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22.07.2015

12:27 Uhr

AfD-Fans bei Facebook

Frauke Petry hängt Bernd Lucke ab

VonDietmar Neuerer

Obwohl Bernd Lucke mit einer neuen Partei das Polit-Comeback wagt, wächst in den sozialen Medien die Fangemeinde von AfD-Chefin Frauke Petry. Für ihre Partei geht es dafür steil bergab. Kann Lucke davon profitieren?

Bei Facebook Top, in Umfragen Flop: AfD-Chefin Frauke Petry. dpa

Frauke Petry.

Bei Facebook Top, in Umfragen Flop: AfD-Chefin Frauke Petry.

BerlinFrauke Petry hat alle Hände voll zu tun, um ihre Partei vor dem Zerfall zu bewahren. Nicht nur in Umfragen geht es für die Alternative für Deutschland (AfD) steil bergab. Seit dem Austritt von Bernd Lucke suchen immer mehr Parteimitglieder das Weite. Einzig Petry, die nun die AfD anführt, sorgt für einen Silberstreif am Horizont.

In den sozialen Medien wächst ihre Fangemeinde kontinuierlich. Das geht aus einer Social-Media-Analyse der Plattform Pluragraph.de des Hamburger Politikberaters Martin Fuchs (@wahl_beobachter) hervor.

Aktuell kommt Petry bei Facebook auf fast 22.300 Fans. Der Parteitag der AfD Anfang Juli, bei dem sie sich im Machtkampf um den Parteivorsitz gegen Lucke durchgesetzt hat, bescherte ihr etwa 1.500 neue Fans. Damit liegt sie vor Lucke, dessen Anhängerschaft kaum noch wächst und derzeit bei knapp 21.300 Usern stagniert. Seit dem Parteitag seiner Ex-Partei hat er nur etwa 170 Anhänger hinzugewonnen.

„Die aktuellen Zahlen sind Petrys persönlicher Höchstwert“, sagt Fuchs. Sie liege damit auf Platz 19 aller deutschen Politiker und somit nah dran an den Parteivorsitzenden von FDP, Grünen und Linken.

Lucke, der auf Platz 22 rangiert, kann dagegen kaum noch punkten. Und seine neue Partei sowieso nicht, weil es aktuell weder einen Twitter-Account noch ein Facebook-Profil gibt, wie der Bremer Ex-AfD-Abgeordnete Piet Leidreiter dem Handelsblatt sagte. Mit rund 70 früheren AfD-Anhängern hatte er am Sonntag in Kassel die Partei „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ (Alfa) gegründet.

Die Facebook-Profile der von Lucke und seinen Anhängern ins Leben gerufenen Weckruf- beziehungsweise Neustart-Gruppierungen sind indes, wie Fuchs sagte, seit über einer Woche fast konstant geblieben. Da gebe es „keine großen Sprünge“ mehr, sagte er. Von daher sei er eher „skeptisch, dass die neue Partei schnell alte AfD-Reichweiten im digitalen Raum erreicht“.

Europas Populisten: Von AfD bis Ukip

Deutschland: Alternative für Deutschland (AfD)

Die Alternative für Deutschland (AfD) wurde einst beherrscht von heftigen internen Richtungskämpfen zwischen wertkonservativem und liberalem Flügel. Den Machtkampf entschied die dem rechtskonservativen Flügel zugerechnete Frauke Petry. Aktuell lässt sich die Partei dem rechten Spektrum zuordnen. Die AfD konnte sich zunächst mit scharfer Kritik am Euro-Rettungskurs der Bundesregierung, aber auch mit Positionen zur Einwanderungspolitik und familienpolitischen Themen in der deutschen Meinungslandschaft wirksam profilieren und positionieren. Die Flüchtlingskrise gibt ihr - und vor allem den rechtsnationalen Vertretern in der Partei Rückenwind.
Quelle: Deutsche Bank Research „Europas Populisten im Profil“, April 2015; Handelsblatt-Recherchen

Finnland: Die Finnen

Dem rechten Spektrum zuzuschreiben sind die Finnen, die sich 1995 gegründet haben. Im Zuge der Euro-Krise konnten sie sich insbesondere mit EU-skeptischen Positionierungen profilieren. Sie fordern die Verteidigung der nationalen Identität und eine stärkere Verantwortung der Nationalstaaten in Europa.

