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27.05.2015

17:09 Uhr

AfD-Alphatiere Lucke und Petry

Wenn zwei sich streiten

Bernd Lucke will Frauke Petry von der Spitze der AfD fernhalten – und umgekehrt. Nun schlägt Lucke vor, ein Dritter soll die Führung der Partei übernehmen. Doch seine Konkurrenten reagieren prompt – und scharf.

Die Rivalen im AfD-Vorstand: Bernd Lucke und Frauke Petry. dpa

Bernd Lucke und Frauke Petry

Die Rivalen im AfD-Vorstand: Bernd Lucke und Frauke Petry.

DüsseldorfMit einer Erneuerung der Führungsspitze soll die Spaltung der AfD in eine liberal-konservative und eine rechtsnationale Partei verhindert werden. Einen Vorschlag, der schon länger in der Partei kursiert, greift nun auch Parteichef Bernd Lucke auf. Weder er, noch seine Rivalin Frauke Petry, sondern ein dritter Kandidat könnte die AfD künftig führen. Der „Zeit“ sagte Lucke: „Eine sehr gute Lösung wäre jemand, der das Vertrauen beider Seiten genießt, sodass der Konflikt in der Partei damit gelöst werden könnte.“ Er könne sich eine konkrete Person vorstellen, wolle derzeit aber keinen Namen nennen.

Ein solcher Vorschlag des bayerischen Landesvorsitzenden Andre Wächter wurde am Wochenende bei einem Treffen einiger Landesvorsitzender und Vertreter der Alternative für Deutschland in Würzburg mit großer Mehrheit angenommen. Er sieht vor, dass bei der Neuwahl des Bundesvorstandes im Juni weder Parteigründer Bernd Lucke noch die Co-Vorsitzende Frauke Petry für einen Führungsposten kandidieren sollen. 

Wer hält bei der AfD die Fäden in der Hand?

Bernd Lucke

Parteigründer Bernd Lucke (52) ist der mächtigste Mann in der AfD. Mit der bisher eher basisdemokratischen Führungsstruktur tut sich das ehemalige CDU-Mitglied schwer. Gerne würde er deutschnationale Kräfte und Mitglieder, die radikale Systemkritik wollen, loswerden. Lucke ist gläubiger Christ. Mit der provinziellen Deutschtümelei einiger AfD-Mitglieder kann er nichts anfangen.

Frauke Petry

Frauke Petry (39) stand als Co-Vorsitzende im Bundesvorstand anfangs im Schatten von Lucke. Seitdem die AfD 2014 mit 9,7 Prozent in den sächsischen Landtag eingezogen ist, hat sie an Profil gewonnen. Petry ist Politikneuling. Sie setzt sich im Landtag und auch in der eigenen Partei für mehr Basisdemokratie ein. Die Chemikerin wird dem rechten Flügel zugeordnet. Im Vergleich zu den Forderungen anderer Vertreter dieses Flügels sind ihre Positionen aber eher moderat. Petry ist mit einem evangelischen Pfarrer verheiratet und hat vier Kinder.

Alexander Gauland

Alexander Gauland (74) gehört dem AfD-Bundesvorstand als Stellvertreter an. Sein Landesverband hatte im vergangenen Jahr mit 12,2 Prozent das bislang beste Landtagswahl-Ergebnis für die Partei eingefahren. Gauland ist ehemaliges CDU-Mitglied. Von 1987 bis 1991 leitete er die hessische Staatskanzlei. Gaulands Schwerpunkt ist die Asylthematik. Er will die AfD zu einer Partei machen, die sich vor allem den Sorgen der „kleinen Leute“ widmet.

Konrad Adam

Konrad Adam (73) ist ein konservativer Publizist. Er arbeitete unter anderem für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und die „Welt“. Lucke schätzt Adams rhetorische Fähigkeiten, reibt sich aber häufig an seinen Positionen, vor allem beim Thema Einwanderungspolitik. Adam gehört dem rechten Flügel an. Radikale Kräfte will er in er AfD nicht haben.

Björn Höcke

Björn Höcke (43) ist Wortführer einer Gruppe von rechten AfD-Mitgliedern, die sich eine Anti-Mainstream-Politik wünschen. Der Lehrer für Sport und Geschichte ist Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag. Im März veröffentlichte er die „Erfurter Resolution“. Darin heißt es, viele Mitglieder wünschten sich die AfD als „Widerstandsbewegung gegen die weitere Aushöhlung der Souveränität und der Identität Deutschlands“. Nachdem Höcke vor einigen Tagen erklärt hatte, nicht alle NPD-Mitglieder seien extremistisch, forderte ihn Lucke zum Austritt aus der AfD auf.

