Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.05.2015

14:16 Uhr

AfD-Chef Lucke

Der pokernde Parteichef

Der AfD-Vorsitzende Bernd Lucke lässt seine Partei schmoren - und am Dienstag bekannt geben, welche Bedingungen er für seine Verbleib stellt. Die Widersacher drohen bereits: Die AfD käme auch ohne Lucke zurecht.

Der Parteichef der AfD, Bernd Lucke, hält sich seine Zukunft in der Partei weiterhin offen. dpa

Was will Lucke?

Der Parteichef der AfD, Bernd Lucke, hält sich seine Zukunft in der Partei weiterhin offen.

BerlinIm Richtungsstreit der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland strebt Parteichef Bernd Lucke eine baldige Klärung an. Lucke will nach Medienberichten am Dienstag in Straßburg öffentlich machen, unter welchen personellen und inhaltlichen Bedingungen er zu einem Verbleib an der AfD-Parteispitze bereit ist. Vier Wochen vor dem Bundesparteitag wird der Ton zwischen dem bürgerlichen und dem rechten Flügel immer schärfer.

Luckes Vertrauter Hans-Olaf Henkel plädiert dafür, dessen rechtskonservative Widersacher wie Frauke Petry und Alexander Gauland, aus der AfD zu drängen. „Wir müssen die Partei von diesen Elementen säubern“, sagte das frühere AfD-Vorstandsmitglied dem „Spiegel“.

Eine Kompromisslinie zwischen beiden Lagern sieht der frühere Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) nicht. „Tausende Mitglieder leiden unter diesen Leuten. Sie sagen: „Bitte, vertragt euch.“ Aber sie begreifen nicht, dass das nicht geht“, argumentierte Henkel.

Die Mitvorsitzende Petry hält einen Parteiaustritt Luckes durchaus für möglich. „Sollte Lucke ausscheiden, werde ich weiter für das Projekt AfD kämpfen“, sagte die Vorsitzende des sächsischen Landesverbandes der „Frankfurter Allgmeinen Sonntagszeitung“. Sie wünsche sich, dass Lucke in der Partei bleibe. Zugleich stellte Petry fest: „Er hat sich politisch in eine Sackgasse manövriert.“

Wer hält bei der AfD die Fäden in der Hand?

Bernd Lucke

Parteigründer Bernd Lucke (52) ist der mächtigste Mann in der AfD. Mit der bisher eher basisdemokratischen Führungsstruktur tut sich das ehemalige CDU-Mitglied schwer. Gerne würde er deutschnationale Kräfte und Mitglieder, die radikale Systemkritik wollen, loswerden. Lucke ist gläubiger Christ. Mit der provinziellen Deutschtümelei einiger AfD-Mitglieder kann er nichts anfangen.

Frauke Petry

Frauke Petry (39) stand als Co-Vorsitzende im Bundesvorstand anfangs im Schatten von Lucke. Seitdem die AfD 2014 mit 9,7 Prozent in den sächsischen Landtag eingezogen ist, hat sie an Profil gewonnen. Petry ist Politikneuling. Sie setzt sich im Landtag und auch in der eigenen Partei für mehr Basisdemokratie ein. Die Chemikerin wird dem rechten Flügel zugeordnet. Im Vergleich zu den Forderungen anderer Vertreter dieses Flügels sind ihre Positionen aber eher moderat. Petry ist mit einem evangelischen Pfarrer verheiratet und hat vier Kinder.

Alexander Gauland

Alexander Gauland (74) gehört dem AfD-Bundesvorstand als Stellvertreter an. Sein Landesverband hatte im vergangenen Jahr mit 12,2 Prozent das bislang beste Landtagswahl-Ergebnis für die Partei eingefahren. Gauland ist ehemaliges CDU-Mitglied. Von 1987 bis 1991 leitete er die hessische Staatskanzlei. Gaulands Schwerpunkt ist die Asylthematik. Er will die AfD zu einer Partei machen, die sich vor allem den Sorgen der „kleinen Leute“ widmet.

Konrad Adam

Konrad Adam (73) ist ein konservativer Publizist. Er arbeitete unter anderem für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und die „Welt“. Lucke schätzt Adams rhetorische Fähigkeiten, reibt sich aber häufig an seinen Positionen, vor allem beim Thema Einwanderungspolitik. Adam gehört dem rechten Flügel an. Radikale Kräfte will er in er AfD nicht haben.

Björn Höcke

Björn Höcke (43) ist Wortführer einer Gruppe von rechten AfD-Mitgliedern, die sich eine Anti-Mainstream-Politik wünschen. Der Lehrer für Sport und Geschichte ist Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag. Im März veröffentlichte er die „Erfurter Resolution“. Darin heißt es, viele Mitglieder wünschten sich die AfD als „Widerstandsbewegung gegen die weitere Aushöhlung der Souveränität und der Identität Deutschlands“. Nachdem Höcke vor einigen Tagen erklärt hatte, nicht alle NPD-Mitglieder seien extremistisch, forderte ihn Lucke zum Austritt aus der AfD auf.

Über die Zusammensetzung der neuen Führung soll Mitte Juni ein Bundesparteitag entscheiden. Der zweite Co-Vorsitzende Konrad Adam hatte vor kurzem erklärt, Lucke wolle die AfD verlassen und eine neue Partei gründen. Lucke wollte dies nicht öffentlich kommentieren. Henkel war im April als stellvertretender AfD-Vorsitzender zurückgetreten. Er begründete dies mit Versuchen von „Rechtsideologen“, die Partei zu übernehmen.

In der jüngsten Emnid-Umfrage für „Bild am Sonntag“ muss die AfD vor dem Hintergrund des innerparteilichen Machtkampfes Einbußen hinnehmen. Im Vergleich zur Vorwoche fällt die eurokritische Partei um einen Punkt auf 5 Prozent. In diesem Jahr hatte die AfD bei den beiden Landtagswahlen in Hamburg und Bremen jeweils den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde geschafft.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×