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01.10.2013

11:53 Uhr

AfD-Chefin im Interview

„Wir haben gemeinsame Positionen mit den Linken“

VonJan Mallien

ExklusivDie AfD muss sich breiter aufstellen, sagt ihre Chefin Frauke Petry. Im Interview erklärt sie, um welche Themen es geht und warum ihre Partei bei der Privatisierung von Bürgervermögen ähnlich tickt wie die Linkspartei.

Die AfD Sprecher Bernd Lucke (links) und Frauke Petry (rechts). dpa

Die AfD Sprecher Bernd Lucke (links) und Frauke Petry (rechts).

Sie haben bei der Wahl mit der AfD ein beachtliches Ergebnis erzielt, aber den Einzug in den Bundestag verpasst. Hat die Partei damit schon ihren Höhepunkt überschritten?

Nein, unsere Themen bleiben aktuell. Wir sind durch die Bundestagswahl bekannter geworden. Außerdem bekommen wir jetzt  Mittel aus der Parteienfinanzierung, mit denen wir uns organisatorisch besser aufstellen können.

Bislang wird ihre Partei aber nur mit den Positionen zur Euro-Politik wahrgenommen…

Wir müssen uns thematisch breiter aufstellen. Unsere Unterstützer beschäftigt nicht nur der Euro. Auch an Themen wie Rechtstaatlichkeit,  Steuern, Einwanderung und an der  Europapolitik muss gearbeitet werden. Bei den anderen Parteien sehe ich dazu wenige Ansätze. Wir haben hier eine Aufgabe zu erfüllen.

In den sieben Monaten seit der AfD-Gründung haben alle Parteimitglieder auf die Bundestagswahl hingearbeitet. Doch das große Ziel, der Einzug in den Bundestag, wurde verpasst. Lässt sich die Partei so einfach aufrichten?

Verlieren gehört dazu. Deswegen haben wir in der Führung schon vor der Wahl über Szenarien diskutiert, wie es weiter geht, wenn wir nicht in den Bundestag einziehen. Wir sind alle keine Berufspolitiker. Deshalb müssen wir uns jetzt so organisieren, dass die politische Arbeit mit unserem sonstigen Leben zusammenpasst.

Wer die AfD anführt

Bernd Lucke, Sprecher

Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

Konrad Adam, Sprecher

Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

Frauke Petry, Sprecherin

Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

Der große Wahlgewinner ist die CDU mit Angela Merkel. Ist das Wahlergebnis nicht eine klare Bestätigung für die bisherige Euro-Rettungspolitik?

Viele Deutsche fühlen sich  mit der Politik von Angela Merkel wohl. Das liegt aber auch daran, dass Frau Merkel ihnen nicht die Wahrheit darüber sagt, was in Europa ansteht.  Außerdem hat sie keinen Koalitionspartner. Egal was wir da im Bund bekommen werden, es wird nicht stabil sein.

Die AfD hat bei der Wahl sehr viele Stimmen von der Linkspartei gewonnen. Warum?

Wir haben auch gemeinsame Positionen mit den Linken. Außerdem ist bei uns auch ein Teil Protestwähler dabei, das sollten wir nicht unterschätzen. 

Wo gibt es denn Gemeinsamkeiten mit der Linkspartei?

Zum Beispiel bei der Bankenrettung, die wir ablehnen. Ein anderes Thema ist die Privatisierung von Bürgervermögen. Viele Mitglieder sind zum Beispiel der Auffassung, dass die Wasserversorgung in die Hand des Staates gehört. Da sind wir mit der Linken auf einer Linie, auch wenn die sicher noch viel weiter gehen würden. Bei uns gibt es eine offene Diskussion darüber, welche Aufgaben der Staat wahrnehmen sollte.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

01.10.2013, 12:11 Uhr

Stimmt, wenn Die LINKEN nicht enteignen wollten, Freiheit einschränken, Besitz und Banken verstaatlichen wollten, Geld massiv nach unten verschenken wollten, dann wären sie (teilweise) ganz vernünftig.

GesineFranke

01.10.2013, 12:22 Uhr

Wenn der AfD nichts einfällt als nach Gemeinsamkeiten mit den Linken zu suchen , können sie einpacken !

naja

01.10.2013, 12:33 Uhr

Die AFD als Partner von Die Linke:
Schöner Schlamassel vmtl für beide: fast so wie Spion und Spion aus der us-amerikanischen Mad.

Humor bleibt, wenn man trotzdem lacht, wenn die Partei-Strategos sich mal wieder was ausdenken.

Und was machen wir, wenn das Sandmännchen mehr Gemeinsamkeiten mit der Maus haben sollte als mit sich selbst?

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