Lucke stellte in der „Zeit“ aber auch klar: „Ich will keineswegs austreten. Ich will in der Partei bleiben, und ich will, dass diese Partei Erfolg hat. Und wenn die Partei möchte, dass ich sie führe, stehe ich dafür zur Verfügung. Aber ich dränge mich nicht auf.“ Ein anderer Vorsitzender sei für ihn akzeptabel, „wenn es jemand ist, der die Partei auch wirklich zum Erfolg führen kann“.

Seiner Widersacherin Petry traue er dies aber nicht zu: „Ich vermisse bei ihr die inhaltliche Standfestigkeit, die nötig ist, um ein Abrutschen der Partei zu verhindern.“ Zwischen ihm und Petry habe es mehrfach Vertrauensbrüche gegeben, so Lucke.

„Ich werde davon nichts an die Öffentlichkeit tragen. Aber dass Frauke Petry vorgab, den Kompromiss zur Satzung zu unterstützen, den wir beim Parteitag vereinbart haben, und gleichzeitig unter den sächsischen Mitgliedern Zettel verteilen ließ, mit denen diese aufgefordert wurden, gegen  diesen Kompromiss zu stimmen, hat sich ja inzwischen herumgesprochen.“ Die Zettel seien ebenso wie Zeugen vorhanden.

AfD, eine Partei im freien Fall

Video: AfD, eine Partei im freien Fall

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Im rechten Flügel seiner Partei stößt Lucke mit dem Vorschlag aber auf Ablehnung. „Das ist kein sinnvoller Vorschlag“, sagte Brandenburgs Landeschef Alexander Gauland dem Handelsblatt.

„Wir müssen uns über die Richtung der Partei klar werden. Mit einem Unbekannten an der Spitze wird unsere Partei keinen Erfolg haben“, sagte er.
Gauland griff Lucke für dessen Vorschlag sogar scharf an: „Es geht Lucke nur darum. Frauke Petry zu verhindern“, sagte er. Wer Parteichef werde, entscheide aber der Parteitag und kein Hinterzimmergremium. „Wenn sie kandidieren will, dann kandidiert sie“, so Gauland.

Er bestehe im Gegensatz zu Lucke auch weiter darauf, dass die AfD Themen wie das Nichtabschieben abgelehnter Asylbewerber und Gewaltkriminalität an der polnischen Grenze anspreche: „Das Euro-Thema reicht nicht für eine neue Partei, damit allein haben wir auf Dauer keinen Erfolg. Wir wollen ja auch auf Landesebene in die Parlamente einziehen.“ Zum Umgang mit Rechtsextremen habe die Partei längst entschieden, dass frühere NPD-Mitglieder in ihr keinen Platz haben.

Kommentare (11)

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Herr Jens Großer

27.05.2015, 12:29 Uhr

Dieser Vorschlag von Lucke wäre vielleicht auch die beste Lösung. Aber der oder diejenige müssen wirklich von beiden Seiten akzeptiert und unterstützt werden. Ansonsten geht das gleiche Spiel früher oder später wieder von vorne los!

aza azaziel

27.05.2015, 13:08 Uhr

Das gleiche Spiel geht deswegen frueher oder spaeter wieder los, weil voelkisch-national nicht mit liberal unter einem Dach leben koennen. Beide Seiten sollten versuchen, sich im Guten zu trennen und eigene Parteien zu haben. Das wird wohl beide Seiten schwaechen, aber vielleicht kann man getrennt marschieren und vereint schlagen, da wo sich noch Gemeinsamkeiten finden.

Herr Jens Großer

27.05.2015, 13:37 Uhr

Das ist zu einfach von Ihnen gedacht.

Es gibt inhaltlich keine großen Unterschiede zwischen den Lucke und dem Petry-Lager. Vergleichen Sie doch mal deren Äußerungen zu Zuwanderung, Asyl oder auch Familienfragen. Da werden Sie kaum Unterschiede finden. Wo ich Ihnen zustimme ist bei eher radikalen Kräften wie Höcke. Die müssen irgendwie entfernt werden.

Das sind eher persönliche Differenzen die sich über die letzten Monate richtig angestaut haben und nun offen ausgebrochen sind. Und diesen Riss kann nur eine relativ unbefangene dritte Person kitten!

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