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04.03.2004

11:51 Uhr

Ad-hoc-Umfrage

Volkswirte zu den Arbeitsmarktzahlen

Volkswirten zufolge ist eine deutliche Erholung am Arbeitsmarkt kurzfristig nicht zu erwarten. Die am Donnerstag von der Bundesagentur für Arbeit (BA) veröffentlichten Zahlen zeigten, dass die Konjunktur noch keine Impulse für den Arbeitsmarkt setze, lautet die einhellige Meinung.

HB FRANKFURT. Der saisonbereinigte Anstieg der Arbeitslosenzahl im Februar um 26 000 bilde die Situation am Arbeitsmarkt deutlich besser ab als der Rückgang um 81 000, den die BA für Januar berichtet hatte. Im Vormonat seien starke Verzerrungen durch die Umstellung der Erfassung aufgetreten. Die BA berücksichtigt in ihrer Statistik keine Arbeitslosen in Trainingsmaßnahmen mehr.

Die Wirkung der Hartz-Maßnahmen lasse offenbar nach und die Konjunktur schlage jetzt voll durch, sagte Stefan Mütze von der Helaba. Auch Klimaeffekte könnten im Februar zu einer hohen Arbeitslosenzahl geführt haben. Denn der Januar sei eher mild gewesen, der Februar hingegen recht kalt. Das wirke sich beispielsweise auf die Bautätigkeit aus. Generell mahnt Mütze derzeit zur Vorsicht bei der Interpretation der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl. Der Statistikeffekt durch die Umstellung der Erfassung müsse erst verdaut werden.

Als leicht positives Signal wertet Mütze die Erhöhung der Zahl an offenen Stellen. Die BA hatte für Februar 309 064 offene Stellen berichtet nach 276 732 im Januar. Das weise auf eine Erholung hin, so Mütze. Auch die Entwicklung bei den Erwerbstätigen sieht er bedingt optimistisch. Der Stellenabbau sei nahezu zum Erliegen gekommen. Für Dezember 2003 hatte die BA einen Rückgang um 175 000 Personen bzw 0,5 % auf 38,5 Millionen berichtet. Im Frühjahr und Sommer lag der Rückgang noch bei 1 % bis 1,5 %.

Andreas Scheuerle von der DekaBank hält in den kommenden Monaten eine leichtes Minus bei der Arbeitslosenzahl für denkbar. Der März, ein Monat mit traditionell starker Frühjahrsbelebung, könnte 5 000 bis 10 000 weniger Arbeitslose bescheren. In einer Belebung könnte sich der Statistikeffekt aus der Umstellung der Arbeitslosenerfassung allerdings umdrehen, der Rückgang an Arbeitslosen würde dann schwächer ausfallen als erwartet, warnt Scheuerle. Dieser Effekt sei im Voraus aber nur schwer zu quantifizieren.

Eine nachhaltige Erholung des Arbeitsmarktes erwartet Carsten Klude von MM Warburg frühestens Ende dieses Jahres. Der Arbeitsmarkt folge der Konjunktur und die liefere bisher einfach keine Impulse. In der Vergangenheit sei ein Wirtschaftswachstum von rund 2% nötig gewesen, um den Arbeitsmarkt zu beleben. Diese Größenordnung werde 2004 wohl nicht erreicht. Die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes durch Minijobs und einen gelockerten Kündigungsschutz könne künftig allerdings einige Stellen auch unterhalb eines Wachstums von 2 % schaffen, so die Volkswirte.

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