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21.02.2014

15:37 Uhr

AfD-Eklat bei N24

Luckes Eigentor

VonDietmar Neuerer

Michel Friedman ist kein einfacher Interviewer. Die Gäste seines N24-Talks haben das immer ausgehalten – bis jetzt. AfD-Chef Bernd Lucke floh, als er mit einer kritischen Frage zu einer Parteikollegin konfrontiert wurde.

Michel Friedman diskutiert mit dem Grünen-Politiker Sarrazin und AfD-Chef Lucke (v. l.), dann kommt es zum Eklat und Lucke verlässt das Studio. PR

Michel Friedman diskutiert mit dem Grünen-Politiker Sarrazin und AfD-Chef Lucke (v. l.), dann kommt es zum Eklat und Lucke verlässt das Studio.

BerlinMan muss Michel Friedman nicht mögen. Der TV-Moderator kann sehr anstrengend sein, wenn er Interviews führt. In seinem N24-Talk „Studio Friedman“ macht er das jede Woche. Ein Thema, zwei Gäste. „Inhaltslose Phrasen haben keine Chance“, umschreibt der Sender das Format. Und tatsächlich geht es in den Sendungen um nichts anderes.

Friedman will den Dingen auf den Grund gehen, und das bekommen die Gesprächspartner zu spüren. Sie wissen aber, auf was sie sich einlassen. Bernd Lucke, Chef der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD), wusste das auch, als er am Donnerstag zur Aufzeichnung erschien.

Doch die Sendung verlief nicht nach dem Geschmack des AfD-Chefs. Obwohl es um Themen ging, bei denen er und seine Anti-Euro-Mitstreiter sich in den vergangenen Wochen mehrmals lautstark zu Wort meldeten. „Freizügigkeit in Europa: billige Arbeitskräfte kommen aus Rumänien und Bulgarien. Die Euro-Krise steckt fest. Die Bürokratie aus Brüssel wird immer schlimmer. Und die einzigen, die dafür bezahlen, sind die Deutschen. Stimmt das?“, spitzte Friedman gleich zu Beginn das Thema zu.

Antworten erhoffte er sich von Lucke und dem zweiten Gast, dem europapolitischen Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Manuel Sarrazin.

Wer die AfD anführt

Bernd Lucke, Sprecher

Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

Konrad Adam, Sprecher

Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

Frauke Petry, Sprecherin

Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

Doch so weit kam es nicht. Lucke verließ die Gesprächsrunde vorzeitig. In einer Pressemitteilung nannte die AfD die Gründe. Friedman sei Lucke ständig ins Wort gefallen, so dass Lucke die Sendung unter Protest verlassen habe. „Als Gast in einer Talkshow erwartet man, in angemessener Weise zu Wort kommen zu dürfen. Dies war bei Herrn Friedman leider nicht möglich“, sagte Lucke. 

Was Lucke vor allem nicht schmeckte, war der Umstand, dass Friedman auf „wertende Fragen“, wie die AfD erklärte, beharrt habe, die erläuternden Antworten von Lucke aber anscheinend nicht habe hören wollen. Friedmann sei vielmehr „immer wieder zu seiner einseitig formulierten Ausgangsfrage auf unverhältnismäßig penetrante Art“ zurückgekehrt.

Was war passiert? Friedman versuchte die AfD mit ihren eigenen Aussagen zu entzaubern. „Die Frage, um die es geht“, sprach Friedman Lucke direkt an und leitete damit den dann folgenden Eklat ein: „Die AfD sieht sich immer als Opfer und sagt: Wir tun das, was andere Parteien nicht mehr tun. Wir sprechen doch nur die Ängste der Bevölkerung aus. Ihre Europawahl-Kandidatin Beatrix von Storch sagt: ,Multikulti hat die Aufgabe die Völker zu homogenisieren und damit religiös und kulturell auszulöschen.' Wenn das nicht Rassismus ist, was ist dann Rassismus?“

Kommentare (137)

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Echoes

21.02.2014, 14:29 Uhr

Sie sollten inzwischen bemerkt haben, daß das von Friedmann verwendete Zitat weder von Lucke, Petry noch überhaupt von der AfD gekommen ist. Warum veröffentlichen Sie dann wahrheitswidrig? Auftrag?

Account gelöscht!

21.02.2014, 14:30 Uhr

Friedmann ist der gleiche Typ Selbstdarsteller wie Lanz; beide Herrschaften wollen sich lediglich auf Kosten der Gäste profilieren und lassen diese nie ausreden; es verwundert, dass Lucke überhaupt gekommen ist.

Kritisiert man jedoch Friedmann, wird gleich die jüdische Karte gespielt und die Kritiker wird verunglimpft

Wutbuerger

21.02.2014, 14:37 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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