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28.04.2013

15:42 Uhr

AfD

Gesamtmetall wettert gegen Euro-Kritiker

VonBernd Kupilas

Bei Wählern trifft die Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“ auf Resonanz, doch die Wirtschaft sieht keine Alternative zum Euro. Die Rückkehr zur D-Mark wäre für Deutschland fatal, sagt Gesamtmetall-Chef Dulger.

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Rainer Dulger. dpa

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Rainer Dulger.

DüsseldorfGesamtmetall-Präsident Rainer Dulger hat der neuen Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“ eine deutliche Absage erteilt. „Eine Rückkehr zur D-Mark wäre für die Metall- und Elektroindustrie fatal“, sagte Dulger im Interview mit dem Handelsblatt (Montagausgabe) mit Blick auf die Kernforderung der Protestpartei, den Austritt aus dem Euro.

„Die Folge wäre eine deutliche und dauerhafte Aufwertung, die uns 30 bis 50 Milliarden Exportumsatz kosten würde - und zwar über Jahre, mit allen entsprechenden Konsequenzen für die Arbeitsplätze.“

Zwar müsse noch mehr geschehen, um das ungehemmte Schuldenmachen zu beenden, sagte Dulger. „Aber man soll bitte nicht die alten Zeiten nostalgisch verklären.

Zugleich erklärte Dulger, er sei sehr zufrieden mit dem Krisenmanagement von Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Ohne die Vernunft und den Weitblick von Frau Merkel und Herrn Schäuble wären wir heute in Europa ganz woanders“, sagte er. „Wir brauchen Europa, wir brauchen den Euro, wir brauchen den Binnenmarkt. Und wir sollten auch am meisten dafür tun, dass er erhalten bleibt.

Die laufende Tarifauseinandersetzung mit der IG Metall in der wichtigen Metall- und Elektroindustrie nannte der Gesamtmetall-Präsident eine Tarifrunde „der leiseren Töne“. Dulger: „Dies ist keine Krawallrunde.“ Und weiter: „Wenn die Gewerkschaft so früh solche Töne anschlägt, hat die IG Metall verstanden, wie heterogen unsere Branche momentan aufgestellt ist.

Die Anti-Euro-Thesen der „Alternative für Deutschland“

Zukunft des Euro

Wir fordern eine geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes. Deutschland braucht den Euro nicht. Anderen Ländern schadet der Euro. (Quelle: Parteiprogramm)

Neue Währungen

Wir fordern die Wiedereinführung nationaler Währungen oder die Schaffung kleinerer und stabilerer Währungsverbünde. Die Wiedereinführung der DM darf kein Tabu sein.

Europäische Verträge

Wir fordern eine Änderung der Europäischen Verträge, um jedem Staat ein Ausscheiden aus dem Euro zu ermöglichen. Jedes Volk muss demokratisch über seine Währung entscheiden dürfen.

Austrittsrecht

Wir fordern, dass Deutschland dieses Austrittsrecht aus dem Euro erzwingt, indem es weitere Hilfskredite des ESM mit seinem Veto blockiert.

Lasten für den Steuerzahler

Wir fordern, dass die Kosten der sogenannten Rettungspolitik nicht vom Steuerzahler getragen werden. Banken, Hedge-Fonds und private Großanleger sind die Nutznießer dieser Politik. Sie müssen zuerst dafür geradestehen.

Schuldenschnitte

Wir fordern, dass hoffnungslos überschuldete Staaten wie Griechenland durch einen Schuldenschnitt entschuldet werden. Banken müssen ihre Verluste selbst tragen oder zu Lasten ihrer privaten Großgläubiger stabilisiert werden.

EZB-Politik

Wir fordern ein sofortiges Verbot des Ankaufs von Schrottpapieren durch die Europäische Zentralbank. Inflation darf nicht die Ersparnisse der Bürger aufzehren.

Das Angebot der Arbeitgeber von 2,3 Prozent sei „das, was in unserer Industrie überhaupt möglich ist“. Die Geschäfte der Branche liefen „durchwachsen“. „Keiner kann mit Sicherheit voraussehen, wie die nächsten acht Monate aussehen.“ Die IG Metall fordert in der Tarifrunde für die 3,7 Millionen Beschäftigten 5,5 Prozent und hat ab 1. Mai zu Warnstreiks aufgerufen.

Kommentare (129)

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Rex

28.04.2013, 15:59 Uhr

Das sieht der Mittelstand aber ganz anders, auch Schweiz, Dänemark und England kommen ohne Euro zurecht

Farmer

28.04.2013, 16:02 Uhr

Er hat einen Denkfehler. Deutschland liefert Maschinen nach Griechenland und bekommt auf der Aktiv Seite eine Gutschrift. Die Frage ist, wird Griechenland die Rechnung bezahlen? Im Moment sind es die Obligationäre die diese Rechnung bezahlen. Wenn wir ehrlich wären, müsste die Maschinenindustrie dieses Risiko zahlen und sie wird es eines Tages auch. Man kann Schulden nicht immer auf andere (EZB, IWF, etc.) umbuchen.
Also nicht lieber weniger Umsatz, dafür erhält man den Verkaufspreis auch in DM?

Euro-Payer

28.04.2013, 16:04 Uhr

Liebes Handelsblatt: Die Rückkehr zur DM - oder besser: zu einer nationalen deutschen Währung - ist nicht die oberste Forderung der AfD. Gefordert wird vielmehr ein Austritt der schwachen Periheriestaaten, ferner kleinere Währungsverbünde zwischen ähnlich aufgestellten Staaten und das prinzipielle Recht, aus dem Währungsverbund austreten zu können. Letzteres impliziert natürlich die Schaffung einer nationalen Währung.

Die Medien - leider auch das Handelsblatt - geben das Programm der AfD leider immer wieder verkürzt und/oder falsch wider. Das der CDU-nahe Herr Dulger (er wurde von der CDU für die letzte Bundesversammlung nominiert) die AfD gerne als "spinnige Nostalgiker" hinstellt, ist Teil der Verdummungsstrategie der Etablierten.

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