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31.03.2013

14:58 Uhr

„Absurde“ Förderung

Union fordert Sofort-Stopp von Ökostrom-Subventionen

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie erneuerbaren Energien sind auf dem Vormarsch und werden stark subventioniert. Joachim Pfeiffer, Sprecher der Unionsfraktion, schlägt Alarm. Die Förderung müsse sofort gekappt werden – oder es wird richtig teuer.

Sonnenkollektoren auf einer Wiese – die Union will die Subventionierung von Ökostrom stoppen. dapd

Sonnenkollektoren auf einer Wiese – die Union will die Subventionierung von Ökostrom stoppen.

BerlinAngesichts des rasant ansteigenden Anteils an erneuerbaren Energien am Stromverbrauch fordert die Union drastische Konsequenzen. Die Plattform „Agora Energiewende“ hat prognostiziert, dass spätestens an Pfingsten zum ersten Mal in Deutschland Stunden geben könne, an denen rechnerisch der komplette Strombedarf durch Erneuerbare Energie gedeckt ist.

Das zeige, dass die erneuerbaren Energien den Kinderschuhen entwachsen und keine Nischentechnologie mehr seien, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer (CDU), Handelsblatt Online. „Konsequenterweise ist es längst überfällig, dass sie aus dem heutigen System der Vollsubventionierung entlassen werden und auf eigenen Beinen stehen.“

Energiewende: An Ostern sind 100 Prozent Ökostrom möglich

Energiewende

exklusivAn Ostern sind 100 Prozent Ökostrom möglich

An Ostern könnte erstmals der gesamte Stromverbrauch Deutschlands mit erneuerbaren Energien gedeckt werden. Und der Ausbau geht weiter. Experten warnen: Es muss sich Grundlegendes ändern, sonst gibt es richtig Probleme.

Die Erneuerbarer Energien müssten „Systemverantwortung übernehmen“ und in den Markt integriert werden. „Nur so können die ausufernden Kosten für Bürger, Haushalte, Wirtschaft und Arbeitsplätze auch tatsächlich begrenzt werden.“ Im Zuge einer grundlegenden Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gelte es daher insbesondere die jetzigen Festpreisgarantien einzustellen und eine Pflicht zur Direktvermarktung einzuführen.

Nach Ansicht des CDU-Energieexperten Thomas Bareiß sollte die Wegmarke 100 Prozent Erneuerbare Energien bei jedem alle Alarmglocken zum klingeln bringen. „Es zeigt wie absurd unser Erzeugerpark geworden ist“, sagte Bareiß Handelsblatt Online. „Wir bauen kostspielige Überkapazitäten auf und haben trotzdem in manch sonnen- und windarmen Stunden so gut wie keine Versorgung aus erneuerbaren Energien.“ Der Zubau müsse daher jetzt endlich gedrosselt und dafür sinnvoll gesteuert werden.

Wo in Deutschland der meiste Solarstrom produziert wird

Platz 1

Absoluter Spitzenreiter in Sachen Solarenergie ist Bayern: Mit 9422 Megawatt Nennleistung stehen fast 30 Prozent der gesamten deutschen Nennleistung der Solarenergie in dem südlichen Bundesland. Bayern ist jedoch mit 5.257 Megawatt Nennleistung auch führend in Sachen Kernenergie. Zwei der vier Atomkraftwerke gehören Eon, die anderen beiden RWE.

Platz 2

Den zweiten Platz bei der Solarenergie belegt Baden-Württemberg. Die dort installierten Solaranlagen können bei Vollauslastung 4.286 Megawatt Strom erzeugen, das entspricht einem Anteil von 13 Prozent an der gesamten in Deutschland installierten Leistung im Bereich Solar. Ganz weit vorne liegt das Bundesland bei den Pumpspeicherkraftwerken: In Baden-Württemberg stehen Anlagen mit einer Nennleistung von 1.873 Megawatt.

Platz 3

Platz 3 der Bundesländer mit den meisten Solaranlagen belegt mit 3.569 Megawatt Nordrhein-Westfalen. Das Bundesland ist jedoch auch Spitzenreiter bei der klimaschädlichen Braunkohle: Fast die Hälfte der deutschen Gesamtleistung produzieren die Kraftwerke dort.

