooperationsvorteil (die in volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung sowieso nur in Frankreich ankommen) unsere eigene Budget-Hoheit einsacken.

Was sind wir doch für RÜCKGRATLOSE DEPPEN. Mich nervt es ungemein, wie dilettanisch übertolerant den ANDEREN INTERESSEN gegenüber wir unsere EIGENEN Nationalen Interessen (die sowieso keiner mehr kennt) verspielen.

Himmel, echt.

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