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25.01.2010

12:54 Uhr

Acht Euro mehr

Nahezu alle Krankenkassen erheben Zusatzbeitrag

Es kommt zum Dominoeffekt: Nachdem die DAK als erste Krankenkasse die Einführung eines Zusatzbeitrages angekündigt hat, werden wohl fast alle weiteren gesetzlichen Kassen im Laufe des Jahres nachziehen. Vier Milliarden Euro fehlen im Gesundheitsfonds.

DAK-Karte: Nach dem Vorstoß der Angestellten-Kasse planen nun beinahe alle Versicherungen Zusatzbeiträge. ap

DAK-Karte: Nach dem Vorstoß der Angestellten-Kasse planen nun beinahe alle Versicherungen Zusatzbeiträge.

HB BERLIN. Fast alle gesetzlichen Krankenkassen wollen bereits 2010 Zusatzbeiträge erheben, die DAK beispielsweise bereits ab 1. Februar pauschal acht Euro im Monat. Das kündigte der DAK-Vorstandsvorsitzende Herbert Rebscher am Montag in Berlin an. Rebscher sagte, es gebe "eine ganze Menge Kassen, die diesen Weg in den nächsten Wochen gehen müssen".

Die Vorstandschefin des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung, Doris Pfeiffer, rechnet damit, dass solche Zahlungen spätestens im kommenden Jahr für fast alle gesetzlich Versicherten fällig werden. Sie sagte am Montag im Deutschlandfunk: "Wir haben bei den gesetzlichen Krankenkassen in diesem Jahr ein Defizit von 7,8 Mrd. Euro." Das sei kein Managementfehler. Es werde aber zu viel Geld für nutzlose Dinge ausgegeben. Trotz eines Zuschusses aus der Staatskasse bleibt unter dem Strich wohl ein Minus von vier Mrd. Euro übrig. Gesundheitsexperten sagten voraus, dass zur Jahresmitte jedes zweite der rund 51 Mio. Kassen-Mitglieder betroffen sein wird.

Auch Günter Neubauer vom Institut für Gesundheitsökonomik in München bestätigte, dass es 2010 eine Unterfinanzierung des Gesundheitsfonds von vier Milliarden Euro geben wird. "Die durch den Gesetzgeber angelegte Finanzarchitektur des Fonds hat zur Konsequenz, dass die meisten Krankenkassen im Laufe des Jahres 2010 Zusatzbeiträge nicht vermeiden können." Sie würden bei vielen Krankenkassen bereits in den nächsten Wochen und Monaten beschlossen.

Entsprechend äußerten sich Wolfgang Lange vom Brancheninformationsdienst dfg sowie der Kieler Gesundheitsökonom Thomas Drabinski in der "Bild"-Zeitung. Das wären rund 25 von 51 Mio. zahlenden Kassenmitgliedern. Zusammen mit den beitragsfrei Mitversicherten gibt es insgesamt rund 70 Mio. Versicherte in den gesetzlichen Kassen.

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten, Wolfram-Arnim Candidus, riet davon ab, wegen der Zusatzbeiträge die Kasse zu verlassen. Ob man dann besser wegkomme, wisse man nicht. Er kritisierte im Sender n-tv: "Wir haben eine falsche Gesundheitspolitik, die daher rührt, dass man eigentlich nur nach Einnahmen und Ausgaben reagiert." Die Politik traue sich nicht, die Strukturen zu verändern und das Gesundheitswesen effizienter zu machen.

Kommentare (22)

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Thomas

25.01.2010, 14:51 Uhr

ist hier etwa eine Absprache getroffen worden? Den alle auf einmal ist schon ein wenig merkwürdig

Hofmann,M

25.01.2010, 15:37 Uhr

Der Wettbewerb kommt endlich in Gang!!!
Nahezu alle - also nicht Alle!
Die Versicherer sollen sich kundig machen und am besten Wechseln. Jetzt gibt es endlich den Unterschied bei den beiträgen.

smint

25.01.2010, 15:49 Uhr

Noch vor einem Jahr kamm meine Kasse mit 13,5% zurecht nunn sind es 14,9% und noch zusätzlich die 8 EUR. Einige erhöhen und der Rest legt nach. Alles Absprache!!

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