Platz 4

Den vierten Platz im Ranking der Bundesländer belegt Niedersachsen mit 3.043 Megawatt installierter Leistung. Absolute Spitze ist das Land jedoch in Sachen Windkraft an Land: Fast ein Viertel der installierten Leistung in Deutschland steht dort.  

Platz 5

Brandenburg führt die Gruppe der Ostländer an und belegt den fünften Platz im Ranking: 2.629 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Platz 6

Den sechsten Platz bei der Solarenergie belegt Hessen. Die dort installierten Solaranlagen können bei Vollauslastung 1.591 Megawatt Strom erzeugen.

Platz 7

Rheinland-Pfalz belegt den siebten Platz im Ranking: 1.471 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Platz 8

Solaranlagen mit 1.433 Megawatt Nennleistung stehen in Sachsen-Anhalt. Gemeinsam mit Wind stellt die Sonne den wichtigsten Energieträger für das Land dar.

Platz 9

1.318 Megawatt Solarstrom könnten in Sachsen bei voller Auslastung produziert werden. Hauptstromlieferant ist jedoch die Braunkohle – fast die Hälfte der installierten Nennleistung in dem Bundesland geht auf diesen Energieträger zurück.

Platz 10

Schleswig-Holstein belegt den siebten Platz im Ranking: 1.283 Megawatt Solarstrom könnte dort bei voller Auslastung produziert werden.

Erforderlich ist aus Sicht von CDU-Wirtschaftspolitiker Pfeiffer ein „europatauglicher Marktmechanismus“, der sowohl die erneuerbaren Energiequellen als auch konventionelle Kraftwerke und Speicher umfasse. „Das heißt, dass auch bei der Vermarktung der erneuerbaren Energien künftig die gesicherte Leistung im Vordergrund stehen muss und nicht die bloße Produktion einer Strommenge, egal ob sie gerade gebraucht wird oder nicht.“

Wer Strom anbiete, müsse ihn auch selbst vermarkten, betonte Pfeiffer. Dadurch sei der Erzeuger gezwungen, sich Gedanken darüber zu machen, wie er den Strom zu der Zeit liefern könne, wenn dieser Strom auch abgenommen werde. „Scheint gerade einmal nicht die Sonne oder weht nicht der Wind, so muss er sich um hinreichende Ersatzkapazitäten kümmern, sei es aus Speichern, sei es aus konventionellen Kraftwerken.“

Dadurch entstehe automatisch ein Wettbewerb um eine möglichst effiziente Bereitstellung solcher gesicherten Kapazitäten. „Einen weiteren Subventionstopf brauchen wir dafür nicht, dies würde nur mehr Planwirtschaft schaffen und neue Kosten produzieren, die am Ende wieder der Verbraucher tragen muss“, sagte Pfeiffer.

Bei Thema Energiepreise versucht die CSU, den Druck auf Bundeskanzlerin Merkel zu erhöhen. Bayerns Umweltminister Huber forderte von der Kanzlerin grünes Licht für eine Senkung der Stromsteuer. Der Nachrichtenagentur dapd sagte er, es seien Sofortmaßnahmen nötig, um die Bürger vor den steigenden Strompreisen zu schützen.

Wie viel Haushalte für die EEG-Umlage pro Person monatlich zahlen müssen

Singles

2011 mussten Alleinstehende noch 6,34 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,51 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 9,49 Euro oder 0,72 Prozent des Einkommens sein.

Paare ohne Kinder

2011 mussten Paare ohne Kinder noch 6,47 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,31 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 9,68 Euro oder 0,44 Prozent des Einkommens sein.

Alleinerziehende

2011 mussten Alleinerziehende noch 5,94 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,6 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 8,88 Euro oder 0,85 Prozent ihres Einkommens sein.

Paare mit Kindern

2011 mussten Paare mit Kindern noch 5,65 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,34 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 8,45 Euro oder 0,48 Prozent ihres Einkommens sein.

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der CSU-Mittelstands-Union, Michelbach. Er warnte davor, dass die Energiepreise zum Konjunkturrisiko werden könnten. - Die Bundeskanzlerin lehnt eine Senkung der Stromsteuer ab, weil es dafür im Haushalt 2014 keine Spielräume gebe.

