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10.10.2012

09:43 Uhr

Ärztestreik

„Das ist ein Sklavenaufstand“

Zehntausende Ärzte gehen auf die Straße und Praxen bleiben geschlossen - sie zielen auf die Krankenkassen. Dabei hätten einige Mediziner Grund genug, die Verteilung des Gelds in der Ärzteschaft selbst zu beklagen.

An der Eingangstür einer Arztpraxis hängt ein Hinweiszettel mit der Aufschrift „Diese Praxis bleibt heute geschlossen“. dpa

An der Eingangstür einer Arztpraxis hängt ein Hinweiszettel mit der Aufschrift „Diese Praxis bleibt heute geschlossen“.

Berlin Trotz der Einigung im Honorarstreit mit den Krankenkassen müssen sich viele Patienten am Mittwoch auf Protestaktionen von niedergelassenen Ärzten einstellen. Die Medizinerverbände kündigten an, dass viele Praxen nur eingeschränkt arbeiten oder geschlossen bleiben würden. Erwartet werde die Teilnahme von 20.000 bis 30.000 Ärzten, sagte ein Sprecher der gemeinsamen Koordinierungsstelle. Die Schwerpunkte liegen demnach in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Bayern und Berlin. Kundgebungen sollten an 34 Orten stattfinden.

Im wochenlangen Streit über mehr Geld für die niedergelassenen Ärzte war am Dienstag ein Kompromiss erzielt worden. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung einigte sich mit dem Spitzenverband der Krankenkassen auf eine Honorarsteigerung zwischen 1,15 und 1,27 Milliarden Euro. Die Details sollen in den kommenden Wochen bei Gesprächen auf Landesebene geklärt werden. Ein Schlichtungsergebnis von Ende August sah für die rund 150.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten zunächst ein Plus von 270 Millionen Euro im kommenden Jahr vor. Die Mediziner hatten 3,5 Milliarden Euro gefordert.

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Ein Sprecher der Koordinierungsstelle erklärte am Mittwoch, es gehe nicht nur um das Honorar, sondern um die Gesamtbedingungen. Die Mediziner verlangten feste Preise für ihre Leistungen. "Es gibt keinerlei Transparenz, wie ärztliche Leistungen vergütet werden." Zudem griffen die Kassen in die Therapiehoheit der Ärzte ein. So hätten Krankenkassen einen Grippeimpfstoff ausgeschrieben. Weil der Hersteller nicht liefern könne, gebe es in Bayern, Schleswig-Holstein und Hamburg Engpässe.

„Dies ist kein Ärztestreik - dies ist ein Sklavenaufstand“, war auf Protestschildern zu lesen, als sich rund 30 000 Ärzte 2006 in Berlin versammelten. Seither sind die Ausgaben der Krankenkassen für Ärzte um rund fünf Milliarden Euro gewachsen. Doch haben die Funktionäre den Ärzten jetzt kaum weniger deutliche Slogans vorgeschlagen, etwa: „Wir kümmern uns um die Rentner, Krankenkassen um die Rendite“. Und für Ärzte, die das Demonstrieren noch nicht so gewohnt sind, gibt es Tipps: „Zu große und schwere Plakate sind insbesondere beim Umzug eine Plage.“

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Auf was müssen sich die Patienten in Zukunft einstellen? Zunächst geht es nur um geschlossene oder teils geschlossene Praxen an diesem einzelnen Aktionstag. 25 000 bis 30 000 Mediziner und Angestellte wollen laut Organisatoren mitmachen. Allein die Zahl von 150.000 Ärzten und Psychotherapeuten insgesamt zeigt, dass eine Mehrheit wohl auf eine Teilnahme verzichten will.

Die Allianz der Ärzteverbände, die die Proteste organisiert, will über nächste Eskalationsstufen zwar bald beraten. Doch einen richtigen Streik wird es nicht geben. Denn jeder Vertragsarzt hat eine Präsenzpflicht. Die Mediziner müssen bei einer vollen Zulassung an ihrem Arztsitz persönlich mindestens 20 Stunden wöchentlich in Sprechstunden zur Verfügung stehen.

Kommentare (5)

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NKM

10.10.2012, 11:50 Uhr

Zitat:

Für die Verteilung des Gelds sind die 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) in den Regionen zuständig. Und je nach Einfluss der einzelnen Facharztgruppen gibt es für die einen oder anderen Mediziner mehr oder weniger Geld. Hinter den Kulissen fehle es den Ärzten an jeder Solidarität mit den Kollegen, kritisiert der ehemalige Chef der KV Nordrhein, Leonhard Hansen, in der „Zeit“: „Es geht nur noch darum, sich das größte Stück vom Kuchen abzuschneiden.“

Sowas kommt dabei raus, wenn man Gesundheit (oder Besser Krankheit, denn an der Gesundheit der Menschen haben auch die Ärzte keinerlei Interesse mehr) zur Ware macht und damit den Hypokratischen Eid und jedweden Humanismus ect. ad absurdum führt.
Ein völlig anderes, auf der echten Gesundheit der Menschen basierendes System muss her.
1. dann würde sich ganz schnell die Spreu vom Weizen trennen, denn ein schlechter Arzt würde nicht lange überleben
2. unnötige Indikationen würden aufhören und man würde sich aufs Wesentliche konzentrieren können - die Ursache und deren Beseitigung/Eindämmung.
3. Es würde für Staat, Kassen und Patienten endlich wieder bezahlbar werden (ups, dagegen stehen die Interessen der Pharmakonzerne, Aphoteker, Ärzte und Therapeuten - ich vergass)

Also Patienten aller Fraktionen (ob nun privat oder gesetzlich Versichert) - geht auf die Straasen und fordert ihr mal euer Recht. Nämlich das Recht auf HEILUNG und nicht nur Symptombekämfung.

Gast

10.10.2012, 12:28 Uhr

Das ist ja wohl eine Verunglimpfung der heutigen Sklaven (Zwangsarbeiter, Zwangsprostituierte). Diese Menschen können es sich nicht aussuchen ob, wann, wo und mit wem sie arbeiten und leben wollen. Dazu bekommen sie kein Geld.

Wie viele Ärzte haben sich in der Bundesrepublik schon zu Tode geschuftet?

Was fällt Ärzten ein sich mit Sklaven zu vergleichen?

Benutzer

10.10.2012, 13:42 Uhr

270 Millionen sind für die Ärzte, der Rest für Psychotherapie. Das sind für jede Praxis 150€ mehr Umsatz (!!) pro Monat.
Ständig wird über Milliarden und Verteilung geredet und damit verschleiert, das die einzelne Leistung des Arztes praktisch nichts wert ist. Außer den Ärzten haben auch alle Interesse daran, das das so bleibt. Jede Kreissparkasse kalkuliert mit 400€ Umsatz pro Stunde für ihre Berater, ein Pflegedienst bekommt 12,33€ für eine Spritze und Ärzte sollen all- inclusive für 12 bis 15€/ Quartal bieten? Jeder bekommt was er braucht, aber muß auch dafür bezahlen.

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