Frankreich: Front National

Der 1972 gegründete Front National (FN) findet in Frankreich nach einer strategischen Neuausrichtung im Jahr 2011 unter der neuen Parteivorsitzenden Marine Le Pen zunehmend Zuspruch. Die Rhetorik und das Verhalten des FN wurden gemäßigt. Zugleich hat der FN auch sein Themenspektrum erweitert, sodass neben Einwanderung auch Globalisierungstendenzen und die EU kritisiert werden. Der FN ist daher dem rechtspopulistischen Spektrum zuzuordnen.

Griechenland: Syriza-Bündnis

Griechenland ist ein Sonderfall. Hier stehen Populisten in Regierungsverantwortung. Das linke Parteienbündnis Syriza hat die Parlamentswahlen im Januar 2015 als stärkste Kraft gewonnen und bildet eine Koalition mit den rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen. Syriza weist die Verantwortung für Fehlentwicklungen des Landes konsequent der Euro-Rettungspolitik zu. Die Ursachen der nationalen Schieflage verortet Syriza in der internationalen Finanzwirtschaft und der EU. Im Wahlkampf konnte das Bündnis mit der Forderung nach einem Schuldenschnitt für Griechenland punkten.

Italien: Movimento 5 Stelle, Lega Nord und Forza Italia

In Italien gibt es gleich mehrere populistische Kräfte: Movimento 5 Stelle, Lega Nord und Forza Italia. Allerdings ist die Regierungspartei Partito Democratico (PD) mit 37,2 Prozent in Umfragen immer noch sehr stark und wäre eindeutiger Sieger bei Parlamentswahlen. Fraglich ist, ob eine absolute Mehrheit zustande kommen kann oder eine Koalition mit einer der populistischen Parteien gegründet werden müsste. Die Koalitionsverhandlungen dürften vermutlich wie bei den letzten Wahl en schwierig werden und den Einfluss populistischer Parteien insofern stärken, als dass die PD diesen inhaltlich entgegenkommen müsste.

Niederlande: Partei für die Freiheit

Die Partei für die Freiheit (PVV) ist dem rechtspopulistischen Parteienspektrum zuzuordnen. Im Kern positioniert sich die Partei gegen Einwanderung und die EU. Vor allem durch ihren Vorsitzenden Geert Wilders erlangt die PVV in den Niederlanden eine hohe Aufmerksamkeit in den Medien.

Österreich: Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ)

Die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) ist mit Gründung 1955 eine die der ältesten populistischen Parteien. Nach der Abspaltung des rechtsliberalen Flügels als Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) im Jahr 2005 mobilisiert die rechtspopulistische FPÖ gegen weitere europäische Integration und die „Islamisierung“ Österreichs.

Spanien: Podemos-Bewegung

Neu im linken Spektrum ist die spanische Podemos-Bewegung. Sie ging im März 2014 aus der Bewegung der „Empörten“ hervor und sieht sich als Vertretung der Bevölkerung gegen eine „politische Kaste.“

Großbritannien: United Kingdom Independence Party (Ukip)

Im Vereinigten Königreich ist EU-Skepsis tendenziell verbreiteter als in anderen EU-Ländern. Dies spiegelt sich auch in der Parteienlandschaft wieder, in der die rechtskonservative United Kingdom Independent Party (Ukip) mit ihrer Forderung nach einem EU-Austritt die stärksten EU-skeptischen Züge trägt.

Ein Grund könne sein, das Alfa „mit wesentlich weniger Hype“ gestartet sei, eine „starke Altpartei“ zum Gegner und nur wenige Neumitglieder habe. „Bernd Lucke selber wird deshalb nicht oder nur in sehr geringem Maße von der neuen Partei profitieren, was seine persönliche Reichweite und das Fanwachstum angeht“, sagte Fuchs.

Kommentare (29)

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Herr C. Falk

22.07.2015, 13:07 Uhr

Ich halte zwar überhaupt nichts davon, wenn sich die AfD inhaltlich zu einem Front National entwickeln würde. Der FN ist in Frankreich allerdings überaus erfolgreich genau so wie die FPÖ in Österreich oder ähnliche Gruppierungen in der Schweiz oder Dänemark. Alle im Bereich weit über 20%.

Peter Markgraf

22.07.2015, 13:14 Uhr

Tja liebes Handelsblatt, woher nur dieses Diskrepanz?

Ganz einfach Umfragewerte sind meist staatlich in Auftrag gegeben, bewusst fingiert und somit wenig repräsentativ..
Das soziale Netzwerk ist die Realität. Gott sei Dank gibt es für eine von der Mainstream-Presse denuzierten Partei diese medialen Blattformen.

Peter Markgraf

22.07.2015, 13:25 Uhr

Facebook-Zuspruch:

AfD 133.000 Likes
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