Mit Material von dapd

Kommentare (53)

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laika0231

31.03.2013, 15:59 Uhr

Die Herren Pfeiffer und Bareiß sind als Anhänger der konventionellen Stromerzeugung bekannt. Sie scheinen beide den Sinn der Energiewende sowie deren Vorteil für die deutsche Wirtschaft nicht akzeptieren zu wollen. Durch ihre ständigen Querschüsse gegen das EEG sollen die Investoren verunsichert werden. Hier muss die Kanzlerin unbedingt ein Machtwort sprechen. Wollen wir hoffen, dass die Herren Pfeiffer und Bareiß im nächsten Bundestag nicht mehr vertreten sind und durch kompetente Vertreter ersetzt werden.

Account gelöscht!

31.03.2013, 16:29 Uhr

Subventionen streichen!?
Ja, es gibt auch sinnvolle Subventionen - die in Landwirtschaft sind teilweise sinnvoll, dann z. B. wenn (über Steuern, also sozial nach Einkommen belastet) Lebensmittel billiger werden. Nicht sinnvoll sind z. B. Massenanbau von Mais für Ethanolgewinnung (weil energetisch gesehen negativ).
Im Steinkohlebergbau und ähnlichen Industrien sind Subventionen sinnvoll, wenn eine Industrie für Exportzwecke (Maschinen, Anlagen) unterstützt wird, die dann natürlich auch Versuchsproduktionesstätten haben muss. Das gilt eventuell noch auch für Windkraftanlagen.

"Erneuerbare Energie"-Anlagen sind volkswirtschaftlich völliger Unsinn, wenn damit nur andere Volkswirtschaften finanziert werden - besonders deutlich bei PV (hier: China). Und auch energetisch betrachtet, wenn z. B. chinesische PV nur desahalb billiger ist, weil in China mit absurd billiger Kohleenergie (unter 2 ct/KWh!!) Umwelt und Lohnarbeitet belastet wird.
Fazit: So allgemein, wie es der Artikel beschreibt, kann der Abbau von Subventionen nicht gefordert werden.

Account gelöscht!

31.03.2013, 16:33 Uhr

Vor allem müssen wir auch die energieintensiven Produktionen hegen und pflegen.
Wir brauchen Aluminium, Stahl, Kupfer, Badezimmeramarturen etc. und jede Fabrik die wegen hoher Energiepreise ins Ausland geht, erzeugt dort wegen lascher Gesetze 1,5-3 mal soviel Luftschadstoffe, vom Dreck, der ins Wasser geht, mal ganz zu schweigen.
Und, soweit ich weiss, kennen Luft- umd Wasserschadstoffe keine Grenzen.

Es wird Zeit, dass Umweltpolitik ganzheitlich denkt u. solch kontraproduktiven Folgen bedenkt.
Wenn dann auf Parteitagen ein "dummer" -Tritt ihn- verkündet wieviel Luftschadstoffe in D weniger produziert wird u. Analysen unterdrückt werden, die besagen dass sich die Luftschadstoffe durch Eintrag von außen dennoch erhöht haben, was soll man dann von solchen Nebelkerzen halten, wo sich Parteien mit letztendlich falschen Angaben selbst beweihräuchern?
Wählerstimmenmanipulationen oder was?
Dann können sie gleich bei der unglaublich dummen Wärmedämmverordung weitermachen.
Es laufen Schmalspurenergieberater herum, die teilweise selbst glauben, es wäre gut, wenn man ein Haus komplett abdichtet. Luftschadstoffe können dann nicht mehr heraus, auch nicht durch Stoßlüftungen oder Zwangsentlüftungen in Fenstern, denn lästigerweise gibt es Flure, Ecken und eine Mänge störender Möbel. Durch kluge (!) dampfoffene Bauweise erreiche ich, das Feuchtigkeit (20l. tägl. bei 4 P) u. Schadstoffe (In Teppichen, Baumaterialien u. Möbeln) raus kann, durch natürlichen Dampfdruck u. die Wärme bleibt durch eine Wärmetauscherfunktion der Wand drinnen. Ferner kann so, im Gegensatz zu Aussenisolierungen die Wärmeenergie der Sonne in die Wand eingebracht und gespeichert werden.
Weg mit der, v.d. DämmstoffindustrieStammendenSchwachsinnsWärmedämmvordnung, weg m. Dampfsperren, zusammenfallenden feucht gewordenen Isolierungen u. politischen Dumpfbacken, die nur ihre Beraterverträge im Kopf haben.
Der Witz ist, teure Gutachten, klasse Konzepte von diversen Instituten liegen vor, nur lesen tut's keiner.

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